1. März bis 7. April 2018

Katja Davar

Field Trip

Katja Davar zeigt in der Ausstellung „Field Trip“ in der artothek neue Siebdruckarbeiten auf Leinwand begleitet von einer Videoarbeit.

Katja Davar zeichnet Gemälde, malt Zeichnungen und erforscht ihre zeitliche Komponente in Videoarbeiten. Für die Ausstellung „Field Trip“ in der artothek – Raum für junge Kunst hat sie neue Arbeiten zu der Idee einer „vertikalen Zeit“ oder „deep time“ geschaffen. Vertikale Zeit manifestiert sich in geologischen Schichtungen, die dann erkennbar werden, wenn man in die Tiefe des Bodens gräbt oder durch Schallmessungen ihre Zusammensetzung erforscht. Diese Erkenntnisse werden in schematischen, wissenschaftlich ausgerichteten Zeichnungen erfasst, kartografiert und ermöglichen so eine Vorstellung von dem, was früher auf der Erde war oder was sich aktuell unter uns befindet, wie sich tektonische Bewegungen ausgewirkt haben und weiter entwickeln könnten. (Charles Lyell (1795-1875) war Vordenker einer Theorie, die von der Annahme ausging, das die Erde über viele Millionen Jahre geformt wurde, und es ist hauptsächlich dieser Theorie zu verdanken, dass geologische Darstellungen von Erdformationen biblische Schöpfungsvorstellungen ersetzt haben.)

„Field Trip“ zeigt keine kurzzeitigen Veränderungen sondern fasst Millionen Jahre Erdgeschichte als Bild zusammen.

Dass wie wir die Erde erleben und wie wir sie nutzen, mit dem zu tun hat, was in der Erde stattfindet bzw. vor Jahrmillionen stattgefunden hat, dass alles miteinander verbunden ist, sich jeweils in die Existenz des anderen einschreibt, sich kaum merklich aber dauerhaft manifestiert, ist die Vorstellung, die Katja Davar interessiert. Scheinbar sachliche und wertneutrale Konstrukte oder Schemata verbindet sie in verschiedenen Medien (Gemälde, Video, Licht- und Soundinstallation) miteinander, sodass sich die technokratischen Verfahren zur Erklärung des Daseins auch mit ihrem mystischen, emotional aufgeladenen Gehalt offenbaren.

Die Kernidee der Ausstellung „Field Trip“ kreist sich um die Gestaltung einer erdachten Geografie. Katja Davar schafft ein Hybrid aus künstlichen und künstlerischen Landschaften, indem sie geologische Zeichnungen ausbeutet (verwendet). Sie erforscht dabei das Verhältnis zwischen natürlicher und gebauter Welt. Es entsteht die gedankliche Verbindung zu einem Prozess der Gewinnung (Extraktion) bzw. des Abbaus – üblicher Weise verbunden mit der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen, obwohl heutzutage die Vorstellung der Extraction auch auf den Bereich der Datenanalyse und auf digitale Währungen ausgeweitet wird. Dies spiegelt sich thematisch in der spielerischen Animation „Daughters of Time“, in der Pyrit (Schwefelkies) und Teppichstruktur aufeinander treffen.