Adolf Hitler (1889-1945)

von Heinrich Hofmann, 1927
Wiener Library, London

Der brutalste Demagoge der modernen Geschichte war von der Kraft seines Bildes besessen, misstraute aber zugleich der Fotografie im tiefsten Innern. Sobald er Reichskanzler war, verfolgte er gnadenlos alle, von denen er wusste, dass sie nicht autorisierte Portraits von ihm besaßen, verließ sich aber andererseits auf die Fotografie, um ausgiebig die Macht des Naziregimes — und seiner Gallionsfigur — zu dokumentieren. Zu Beginn seiner Laufbahn hatte Hitler nach Möglichkeit vermieden, fotografiert zu werden, weil er glaubte, die aufstrebende NSDAP könne davon profitieren, wenn ihr Vorsitzender etwas Geheimnisvolles an sich habe. Der Fehler dieser Taktik wurde offensichtlich, als die Associated Press demjenigen 100 Dollar bot, der das erste Bild von ihm schoss. Widerstrebend ließ Hitler die ersten offiziellen Portraits von sich machen.
Hitlerfotos wurden eine entscheidende Waffe im Arsenal der Nazipropaganda. Sie unterstützten seinen Aufstieg, und als er an der Macht war, trugen sie dazu bei, eine Nation zu hypnotisieren.

picasso


Eine Ausstellung der National Portrait Gallery London  

Hitler bestimmte Heinrich Hoffmann zu seinem offiziellen Fotografen und schuf mit ihm in ihren gemeinsamen Sitzungen Kompositionen von größter Banalität, damit sie von den Millionen leichter akzeptiert werden konnten. Hitler war wie Filmstars und Bühnenschauspielerinnen auf „Sammelkarten” abgebildet, die in ganz Deutschland zugunsten der Parteikasse verkauft wurden, vermehrt um Hoffmanns zahlreiche Zusammenstellungen in Buchform, die den Führer in einer Vielzahl rührender Szenen zeigten. Es war eine bahnbrechende Strategie politischer Propaganda.

Man schätzt, dass Hoffmann und seine Assistenten von 1935 bis 1945 mehr als zweieinhalb Millionen Fotos von Hitler gemacht haben. Sein Bild dominierte das Leben der Deutschen. Vor dem Zeitalter der Massenmedien begriff er besser als jeder andere Politiker seiner Ära, wie die Fotografie Köpfe und Herzen manipulieren und überzeugen konnte. Anders als sein Zeitgenosse Stalin, dem es darum ging, Leute aus Bildern und somit der Geschichte zu entfernen, verstärkte Hitler die Durchschlagskraft seiner Rede durch seine visuelle Selbstdarstellung, ein entscheidendes Moment zur Sicherung der ergriffenen Macht.