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Ergebenheits- und Bittschreiben des Deutschen Reichspfadfinderbundes an Adolf Hitler

Zwei Tage nach der Ernennung Baldur von Schirachs zum Reichsjugendführer versucht der Bundesführer des Deutschen Reichspfadfinderbundes Frank Iden die Interessen seines Bundes in einer an Adolf Hitler selbst gerichteten Kombination aus Ergebenheits- und Bittschreiben zu wahren. In dem unter dem Datum 19. Juni 1933 in Köln abgefassten Brief heißt es:

"Wir begrüßen die von dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler getroffene Ernennung Baldur von Schirachs als ‚Jugendführer des Deutschen Reiches' sowie die Bestrebungen, die Jugenderziehung im neuen Deutschland nach einheitlichen Prinzipien zu reorganisieren, weil uns nur so eine Gewähr für die Erziehung zu dem neuen Menschenbild des nationalbewußten, sozialistischen Gemeinschaftsmenschen innerhalb aller Schichten der Jugend zu bestehen scheint.

Die enge Verbindung körperlicher Ertüchtigung mit der Erziehung zum Staatsgedanken waren von jeher Forderungen und Aufgaben des deutschen Pfadfindertums und ist wie beispielsweise die staatlicherseits geförderte Pfadfinderei von Amerika, England, Frankreich und Skandinavien zeigt, überhaupt die Wesensgrundlage des Pfadfindertums. Wir erwarten deshalb auch als Minderheitengruppe in der entscheidenden Stunde Gerechtigkeit gegenüber der bündischen Bewegung und dem deutschen Pfadfindertum, die stets mit voller Gläubigkeit und ganzer Kraft ihre Arbeit der Jugend, der deutschen Volksgemeinschaft und dem Reich gewidmet haben. In der Überzeugung, dass der Einbau der bündischen Kräfte unter Wahrung ihrer Lebensformen in die kommende Staatsjugend die geistigen Wandlungen zum neuen Gemeinschaftsmenschen nur zu vertiefen vermag, erhoffen wir anstelle der Ausschaltung der bündischen Bewegung eine zweckmäßige Eingliederung und Verpflichtung zur Erfüllung der von dem Herrn Reichskanzler am Sonntag in Erfurt geforderten volksbürgerlichen Erziehungsaufgaben.

Wir richten diese Bittschrift an den Herrn Reichskanzler, weil uns seine durch Herrn Minister Dr. Goebbels zum Ausdruck gebrachte Meinung: - ‚Einigkeit soll aber nicht zur Eintönigkeit werden! Der Farbigkeit des deutschen Wesens hiesse es Gewalt antun, wollte man sie uniform gestalten. So uniform wir sein wollen in den Grundsätzen, so polyform wollen wir in den Nuancen sein' - eine Lösung in diesem Sinne verspricht."



 
Lexikon
Bündische Jugend
Schirach, Baldur von
Bund der Reichpfadfinder
Reichsjugendführung (RJF)
Goebbels, Joseph