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Josef E.

Josef E. hatte die katholische Volksschule in der Stolkgasse besucht. Nach Schulabschluss erlernte er keinen Beruf und war seit etwa Anfang August 1937 mit einem Wochenlohn von 12,50 RM brutto bei der Kölner Firma Karl Weisemeyer als Arbeiter beschäftigt. Sein Vater war seit 14 Jahren Omnibusschaffner bei der Stadt Köln. Er sei, so Josef E. im Gestapoverhör, kein Mitglied der NSDAP, aber in der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und im Reichsluftschutzbund (RLB).

Einer kirchlichen oder bündischen Organisation hatte Josef E. nie angehört.

Er trat am 1. Mai 1933 in das Jungvolk ein und wurde von dort mit 14 Jahren im Jahr 1935 in die HJ überwiesen. Zum Zeitpunkt seiner Vernehmung war er "Junggenosse" in der "Gefolgschaft St. Ursula", die zum HJ-Bann 53 zählte. In den vorangegangenen vier Wochen, so musste Josef E. vor der Gestapo einräumen, habe er keinen HJ-Dienst mehr gemacht, weil er im RLB als "Blockwart-Anwärter" tätig sei.

Als der Gestapobeamte Josef E. vorhielt, warum er "nicht Freundschaft in der HJ gesucht" und sich dort aktiver betätigt hätte, antwortete dieser, er habe einmal mit einem "Kameradschaftsführer" Streit gehabt, der ihm bei dieser Gelegenheit ein blaues Auge geschlagen habe. "Aus diesem Grunde habe ich mich aus der HJ zurückgezogen."

Vor etwa fünf Wochen, so erzählte Josef E. dem Gestapobeamten, habe er während einer Radtour mit einem Freunden nach Bensberg sechs Jungen kennen gelernt, mit denen er sich bei dieser Gelegenheit angefreundet habe. Die sechs Jugendlichen, die er nur mit Vornahmen kenne, würden nahezu alle im Severinsviertel wohnen. Mit dieser Gruppe neuer Bekannter habe er sich später zunächst in der Waisenhausgasse, danach am Georgplatz getroffen. Er habe nicht bemerkt, dass die Jugendlichen dort einen "besonderen Zusammenhang" gesucht hätten, wohl sei ihm aber aufgefallen, "dass sich auch noch mehrere Jungens von Nippes, Kalk und Sülz dort herumtrieben", mit denen er persönlich jedoch nicht in Kontakt gekommen sei. Ihm habe auch niemand erzählt, "dass sie den sogenannten Navajos oder Nerothern angehören" würden. Von der eventuellen Existenz einer solchen "Organisation" habe er aber bereits früher von einem HJ-Angehörigen erfahren. Er selbst habe mit seiner Anwesenheit am Georgplatz keinerlei weitergehenden "Zweck" verfolgt. "Es war mir lediglich nur darum zu tun, Gesellschaft zu haben."

Verschiedene der Jugendlichen hätten einen Handgelenkriemen - allerdings ohne Totenkopf – getragen. Auf Fahrten seien ihm allerdings bei anderen Jugendlichen solche Abzeichen schon aufgefallen. Bei den Treffen am Georgplatz seien auch Lieder gesungen worden, die er "aus der HJ her kenne", beispielsweise "Wir lagen kurz vor Madagaskar": "Das dies ein Navajolied sein soll, war mir nicht bekannt, da ich es im Jungvolk gelernt habe."

Er habe sich an keinerlei provokativen Handlungen beteiligt, so Josef E. weiter, allerdings davon gehört, dass einige Jugendliche von der Polizei festgenommen worden seien, weshalb er sich vom Georgsplatz wieder zurückgezogen habe. Am Abend der Razzia, so seine nicht eben überzeugende Begründung, habe er ein Paar neue Stiefeln, die ihm sein Vater geschenkt habe, seinen Freuden dort zeigen wollen. Bei dieser Gelegenheit wurde er verhaftet.

Josef E. war am Abend des 21. Oktober 1937 im Rahmen einer Razzia gegen "Navajos" festgenommen worden. Wenn ihm nun vorgehalten würde, so sagte er im Verhör vor der Gestapo am folgenden Tag aus, dass er sich "des abends immer mit jungen Burschen auf dem Georgplatz und in der Nähe des Waidmarktes aufhalte", so müsse er das zugeben.

Im Anschluss an seine Vernehmung wurde Josef E. nach "eindringlicher Verwarnung" von der Gestapo entlassen.



 
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