John F. Kennedy (1917-1963)

mit Jackie Kennedy und Tochter Caroline
von Jacques Lowe, 1958
© Estate von Jacques Lowe

Kennedys Leben war von Triumphen und mehr als einem Fehlschlag geprägt. Es wurde in einem Maß für die Kamera inszeniert, das bislang noch nicht da gewesen war. Als Führer der mächtigsten Nation der Erde war er ein charismatischer Politiker, der für die USA der Nachkriegsepoche eine Zeitenwende symbolisierte. Er war der erste amerikanische Präsident des Medienzeitalters. Die in Zeitungen und Zeitschriften reproduzierten Bilder warben für einen Präsidenten von fast übermenschlicher Robustheit. Diesen Berichten zufolge war er ein gut aussehender Patriot, der sich im Krieg untadelig verhalten hatte, ein Ehemann und Vater mit einem harmonischen Familienleben, ein erfahrener Politiker von großem Scharfsinn und ein Mensch von beneidenswertem Athletentum und unerschöpflicher Energie. Diese begeisterte Berichterstattung widmete sich nicht nur dem Staatsmann Kennedy, sondern auch der ehrgeizigen katholischen Dynastie, die ihn in

picasso


Eine Ausstellung der National Portrait Gallery London  

das höchste Amt befördert hatte.
In Wirklichkeit war Kennedy chronisch krank. Der Allgemeinheit war z. B. unbekannt, dass er vor seiner Präsidentschaft bei drei verschiedenen Gelegenheiten die Letzte Ölung empfangen hatte oder dass seine anfällige Gesundheit ihn beinahe davor bewahrt hätte, seinem Land im Zweiten Weltkrieg zu dienen. Mit Sicherheit wurde der Öffentlichkeit seine geradezu zwanghafte sexuelle Promiskuität vorenthalten.

Als jüngster ins Präsidentenamt gewählter Politiker war Kennedy auch der jüngste, der als Präsident sterben sollte. Er gestattete der Fotografie nicht, seine Geheimnisse zu enthüllen, und lebte nicht so lange, dass sie ihn hätte zu Fall bringen können. Während die Kennedy-Ära allmählich aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwindet, dürfte die Fotografie vermutlich im selben Maß wie das geschriebene Wort weiterhin ihre Widersprüche erläutern. In seiner kurzen politischen Karriere kämpfte Kennedy gegen seine Gebrechen, um auf der internationalen Bühne einen dynamischen Eindruck zu machen. „Der größte Feind der Wahrheit”, sagte er ein Jahr vor seinem Tod, „ist häufig nicht die Lüge, sondern der Mythos.”