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  1. Römisches Köln
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    Römerzeit bis zur Neuzeit

Die früheste jüdische Gemeinde Kölns

Juden gab es in der Provinz Niedergermanien vermutlich schon seit Ende des 1. Jahrhunderts. Bis zum 4. Jahrhundert bildete sich eine große und bedeutende Gemeinde.

Kaiser Konstantin der Große ließ 321 nach Christus ein Schreiben nach Köln senden, in dem er erlaubte, Juden in den Stadtrat, die Kurie, zu berufen. Nur eine große und wohlhabende Gemeinde konnte Mitglieder für ein solches städtisches Ehrenamt abstellen, denn auf einen Kurialen kamen in der Spätantike erhebliche private finanzielle Belastungen zu.

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Die Frage der Kontinuität

Eine der spannendsten Fragen ist die nach dem Schicksal der jüdischen Gemeinde am Ende der römischen Epoche. Emigrierten die Mitglieder in den Mittelmeerraum bzw. nach Gallien oder lebte die jüdische Gemeinschaft auch unter der fränkischen Herrschaft in Köln fort und bildete die Keimzelle der großen mittelalterlichen Gemeinde?

Die Ausgrabungen auf dem Rathausplatz haben mittlerweile eine Reihe von Indizien für die Kontinuität der Jüdischen Gemeinde von der Antike bis zum Mittelalter erbracht. So nutzt die erste, sicher zu identifizierende Synagoge einen spätantiken Bau, bevor sie durch ein Erdbeben Ende des 8. Jahrhunderts zerstört wurde. Dazu gehört ein ovales Becken, das in allen Bauphasen in Gebrauch war. Die 1000jährige Nutzung konnte durch naturwissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen werden.

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Mittelalterliche Gemeinde

Die Ausgrabungen erwiesen: In Köln stand die älteste bisher bekannte Synagoge nördlich der Alpen. Spektakulär konnte sie in die Zeit vor 800 datiert werden. Das ist mehr als zweihundert Jahre früher als die Schriftquellen berichten, die für die Synagoge erst im 11. Jahrhundert einsetzen.

Der erste sichere schriftliche Beleg für die jüdische Gemeinde findet sich in der Vita Annonis, der Lebensbeschreibung des heiligen Erzbischofs Anno von Köln, zu 1075. In einer Urkunde von 1091 ist das Judenviertel genannt „inter iudeos".

1096 dann trifft die erste schwere Verfolgung die jüdische Gemeinde. 1096 ziehen Kreuzfahrer auf ihrem Weg ins Heilige Land den Rhein hinunter, töten in ihrem fanatischen Eifer Juden und zerstören ihre Wohnviertel.

Auch die Kölner Synagoge wird zerstört, die Thorarollen herausgerissen und in den Straßenschmutz geworfen, einige Juden getötet, die anderen finden zunächst Unterschlupf bei christlichen Bekannten, bis der Erzbischof sie in verschiedene Orte bringen lässt, wo sie aber dann von den Kreuzfahrern aufgegriffen und ermordet werden. 300 Kölner Juden sollen damals getötet worden.

Die Gemeinde muss sich aber schnell wieder konsolidiert haben, 1105/6 wird die Bewachung der neuen Stadttore und Türme unter die Sondergemeinden verteilt. Die Juden erhalten die Aufsicht über die Judenpforte (Ecke Kattenbug/Komödienstraße), später nach dem Bau Befestigung von 1180, über das sogenannte Judenwischhaus am Türmchenswall.

Die Juden waren nicht nur Fernhändler, sondern auch Bankiers, und übernahmen so im Wirtschaftsleben eine Rolle, die Christen aufgrund des kirchlichen Zinsverbotes nicht gestattet war.

Sie standen im Mittelalter unter dem besonderen Schutz des Königs. Im 13. Jahrhundert ging der Judenschatz an den Erzbischof über. Das 1266 in Stein gehauene Judenprivileg Erzbischof Engelberts II ist noch heute in der Kreuzkapelle des Domes zu sehen. Aber auch der Rat beanspruchte die Vertretung der jüdischen Bewohner. 1321 sind judenrechtliche Bestimmungen im ersten Eidbuch der Stadt überliefert.

Wichtigstes Gremium der Gemeinde war der Judenrat, der unter dem Vorsitz des sogenannten Judenbischofs (episcopus iudaeorum), der die Verwaltung, die Rechtsgeschäfte, die religiösen Angelegenheiten und die Kontakte nach außen regelte. Das rabbinatische Gericht, das üblicherweise aus drei Mitgliedern bestand, war integraler Bestandteil des Judenrats. Die Gelehrten Kölns zählten in dieser Zeit zur Elite in Deutschland. Enge Kontakte bestanden zu den Bildungszentren auf der iberischen Halbinsel. Rabbi Ascher Ben Jechiel aus Köln wurde z. B. 1303 Oberrabbiner von Toledo. Im Skriptorium der Kölner Synagogengemeinde entstanden einige der prächtigsten hebräischen Handschriften des Mittelalters.

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Die Bauten des jüdischen Viertels

Die Kölner Judengemeinde umfasste in ihrer Blütezeit 800-1000 Mitglieder. Das jüdische Quartier erstreckte sich von der Budengasse im Norden bis Oben Marspforten im Süden, von Unter Goldschmied im Westen bis zum Rathaus im Osten.

Um 1135 wurde das Judenschreinsbuch angelegt, dass es uns ermöglicht, die Ausgrabungsergebnisse mit den Schriftquellen zu synchronisieren.

Synagoge

Die Ausgrabungen erbrachten zahlreiche Einzelergebnisse zu den Bauphasen und zur Ausstattung der Synagoge. So lässt sich das neben dem Thoraschrein wichtigste Ausstattungsstück, die Bimah, mittlerweile aus über 350 Bruchstücken rekonstruiert. Die Bimah, auch als Almemor bezeichnet, war die Lesekanzel in der Mitte der Synagoge. Sie war bekrönt mit einer Serie von Kreuzblumen, umstanden von Pfeilerbündeln mit floralen Kapitellen und versehen mit Zackenbögen, in denen Vögel und kleine Tiere sich zwischen Weinlaub tummeln. Die Bimah wurde wahrscheinlich um 1280 von französischen Handwerkern der Dombauhütte geschaffen. Sie ist damit auch ein einzigartiges Zeugnis des Zusammenlebens von Juden und Christen in dieser Zeit.

Dieses Meisterwerk gotischer Kleinarchitektur wurde während des Pogroms 1349 zerschlagen, die Eisenteile herausgerissen und mit den Bruchstücken der Keller unter dem Bimahpodest verfüllt.

Mikwe

1956 wurde auch der ca. 17 Meter tiefe Schacht der Mikwe, des rituellen jüdischen Bades, ergraben, das heute unter der silbernen Pyramide auf dem Rathausplatz sichtbar ist. Aus konservatorischen und restauratorischen Gründen war eine Abdeckung des früheren Glasdachs notwendig.

Nach den rituellen Erfordernissen muss eine Mikwe „lebendiges" Wasser enthalten, also strömendes Grundwasser. Der wechselnde Pegel des Rheins ist noch heute im unteren Bereich durch verschiedene Wasserstände ablesbar. Ende 2009 war die Mikwe wegen des niedrigen Wasserstands des Rheins komplett trocken gefallen. Dieses Ereignis ermöglichte die Entnahme von Proben für naturwissenschaftliche Untersuchungen und eine detaillierte Bauaufnahme, die die einzelnen Bauphasen der Mikwe genauer klären werden. Schon jetzt lässt sich feststellen, dass auch die Mikwe ins 8. Jahrhundert zurückreicht, denn auch sie weist in den frühen Phasen Erdbebenschäden auf.

Weitere Bauten

Ein jüdisches Haus, das 1135 erstmals erwähnt wurde, konnte auf der Westseite der Synagoge identifiziert werden. Zu den weiteren herausragenden Bauten des jüdischen Viertels gehört das Hospital, eine gemeinschaftliche, karitative Sozialeinrichtung für Kranke, Alte und Reisende, dessen Reste in der Porticus zu sehen sind. Aber auch die Teile der domus Lyvermann, der Bäckerei und des Warmbades sind erhalten und bilden ein in Europa ganz einzigartiges Bauensemble.

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Das Pogrom von 1349 und die endgültige Vertreibung der Juden 1424

Über das Pogrom des Jahres 1349 erbrachten die Grabungen noch weitere neue Ergebnisse: Bedeutsame Funde aus einer Kloake, die zur Wohnung des Rabbiners im Obergeschoss der Synagoge gehörte, stammen aus der Zeit kurz nach August 1349 und geben einen einzigartigen Einblick in die Lebenswelt einer jüdischen Familie. Die ungeheure Fülle von Tierknochen, aber auch botanische Reste spiegeln die Ernährung nach den strengen jüdischen Speisegesetzen. Detaillierte Informationen gewann man auch zum Hausrat: von Buchbeschlägen bis zu Resten von verbranntem Pergament mit hebräischen Schriftzeichen, von Kinderspielzeug bis zu Medizinfläschchen, von Fensterverglasung über Metallbeschläge der Möbel, über Ofenkacheln bis zur Dachdeckung reicht das Spektrum der Funde, die nach der Plünderung der Synagoge in die Kloake geworfen wurden.

1372 gestattete der Rat auf Betreiben des neuen Erzbischofs Friedrich von Saarwerden eine Wiederansiedlung von jüdischen Familien.

Bereits 1423 beschloss die Stadt jedoch, den Judenschutzbrief nicht zu verlängern. 1424 mussten alle jüdischen Familien die Stadt verlassen.

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Das Schicksal der Kölner Juden in der Neuzeit

Viele jüdische Familien siedelten sich auf der anderen Rheinseite in Deutz oder Mülheim an. Die jüdischen Ärzte durften von dort aus tagsüber in Köln ihre Patienten besuchen, die jüdischen Kaufleute ihre Handelsgeschäfte betreiben. Nach der Zerschlagung der im Rheinland führenden Großgemeinde organisierten sich die in Kurköln lebenden Juden neu. Dazu gehörte z.B. auch die Bestellung eines Landesrabbiners. Im Zeitalter des Absolutismus begann der erneute Aufstieg jüdischer Familien als Hoffaktoren, d.h. als Hoflieferanten und Bankiers von Fürsten. Die Besetzung der Rheinlande durch die französischen Revolutionstruppen und die Eingliederung der linksrheinischen Gebiete in den französischen Staat brachten für alle Gruppen Religions- und Niederlassungsfreiheit. 1798 nahm die erste jüdische Familie wieder in Köln ihren Wohnsitz. In der Folgezeit wuchs die jüdische Gemeinde auf mehrere tausend Mitglieder an. Bedeutende Namen sind darunter wie der Komponist Jaques Offenbach oder der Bankier Salomon Oppenheim. Das kultische Zentrum des jüdischen Lebens befand sich aber nun nicht mehr am Rathausplatz. Die von Dombaumeister Zwirner 1857-61 errichtete und von der Familie Oppenheim finanzierte Synagoge stand in der Glockengasse am heutigen Offenbachplatz.

1925 zählte die Stadt ca. 20.000 jüdische Einwohner, die Verfolgung durch das Nazi-Regime löschte die Gemeinde praktisch aus. 11.000 Kölner jüdischen Glaubens wurden deportiert und im Holocaust ermordet. Heute leben wieder rund 5000 jüdische Mitbürger in Köln.

Weitere Informationen

NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln:
www.museenkoeln.de/ns-dok

Kölnisches Stadtmuseum:
www.museenkoeln.de/koelnisches-stadtmuseum

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Inhalt:

  1. Die früheste jüdische Gemeinde Kölns
  2. Die Frage der Kontinuität
  3. Mittelalterliche Gemeinde
  4. Die Bauten des jüdischen Viertels
  5. Das Pogrom von 1349 und die endgültige Vertreibung der Juden 1424
  6. Das Schicksal der Kölner Juden in der Neuzeit

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