Eine neue Spielzeit für die beliebte Veranstaltungsreihe vor Dom-Kulisse:
Jetzt neu mit DJ Frank Dommert

Im flüchtigsten aller Medien kann ein Schatz geborgen werden: Das Hörspiel verbündet sich mit dem Kunstmuseum, die Kunst entdeckt das Radio und die Akustik, und dem sich versendenden Kunstgenre wird museale Ewigkeit verliehen – so wie dem Museum radiophone Aktualität.

Was am Klang Kunst sein kann und wie die Kunst klingt, das wollen der Westdeutsche Rundfunk und das Museum Ludwig in Köln präsentieren. Eine Reihe öffentlicher Hörspielvorführungen lädt ein, um in Sommernächten auf dem Museumsdach, an kalten Abenden im Kinosaal RADIOKUNST zu genießen. Sounds füllen den Abend und die Nacht, die in Text und Musik, in Bedeutung und Klang, in Inhalt und Form das Besondere repräsentieren.

Die Autoren, Komponisten, Regisseure bringen ihre Produktionen mit, über die sie nach der Vorführung auch gerne mit dem Publikum reden.

Von Fall zu Fall als Zugabe: Videos oder künstlerische Projektionen. Und jedes Mal der Bonustrack: DJ Frank Dommert (A-Musik/Sonig) verlängert das Gehörte musikalisch und die Nacht mit seinen Vibes.

RADIOKUNST wird unterstützt von den Freunden des Wallraf-Richartz-Museum und des Museum Ludwig

Dachterrasse / Kino im Museum Ludwig
Am Dom / Hbf
Bischofsgartenstr. 1, 50667 köln
www.museum-ludwig.de
www.wdr3.de
Eintritt: 4 Euro

Samstag, 12. Januar 2008, 21 Uhr

Gottes letztes Interview

von Lorenz Schröter
Regie Thomas Wolfertz
WDR 2006/48’

San Francisco 1991. Ein Journalist sitzt in seinem Hotelzimmer und telefoniert. Mit Klaus Kinski. Eigentlich nur, um ein Interview zu verabreden. Interviews mit Hollywoodstars sind nicht einfach. Die verlangen Verträge, wollen auf das Titelbild und die Fotos auswählen. Jetzt also ist Kinski selbst am Telefon. Und obwohl er nur unter den oben genannten Bedingungen ein Interview geben will, redet er viel und lang. Über Hundescheiße in Paris, über Rilke, Coppola, Werner Herzog, über Großschnauzen und Nutten. Bei dem Telefonat erkältete sich Klaus Kinski, kurz darauf starb er.

Lorenz Schröter und Thomas Wolfertz führen in das Stück ein.

 

Samstag, 16. Februar 2008, 21 Uhr

Gastspiel

von Heiner Goebbels

nach einem Text von Heiner Müller
Realisation der Autor
mit Arto Lindsay, Heiner Müller, Ernst Stötzner u.a.
HR 1989/43’

von Frank Zappa
1978/21’

Zwei Stücke über den Horror des Büro-Lebens. Heiner Goebbels‘ „Mann im Fahrstuhl“ hat einen Termin bei seinem Chef. Die Krawatte sitzt eng, der Kragen scheuert am Hals, auf der Stirn perlt der Schweiß. Die Fahrt scheint nie zu enden, die Begegnung mit der Macht findet nicht statt. Und vielleicht beruht diese Macht auch nur auf der Angst dessen, der sich ihr unterworfen fühlt. Ein Monolog nach Heiner Müller, zerlegt und rhythmisiert von Heiner Goebbels. Zappas „Greggery Peccary“ weiß den Horror zu genießen. Es passiert ein Haufen Mist in diesem Stück: Greggery – Angestellter, Erfinder, Schwarm der Stenotypistinnen in seiner Firma – wird von buckligen Männern überfallen und muss sich in der Höhle von „Billy the Mountain“ verstecken. Ein Höllentripp der Spaß macht, denn die Hölle ist zwar laut und anstrengend, aber nie langweilig.

Heiner Goebbels gibt eine Einführung zu „Der Mann im Fahrstuhl“.

 

Samstag, 29. März 2008, 21 Uhr

Ein Radiotrip durch Wahnwelten

Rezitation Gerhard Rühm, Monika Lichtenfeld
Gesang Christina Hackelöer, Brigitta Borchers, Sybille Hummel WDR 2006/36’

mit Gerhard Rühm
WDR 1990/26’

mit Rudolf Jürgen Bartsch, Eva Garg, Matthias Ponnier, Michael Thomas
WDR 1976/16’

von Gerhard Rühm
Realisation der Autor

Ein Querschnitt durch 30 Jahre des künstlerischen Radioschaffens von Gerhard Rühm: „Jahrtausendwende“ parodiert mit einer raffinierten Verarbeitung von Radionachrichten die „Propagierung des Jahreswechsels 1999/2000 seitens der Medien und der Vergnügungsindustrie als spektakuläres Jahrtausendereignis“ (Rühm). „Japanischer Salat“ ist eine Übertragung von Erik Saties Komposition „La Laterne Japonais“ in sprachliche Dichtung. In „Wintermärchen“ konfrontiert uns Rühm mit den entsetzlichen Details eines Verbrechens. Ausgehend von einer Zeitungsmeldung erzählt er die Geschichte eines grausamen Überfalls und seiner banal-fatalen Konsequenzen.

Gerhard Rühm führt in den Abend ein.

 

Samstag, 12. April 2008, 21 Uhr

(aus der Trilogie „Triple Trauma“)

von Walter Filz
Realisation der Autor
mit Wolfgang Kühne und Konstantin Bülau
WDR 2001/53’

King Kong, Godzilla und der Weiße Hai: Drei Filme. Drei Monster. Aus drei Epochen. King Kong wird durch einen skrupellosen Filmemacher aus seiner Inselwelt entführt. Godzilla stören atomare Tests in seiner Tiefseeruhe. Und der Weiße Hai wird von Touristen aufgeschreckt. Film, Forschung, Freizeit. Drei Vektoren, die die Welt in den letzten 75 Jahren entscheidend verändert haben. Die Geschichte von der Urangst und ihrer Überwindung, von Zukunftsangst und Fortschrittsglauben ist zusammengesetzt aus hunderten Original- Tönen von Abenteuerfilmern und Atomforschern, Kryptozoologen und Katastrophenschützern, Bademeistern und Medienexperten oder Leuten, die einfach vom Affen gebissen wurden. Schrecklich, weil wirklich.

Walter Filz zeigt parallel zur Vorführung bewegte Bilder vom Kampf mit großen Affen.

 

Samstag, 3. Mai 2008, 21 Uhr

von Rimini Protokoll
Realisation Helgard Haug und Daniel Wetzel
WDR 2002/53’

Die weltweit erste Parlamentsdebatte, die im Duett gehalten wurde: Parlamentarier und Wähler sprechen simultan dieselben Reden – Gewählte in Berlin, Wähler in Bonn. Das gesamte akustische Geschehen im Bundestag wird übersetzt in ein Plenum der Bevölkerung, die es per Live-Schaltung ins eigene Ohr mit vollzieht und wiedergibt – Reden, Applaus, Zwischenrufe, Abstimmungen. Wo ereignet sich mehr ‚Theater’ – beim Original oder in der Stimme, die versucht, ihm zu folgen? Die Repräsentation der Repräsentation, Politik im zweiten Magen. Wo ist der Ort der Macht?

Die Einführung in den Abend geben Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll).

 

Samstag, 28. Juni 2008, 21 Uhr

von Peter Leonhard Braun
Ton Dieter Großmann
Regie der Autor
mit Günter König
SFB/BR/NDR/SR/WDR/BRT Brüssel/NOS Hilversum/ORF Wien/
ORTF Paris/RDRS Studio Basel 1973/50’

„Eine Glocke ist eine Prostituierte. Sie brüllt, was man will“ sagt Peter Leonhard Braun über die klare, gewaltige und internationale Stimme, die Menschen sich selbst gegeben haben. Die Glocke läutet zur Geburt, zur Hochzeit und beim Tod. Sie läutet im Krieg, bei Katastrophen, Feuer, Sturm und Aufstand. Glocken wurden zu Waffen umgeschmolzen – und Kanonen zu Glocken. Überall in Europa – und auf der ganzen Welt. Akustisch bezeugt das Stück in höchster Qualität alltägliche und zugleich existenzielle Szenen, die vom Klang der Glocke begleitet werden.

Zu Gast: Peter Leonhard Braun