7. Dezember bis 23. Dezember 2017

Şirin Şimşek

HÜZÜN

Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst 2017 für Şirin Şimşek

Şirin Şimşek ist in den Medien Fotografie, Film und Video zu Hause. Sie beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Themen und Situationen die alltäglich erscheinen, aber durch den Fokus, den sie bei ihrer Betrachtung setzt, eine irritierende Verschiebung erfahren und den Betrachter mit Fragen zurück lässt.

Das zentrale Werk der Ausstellung bildet der Film „Hüzün“, der in der artothek uraufgeführt wird. „Hüzün“ wird in Wörterbüchern mit Trübsinn, Traurigkeit, Schwermut oder Melancholie übersetzt. Şirin Şimşek beschreibt das Gefühl so: „Das Hüzün, das ich empfinde, ist eine Heimat in der Ferne, die nicht meine ist und von der ich mich immer mehr entfremde. Gleichzeitig will und kann ich sie nicht aufgeben. Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger, ob und wie es möglich ist, sich mit einem Land oder gar einer Nation zu identifizieren. In meinem Fall sind es sogar zwei Länder, die sich um mein Gefühl der Zugehörigkeit streiten: Das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, und das Land, in dem meine „Wurzeln“ zu finden sind.“

Für die Dreharbeiten zum Film ist Şirin Şimşek in den Touristenort Side an der türkischen Riviera zwischen Alanya und Antalya gereist. Durch die aktuellen politischen Entwicklungen ist der Tourismus dort fast zum Erliegen gekommen, die Ruhe der Nachsaison verstärkt die Tristesse, die mit intuitiv gewählten Motiven filmisch eingefangen wurden. „Şirin Şimşeks Arbeiten sind nicht nur handwerklich sehr professionell und inhaltlich spannend, sondern sie sind persönlich und zugleich politisch, sachlich und zugleich poetisch.“, heißt es unter anderem in der Jurybegründung.

In der artothek entwickelt die Künstlerin eine eigene Rauminstallation zum Film.

Şirin Şimşek (geb. 1983 in Köln) studierte an der Hochschule Düsseldorf Fotografie und anschließend Kunst an der Kölner Kunsthochschule für Medien bei den Professoren Phil Collins, Johannes Wohnseifer und Dr. Konstantin Butz. 2015 verbrachte sie als Residenzstipendiatin längere Zeit in Island. Parallel zum eigenen künstlerischen Schaffen leitete sie zusammen mit der Künstlerin Melike Kara den Projektraum AGNES MAYBACH in Köln.

Die Stadt Köln vergibt seit den 1970er Jahren die mit 10.000 Euro dotierten Förderstipendien für junge Künstlerinnen und Künstler. Dazu zählten auch heute bekannte und erfolgreiche Stipendiaten wie Boris Becker, Angie Hiesel, Astrid Klein, Marcel Odenbach, Ulrike Rosenbach und Klaus vom Bruch.