Der französische Maler Balthus (Balthasar Klossowski, 1908-2001) behielt in seinem langen Leben stets die Stellung eines Sonderlings, der außerhalb seiner Zeit zu stehen schien. Eine Kindheit in Paris, der durch den Ersten Weltkrieg erzwungene Umzug zunächst nach Berlin, dann in die Schweiz und anschließende Aufenthalte in Frankreich, Nordafrika und Italien, trugen ihren Teil zu seinem Außenseitertum bei. Seine exzeptionellen Gemälde, deren Motive durch Märchen, Kinderbücher und die Meister der Renaissance ebenso inspiriert sind wie durch eine provokante Erotik, sperren sich gegen jede Einordnung in eine der zeitgenössischen Kunstströmungen.

Seine bedeutendsten Werke schuf Balthus zwischen 1930 und 1960, als er in Paris und in Chassy lebte. Den Beginn dieser Periode markierte ein Skandal seiner ersten Ausstellung 1934 in der Pariser Galerie Pierre. Die dort präsentierten großformatigen Gemälde wie La Rue (Die Strasse), La Leçon de guitare (Die Gitarrenstunde) oder La Fenêtre (Das Fenster) zeigten zwar traditionelle, prinzipiell unverfängliche Motive. Allerdings führte die herausfordernde Erotik der Darstellungen in Grenzbereiche des sittlichen Empfi ndens. In den folgenden Jahrzehnten porträtierte Balthus Zeitgenossen, er malte Straßen- und Landschaftsszenen und immer wieder junge Mädchen auf der Schwelle zur Pubertät.

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