
Erstmals konzentriert sich eine umfassende Museums- ausstellung ausschließlich auf die Abstrakten Bilder Gerhard Richters. Diese dominieren das auf beinahe fünf Jahrzehnte zurückblickende Oeuvre des Künstlers. Die Ausstellung verfolgt nicht die Absicht, eine formale Entwicklung darzustellen. Ein solcher Versuch wäre vielleicht auch zum Scheitern verurteilt, weil eine wie immer auszumachende Folge logischer Schritte Richters Abstraktion widersprechen würde, in der „Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung zwar einen bestimmten Bildtypus entstehen [lassen], aber nie ein vorherbestimmtes Bild“. Der Reiz der Ausstellung besteht vielmehr darin, erstmalig wichtigsten Werkgruppen Abstrakter Gemälde zusammenzutragen und so ihre Wechselwirkung vorzustellen.
Die rund 40 gezeigten Gemälde sind zwischen 1986 und 2008 entstanden. Sie stellen malerische Veränderungen vor und diskutieren ihre Differenzen: Ausgehend von den um die Mitte der 80er Jahre entstehenden äußerst farbintensiven Bildern wie Claudius (1986) oder Courbet (1986), über die Gruppe mit dem Titel Bach (1992) und die erstmalig in Europa präsentierte Reihe Wald (2005) bis in die Gegenwart. Die meisten der ausgewählten Gemälde entstanden in kleinen Werkreihen, die simultan bearbeitet wurden. Diese Gruppen von Gemälden muten seriell an. Deswegen wird in der Ausstellung der Funktion und Bedeutung von Variation und Wiederholung nachgegangen.
Richters Abstrakten Bildern liegt eine äußerst differenzierte Abfolge konstruktiver und destruktiver Prozesse zugrunde. Die das Bild konstituierenden Farbelemente und -strukturen werden mit Pinseln, Rakeln und Spachteln aufgetragen. Bereits vorhandene Schichten werden durch neue überlagert oder ganz ausgelöscht. Sie bilden Analogien und Ergänzungen, Widersprüche und Kontraste. Sie differieren sowohl hinsichtlich des Duktus der Spuren als auch der Textur der Oberflächen und verweigern so eine Einheitsbildung im Sinne einer tradierten Komposition. Nichts von dem, was wir sehen, ist begrifflich zu fassen. Wir können von diesen Bildern sprechen, indem wir beschreiben, was sichtbar ist, ohne bestimmen zu können, was es tatsächlich ist.
Bescheiden wir uns also darin, ihre Wirkung auf uns Betrachter wiederzugeben: ihre Vielgestaltigkeit und Einheitlichkeit, Farbigkeit und Abschattung, Erstarrung und Bewegtheit, Ausdrucksstärke und Reserviertheit, Virtuosität und Handwerklichkeit, Lust und Zweifel, ihre aggressive und sentimentale Schönheit.






