Elvis Presley (1935-1977)

von Alfred Wertheimer, 1956, (Ausschnitt)
© Alfred Wertheimer 1979

1956 war ein außergewöhnliches Jahr für Presley. Zur Hälfte verbrachte er es als Nummer Eins der Charts, er nahm Heartbreak Hotel auf, und im März kam seine erste Platte heraus. 1956 hat er die Hälfte des Lebens hinter sich, und es ist — zumindest in den USA — das letzte Jahr, in dem er auf eine Weise fotografiert wurde, die sein Manager „Colonel” Tom Parker, ein genialer Verkäufer, in Zukunft unterbinden würde. Von da an kultivierte eine ausgeklügelte PR-Maschine sein Image. Elvis Aron Presley, der in Memphis, Tennessee, mit Gospel und Blues aufgewachsen war, landete 1954 über Nacht einen Erfolgshit mit That’s All Right. Ende 1955 lernte er den Colonel kennen, der Weitsicht bewies mit der Aufmerksamkeit, die er der Publicity widmete, indem er die wichtige Rolle erkannte, die die Fotografie beim Aufstieg des Sängers spielen würde. Langsam machte Presleys hinterwäldlerischer Primitivismus einer verlokkenderen Vielfalt Platz, die für jeden Geschmack etwas bot: Er war zugleich Heiliger und Sünder, Outlaw mit dem höhnischen Grinsen, romantischer Träumer, Chorknabe, animalischer Liebhaber, kleiner Junge, der sich verlaufen hat.

picasso


Eine Ausstellung der National Portrait Gallery London  

1956 machte der ursprünglich von RCA engagierte Alfred Wertheimer fast 4000 Fotos von Presley. Hauptsächlich in der von ihm so genannten „verfügbaren Dunkelheit” aufgenommen, waren sie von einer Intimität, die nicht wieder erreicht wurde. Im Herbst 1956 beschlagnahmte der Colonel das RCA-Archiv, aber Wertheimers Bilder entgingen seinem Zugriff.

1960 wurde Presley ehrenvoll aus der Armee entlassen, und von da an nahm seine Karriere einen steilen Verlauf. Als gerissener Manager von Presleys lukrativen Aufstieg hatte der Colonel jede Spur von Authentizität getilgt. In den 70er Jahren war Presley ein aufgedunsener Einsiedler, aber sein Bild war das am zweithäufigsten reproduzierte der ganzen Welt (nach Micky Maus). Sein Leben war einer derart rigiden Kontrolle unterworfen, dass Fotos des mitreißenden und schwungvollen Sängers erst nach seinem Tod erscheinen konnten.