Boris Mikhailov
* 1938, Ukraine

Während der 1970er und 1980er Jahre enthielten Mikhailovs Fotografien eine satirische Kritik des Sowjet Regimes. Seit dem Untergang der Sowjetunion hat er die Armut und den sozialen Zusammenbruch seiner Heimat dokumentiert. Die Serie „Case History“ (1997-98) umfasst nahezu 500 Fotografien, wobei das Hauptaugenmerk den Obdachlosen seines Geburtsortes Charkov gilt. Mikhailov bezahlt die Menschen dafür, dass sie für ihn Modell stehen. Häufig entblößt er ihre gezeichneten Körper mit ihren Tätowierungen, Narben und hervorquellenden Bäuchen. Er hat sich gegen den Vorwurf des Voyeurismus mit dem Argument verteidigt, es sei besser, die Aufmerksamkeit auf das Leiden und Erniedrigung der abgebildeten Menschen zu lenken und diese Zustände zu dokumentieren, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht. Der ungeschminkte Realismus dieser Arbeiten stellt eine ironische Antwort auf die verlogene Glätte des den sowjetischen Behörden genehmen „sozialistischen Realismus“ dar. In einer früheren Phase seiner Entwicklung unter dem Kommunismus gehörten zu den Fotografien Mikhailovs „The Red Series“ (1968-75), worin er das sowjetische Rot unterstrich, das unvermeidlicherweise in jeder Aufnahme, die er machte, auftauchte; ebenso die Schwarzweißserie „Salt Lake“ (1986), die Badende zeigt, wie sie sich in dem verschmutzten Wasser neben einer Industrieanlage vergnügen.

Boris Mikhailov, From Case History 1997-8, C-Print, 230 x 127 cm, credit: © Boris and Vita Mikhailov






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