3. März bis 2. April 2016

Patrycja German

Come Talk To Me

„2. März 2016, 20-22 Uhr, artothek, Köln.
Ich trage ein Kleid, das mit einer Megadosis hochkonzentrierten synthetischen Beta-Androstenols besprüht ist. Beta-Androstenol ist ein Sexuallockstoff, der in Eierstöcken, Hoden und Nebennieren produziert wird und im Urin, Schweiß, Speichel und Nervensystem beider Geschlechter vorkommt. Er wird unbewusst vom Vomeronasalorgan wahrgenommen und steuert maßgeblich menschliche Emotionen und soziales Verhalten. Wenn an einem Menschen wahrgenommen, hat er einen positiven Einfluss auf die Bewertung seiner Vertrauenswürdigkeit und erzeugt ein Gefühl der Vertrautheit und Intimität. In höheren Dosen wurde eine Wirkung ähnlich einem Wahrheitsserum festgestellt.“

Die Künstlerin Patrycja German analysiert und reflektiert das System Kunst als ein Zusammenspiel von Künstler, Werk und Betrachter. Sie entwickelt Versuchsanordnungen, in denen sie selbst agiert und den Betrachter als Mitspieler konzipiert. So schafft sie Situationen, die in ihren Grundzügen festgelegt sind, den Betrachter jedoch mit verschiedenen subjektiven Beobachtungsmomenten konfrontiert.

Die in der artothek – Raum für junge Kunst gezeigte Arbeit aus der neuen Werkserie „Come Talk To Me“ fordert zum ständigen Neujustieren zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit heraus.

Während der Ausstellungseröffnung trifft der Besucher auf die Künstlerin, deren Kleid mit einem geschlechtsunspezifisch wirkenden Pheromon durchtränkt ist. Über die Wirkung des Pheromons, das die Kommunikation beeinflusst, informiert ein Text.
Nach dem Eröffnungsabend werden der oben beschriebenen Situation Künstlerin und Publikum entzogen. Im Ausstellungsraum verbleibt das Kleid der Künstlerin, ein leerer Flakon der Substanz und der Text. Die so erzeugte Leerstelle wird zur Projektionsfläche, die die Imagination des neu hinzukommenden Ausstellungsbesuchers anregt.