Hans Helfritz

Hans Helfritz wurde am 25.07.1902 in Hilbersdorf geboren. Er studierte Musik in Berlin und Wien. Sein Studium finanzierte er unter anderem mit der musikalischen Begleitung von Stummfilmen. In Berlin gehörte Prof. von Hornbostel zu seinen Lehrern. Hornbostel, einer der Begründer der Musikethnologie, regte seine Studenten an, sich auf Reisen zu begeben und in aller Welt die lokale Musik aufzuzeichnen.

Diese Anregung wurde von Hans Helfritz aufgegriffen. Ausgerüstet mit einem Phonographen und einer Kamera durchquerte er 1930 den Nahen Osten: Ägypten, Palästina, Syrien und den Irak. Über diese Reise schrieb er sein erstes Buch "Unter der Sonne des Orients" (Berlin 1931). Dieser mit vielen Fotografien ausgestatteten Reiseschilderung folgten fast 30 weitere Bücher, die sich zunächst an ein breites Publikum, später vor allem an die Jugend und schließlich an kunstinteressierte Reisende wandten.

Durch Vermittlung eines Bekannten im Berliner Außenministerium erhielt Hans Helfritz Kontakt zum Sultan von Makalla, dessen Einladung er dankend annahm. Bald machte er sich auf den Weg in den Jemen und ins Wadi Hadramaut mit dem Ziel, die Hauptstadt der biblischen Königin von Saba zu finden und als Erster zu erreichen. Erst bei seinem dritten Anlauf, im Jahre 1935, erreichte er Schobua, wo er die Ruinen der legendären Stadt gefunden zu haben glaubte.

Seine Reiseschilderungen, Vorträge und Fotografien brachten Helfritz frühen Ruhm, die finanzielle Ausbeute war jedoch gering. Gern nahm er deshalb die Möglichkeit wahr, für die gerade in Dienst gestellte MS Scharnhorst, die im Japan-Verkehr eingesetzt wurde, Werbematerial zu erstellen. Vom Wadi Hadramaut, dem Weihrauchland, reiste er weiter nach Indien und Sri Lanka, weilte kurz in Malaysia und Singapur und kehrte schließlich mit einem Ticket erster Klasse von Japan nach Deutschland zurück. Allein über diese Fernost-Reise des Jahres 1935 veröffentlichte er drei Bücher.

Als Jemen-Forscher in die USA eingeladen verlängerte er seinen Aufenthalt um dort und in Mexiko 'Kulturfilme' für die Ufa zu drehen. 1939 zog es ihn erneut nach Amerika. Über Brasilien erreichte er Bolivien, wo er sich längere Zeit aufhielt. Anschließend reiste er nach Chile. Er wählte dieses Land um sich niederzulassen. Ende der 1940er Jahre wurde er chilenischer Staatsbürger.

In Chile setze er seine Reisetätigkeit fort: Er besuchte die letzten Feuerländer, dokumentierte fotografisch archäologische Ausgrabungen in den Anden, begleitete Militärmanöver im Norden des Landes, bereiste die Osterinsel und nahm als offizieller Fotograf an der chilenischen Expedition in die Antarktis teil.

Anfang der 1950er Jahre bereiste er Mittelamerika, kehrte zurück nach Europa und erkundete West-Afrika. Neben seiner Vortragstätigkeit veröffentlichte er nun vor allem Bildbände und Schriften für die Jugend. Kurz darauf begann seine Zeit als Reiseleiter: Mexiko, Äthiopien und Indonesien waren die Länder, in die er ein kunstbegeistertes Publikum führte, für das er fortan auch hauptsächlich schrieb. Hans Helfritz wurde zu einem der Mitbegründer der bekannten Reihe der DuMont Kunstreiseführer. Später, als das Reisen mit zunehmendem Alter schwieriger wurde, hielt er Vorträge auf Kreuzfahrtschiffen.

Weil es ökonomisch in den Nachkriegsjahren in Europa besser, in Lateinamerika aber rapide schlechter wurde, siedelte er 1959 nach Ibiza um. Auf diese Weise war er auch seinem Publikum und seinen Verlegern näher.

Am 21.Oktober 1995 verstarb Hans Helfritz im Alter von 93 Jahren in Duisburg.