Jubiläumsrede

Grußwort von Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach

Sehr geehrte, liebe Frau Dinges,
lieber Herr Hellmich,
lieber Herr Dr. Heidingsfelder,
liebe Freunde der artothek,
werte Gäste,

ein Bild kann uns das Gefühl geben, eine ganze Welt in Händen zu halten. Oft eine neue Welt, die dann unsere eigene ergänzt oder herausfordert, - in jedem Falle aber bereichert.
Und so ist es eine besondere Freude für mich, heute Abend zum 40. Geburtstag der Kölner Artothek bei Ihnen sein zu können und ganz herzlich zu gratulieren!

Wie schön, dass Sie diese Jubiläumsfeier so gelegt haben, dass sie zugleich mein erstes Grußwort als neue Kulturdezernentin der Stadt Köln mit einschließt und – wie sollte es anders sein -, selbstverständlich dieser Abend auch gleichzeitig eine Ausstellungseröffnung markiert, nämlich die des Berliner Künstlers Christian Hellmich mit dem Titel „nitty-gritty“. Dazu wird uns im Anschluss Herr Dr. Heidingsfelder sicher noch Deutungen liefern…

Die Artothek Köln – Raum für junge Kunst – blickt nun also in diesem Jahr stolz auf ihr 40. Bestehen zurück. Lassen Sie mich diesen Weg kurz nachzeichnen.

Initiiert von Horst-Johannes Tümmers, Kunsthistoriker und damaliger Direktor der Stadtbücherei, nahm die artothek in Köln am 30. März 1973 ihre Arbeit auf. Damals noch in den Räumen der Stadtbücherei, seit 1977 hier am Hof 50 in diesen eigenen wunderschönen Ausstellungsräumen in der Architektur der 50er Jahre. Ihr Angebot ist bis heute einzigartig: Sie verleiht zeitgenössische Kunstwerke von weltbekannten und neu entdeckten Künstlerinnen und Künstlern, berät dabei fachkundig und zeigt ein Ausstellungsprogramm Kölner Künstler und internationaler Gäste, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung findet. Die denkmalgeschützte Innenarchitektur in diesem Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert ist hierbei für die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler stets Herausforderung und Geschenk zugleich. Wer hier ausstellt, muss sich mit der Architektur auseinandersetzen, mit ihr oder auch zuweilen gegen sie arbeiten. Karrieren junger Kunstschaffender haben in der Kölner artothek ihren Anfang genommen, und auch namhafte Künstler nutzten die Gelegenheit, ihre Arbeit in der artothek zu präsentieren. Ich möchte beispielhaft nur einzelne nennen: C. O. Paeffgen, die Mülheimer Freiheit, Astrid Klein, Jakob Altmeyer, Frances Scholz, Raimund Girke.

2005 stiftete die Koelnmesse zum 25-jährigen Bestehen ihres Förderprogramms ‚New Talents' einen neuen Kunstpreis, um aus den bereits sorgfältig ausgewählten ‚New Talents', inzwischen umbenannt in ‚New Positions', eine Position als ‚Best of the Best' auszuzeichnen. Der Preis ist verbunden mit einer Präsentation in der artothek. Als „Audi-Art-Award“ bereichert er das Programm der Institution und lenkt gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf Kreativität und Initiative der Galeristen, junge Talente zu erkennen und neben etablierten Künstlern vorzustellen. Zuletzt war hier im letzten Monat Juergen Staark als Preisträger 2012 mit seinen Arbeiten zu sehen. Diese Kooperation freut mich ganz besonders: da sie drei starke Player für die Kunst zusammendenkt – die Art Cologne, Audi und die artothek. Der „Audi-Art-Award“ ist eine tolle Auszeichnung auch für die artothek.

Nach wechselvoller Geschichte ist die artothek als Raum für junge Kunst seit 2008 organisatorisch dem Kulturamt der Stadt Köln angegliedert, das somit für die Zukunft der Institution steht. Mein Vorgänger Prof. Quander hat sich mit besonderer Hingabe auch um diese, seine kleinste städtische, Institution gekümmert und Sie können versichert sein, auch mir liegt ihr Fortbestehen besonders am Herzen.

Artotheken sind in Deutschland sehr wichtige Institutionen zur direkten Vermittlung moderner Kunst an ein breites Publikum. Nicht umsonst besteht dieses Angebot seit den 70er Jahren in fast allen größeren Städten. Es war eine Zeit kultureller Aufbruchstimmung, man sprach von Demokratisierung der Kunst, die nicht länger einer kleinen Gruppe Eingeweihter vorbehalten bleiben sollte. Beuys proklamierte damals „Jeder Mensch ein Künstler“ – die Artotheken forderten „Jedem Mensch sein Kunstwerk“. Dieser Umbruch herrschte auch in Köln. Immer mehr Künstler zogen in die Stadt, um hier zu arbeiten, aber auch, um sich mit anderen auszutauschen. Ebenso entschieden sich immer mehr Galeristen für Köln. Das Faszinierende an dieser Stadt war, - so haben manche Künstler es formuliert -, dass sie hinter eher unscheinbaren Fassaden genau die Atmosphäre fanden, ihre Ideen zu entwickeln und Außergewöhnliches zu realisieren. Gerade das Unprätentiöse von Köln schien Raum für Kreativität zu ermöglichen, verbunden mit einem Klima der Toleranz.

Natürlich unterscheidet sich das Artotheksangebot in den verschiedenen Städten sehr voneinander. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass die artothek in Köln eine ganz besondere Kunstauswahl bietet. Sie besitzt frühe Werke der ganz großen Kölner Söhne und Töchter: Gerhard Richter, Sigmar Polke, Jürgen Klauke, Astrid Klein oder Francis Scholz. Und eben auch vieler internationaler Größen und Neuentdeckungen, dank eines jährlichen Neuankaufsetats.

Seit letztem Jahr können sich alle Entleiher oder die, die es noch werden wollen – und ich hoffe, das sind viele -, nun auch im Internet über den Bestand informieren. Dass dies permanent Früchte trägt, zeigen auch solche Entleiher wie jüngst die Bavaria Film, die für einen Fernsehfilm mit Iris Berben mal eben 43 Kunstwerke ausgeliehen hat.

Dass die artothek seit den 70er Jahren so erfolgreich in Köln arbeiten kann, verdankt sie nicht nur ihrem Team: Christiane Dinges und Nadeschda Schmunk und dem Kulturamt mit der Referentin Barbara Foerster, sondern auch besonders ihrem sehr engagierten Freundeskreis, den Freunden der artothek Köln. Jürgen Weghmann, Barbara Hosmann und Markus Schumann möchte ich für ihr Engagement – gegen alle vergangenen Kürzungsdrohungen mutig und kämpferisch anzugehen – sehr herzlich an dieser Stelle danken!

Danken möchte ich außerdem allen Entleihern, Künstlerinnen und Künstler sowie allen Kooperationspartnern und Unterstützern wie dem Redaktionsbüro Dank oder „Früh Kölsch“, die auch heute wieder ein Fass Bier gespendet haben. Viele haben also dazu beigetragen, dass die artothek nun auf ihr 40-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Ein guter Grund sich zu freuen – und zu feiern!

Die artothek krönt ihr Jubiläum mit einer ganz besonderen Ausstellung von Christian Hellmich, der einmal so rätselhaft formuliert hat, dass es ihm in seinem Werk um „ein Erkennen ohne Wiedererkennen“ geht.

Und eine gewisse symbolische Form eines Spiegels hat eine Einrichtung wie die artothek nun einmal auch. So wie wir hier Kunstwerke aus großer Vielfalt aussuchen und entleihen, - schließlich aber eines Tages wieder zurückgeben, - so ist alles im Leben, ob es uns nun gefällt oder nicht, nur geliehen. Und dieser Umstand fordert uns einerseits natürlich dazu auf freudig das Geliehene zu genießen und in unsere eigene Welt wie am Anfang erwähnt, hineinzubetten, aber andererseits auch die Verantwortung dafür zu erkennen und wahrzunehmen. Wir wollen es ja eines Tages unversehrt zurückgeben.
Das gilt in hohem Maße auch für Kunst und Kultur in einer Kreativitätsmetropole wie der wunderbaren Stadt Köln. Viele Generationen vor uns haben auf den Fundamenten von Historie und Tradition große Kunst- und Kulturschätze hinterlassen, wir müssen sie bewahren und ausbauen, für uns selbst und die nach uns Kommenden. So können wir uns alle als Sachverwalter engagieren, verpflichtet einer einzigen großartigen Artothek mit Namen Köln, in der wir das Erkennen und Wiedererkennen beispielhaft leben wollen. Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, mich auf diesem Weg in den kommenden Jahren zu begleiten!

Nun aber geht es ans Feiern! Nach der Einführung in das Werk von Christian Hellmich durch den Medientheoretiker Dr. Markus Heidingsfelder freuen wir uns auf ein Konzert der Gruppe Herzangst (der Name wird ja in diesem Fall nicht Programm sein) mit Closter of Gran Horno.
Einen schönen vergnüglichen Abend Ihnen allen und auf inspirierende gemeinsame Zeiten!
Ich danke Ihnen!