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Joseph Beuys "Straßenbahnhaltestelle"
Das zentrale Werk der Ausstellung im Schnütgen-Museum hat Joseph
Beuys 1976 für den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig geschaffen. Die Arbeit
enthält Elemente aus seiner Lebensgeschichte. Der volle Titel lautet:
"Straßenbahnhaltestelle / Tramstop / Fermata del Tram, 1961-1976, A Monument to the Future"
Im Mittelschiff der Cäcilienkirche liegt eine 8,60 m lange, rostige, leicht nach oben
gebogene Straßenbahnschiene auf ihrer ehemals blanken Lauffläche. Nichts kann sich mehr
auf ihr bewegen. Daneben liegen hintereinander vier grobe, eimerartige Formen, parallel
dazu ein langes Kanonenrohr. In seinem unteren Teil ragen seitlich kurze stummelartige
Fortsätze hervor. Damit wurde die Kanone in ihrem Laufgestell, der Lafette, gehalten. Das
Ende des Kanonenrohrs scheint aus dem Maul eines Ungeheuers mit riesigen gebleckten
Zähnen herauszuwachsen. Im Ende der Röhre steckt ein Menschenkopf. Der Gesichtsausdruck
mit dem geöffneten Mund ist leidend und starr. Das Kanonenrohr und der Kopf zeigen die
gleichen Gußnähte wie die vier Eimer. Sie sind Abformungen von anderen Gegenständen, in
Eisen nachgegossen. Ein Winkeleisen liegt vor dem Kopf, und daneben eine größere Zahl
von Stangen, die sich mit Nieten zu einem langen Stab verbinden lassen.
Erinnerung an ein Denkmal für den Frieden aus einer fernen Zeit
Beuys hat als Kind oft an einer Straßenbahnhaltestelle in Kleve gewartet, neben der
ein seltsames, halb verfallenes Denkmal stand. Es hatte den Namen "Zum eisernen
Mann". Erst als Erwachsener wußte der Künstler, daß der klevische Statthalter
Prinz Johann Mauritz von Nassau um 1660 am Ende eines achtzigjährigen Krieges an
wichtigen Straßenkreuzungen seiner Residenzstadt Kleve "Denkmäler des süßen
Friedens" errichten ließ. Sie bestanden aus Waffen, Munitionstöpfen und
Kanonenkugeln.
Auf dem Kanonenrohr vom "Eisernen Mann" stand ursprünglich eine Figur des
Gottes Amor. Er trug eine Rüstung und Pfeil und Bogen, um zu zeigen, daß Liebe den Krieg
überwinden kann, und daß Frieden verteidigt werden muß. |