Mahatma Gandhi (1869-1948)

von Elliot & Fry, 1931
National Portrait Gallery, London

Gandhis nationalistische Ideale wurzelten in vorkolonialer Zeit, aber er nutzte moderne Methoden, um sie zu propagieren. Hinter seiner Mythologisierung und der Einfachheit seiner Botschaft stand ein kluger PR-Mann in eigener Sache, der sich der Massenmedien bediente, um seine politischen Ziele zu erreichen. Gandhi war ein großer Redner, und er wusste genau, was er von der Fotografie wollte und welche Bedeutung sie in seinem Feldzug für die Unabhängigkeit Indiens hatte. In den 1930er Jahren war Gandhis Ruhm auf seinem Höhepunkt angelangt, und er wurde als moderner Heiliger verehrt. Sein Bild war fast allgegenwärtig — in Zeitungen, auf Plakaten, Postkarten und Flugblättern — und scharte so ein weitgehend analphabetisches Volk um sein Banner. Außerdem erkannte er, welche Macht die Fotografie hatte, Indien im Ausland eine neue Identität zu verschaffen. „Publicity”, behauptete er, „ist die beste und vielleicht einzige Waffe zu unserer Verteidigung.”

picasso


Eine Ausstellung der National Portrait Gallery London  

Im Jahr 1913 arbeitete Gandhi als Anwalt in Südafrika, als britische Soldaten in eine Gruppe friedlich demonstrierender indischer Bergarbeiter schossen. Vermutlich benutzte Gandhi zum ersten Mal die Fotografie, um eine politische Erklärung abzugeben, und entledigte sich westlicher Kleidung und westlichen Stils. Wie ein gewöhnlicher Inder angezogen, posierte er für die Presse als deutliches Zeichen des Protests. Damit begann eine Reihe persönlicher Verwandlungen für die Kamera. Nach fast einem Jahrhundert britischer Herrschaft erlangte Indien am 15. August 1947 seine Unabhängigkeit, überschattet jedoch von innerer Zwietracht. Gandhi hatte sich aus der Politik zurückgezogen, um sich auf die Einigung seiner Landsleute zu konzentrieren, indem er sich der Ungleichheit und der polarisierenden religiösen Differenzen annahm. Aber jetzt war der Subkontinent in Indien und Pakistan unterteilt worden, und das betrachtete er als seinen großen Misserfolg. Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi von einem Attentäter getötet, als er seinen üblichen Spaziergang durch die Massen machte, die seinen Weg zu einer regelmäßigen Gebetsveranstaltung säumten. An seinem Begräbnis nahm eine der größten Menschenmengen der Geschichte teil. Tausende von Trauernden schwenkten Plakate mit seinem Ebenbild.