Marlene Dietrich (1901-1992)

von Sinclair Bull, 1932
Sammlung Daniel Kothenschulte

Jeder kennt ihre Portraits, denn sie verkörperte den ‚wirklichen‘ Star: Marlene Dietrich, die in Deutschland mit dem Film Der Blaue Engel 1930 ihre Karriere begann und dann in den USA zum Weltstar avancierte. In Berlin geboren, wurde sie in preußischer Disziplin erzogen, besuchte ein Internat in Weimar und begann Musik an der Berliner Hochschule zu studieren. Unter der Regie von Josef von Sternberg wurde Marlene Dietrich als Lola im Film Der blaue Engel berühmt und reiste noch am Abend der deutschen Premiere in die USA, um für die Filmgesellschaft ‚Paramount Pictures‘ zu arbeiten. Berühmt wurde ihr Auftritt in dem Film Morocco, in dem sie in Männerkleidung die Bühne eines Tingel-Tangel Lokals betrat und kurz darauf eine Frau aus dem Publikum, die sich über ihr Äußeres mokierte, auf den Mund küßte. Dieser Filmauftritt war eine schockierende Sensation.
Marlene Dietrich drehte mit Joseph von Sternberg sieben Filme, arbeitete mit Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Alfred Hitchcock und Orson Welles zusammen. Konsequent weigerte sie sich, auf Filmangebote der Nationalsozialisten einzugehen.

picasso


Eine Ausstellung der National Portrait Gallery London  

Im Jahr 1939 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an und trat im Krieg vor amerikanischen Truppen in Nordafrika, Italien und Frankreich auf. Nach dem Krieg erhielt sie für ihre Zivilcourage höchste Auszeichnungen in Frankreich und in den USA und wurde weltweit als Film- und Showstar gefeiert. Als sie 1960 erstmals wieder nach Deutschland zurückkehrte, wurde sie bewundert aber auch noch des ‚Landesverrats‘ bezichtigt. Sie starb 1992 in Paris, wo sie seit 1976 zurückgezogen lebte.
Die bedeutendsten Fotografen von Cecil Beaton bis zu Edward Steichen und George Hoyningen Huene haben sie fotografiert. Dabei entstanden die Portraits häufig aus den Filmrollen, in denen Marlene Dietrich stets als Mittelpunkt einer Welt mit nur wenig vornehmen Männern agierte. Berühmt wurde ihr Ausspruch: „I have been photographed to death“.
Marlene Dietrich war allerdings nie passives Objekt der Inszenierungen, im Gegenteil: Sie kannte den Effekt ihrer Portraits genau und sie nahm mit perfekter Disziplin ihre Starrolle ein. Die fotografischen Stilisierungen von Marlene Dietrich als ‚Marlene Dietrich‘ waren Ergebnis grandioser Symbiosen in denen die Dargestellte als Akteurin verführerisch, distanziert oder voller Hingabe agierte und immer triumphierend die intelligentere Siegerin blieb.