zur Vergößerung

Frédéric Bazille
(Montpellier 1841, - 1870 Beaune-la-Rolande)
Fischer mit Wurfnetz, 1868
Öl auf Leinwand.
137,5 x 86 cm.
Bezeichnet und datiert unten rechts: F. Bazille. Juillet 1868.
GR 1.653

Sicherlich von seinen häufigen Besuchen im Hôtel Bruyas beeinflusst, beschloss Frédéric Bazille bereits sehr früh, sich der Malerei zu widmen. Zunächst begann er auf Wunsch seiner Eltern mit einem Medizinstudium, das er aber frühzeitig abbrach. Er lernte das Zeichnen bei dem Bildhauer Bausan und dessen Sohn in Montpellier. 1862 kam er nach Paris und arbeitete im Atelier von Charles Gleyre, wo er die Bekanntschaft von Monet und Renoir machte. Er malte zahlreiche Portraits von Künstlern aus seiner Umgebung, wie z.B. von Renoir, der sich eine Zeitlang mit ihm das Atelier teilte. Beeinflusst von Monet, verließ Bazille das Atelier, um unter freiem Himmel zu malen. Dabei begab er sich in den Wald von Fontainebleau und nach Honfleur, wo er Boudin und Jongkind kennenlernte. Oft kehrte er auch nach Méric zurück, einem Landgut im Besitz seiner Familie. Regelmäßig schickte er mit wechselndem Erfolg Bilder für die Salonausstellungen ein. Bazille fasste den Plan, die abgelehnten Werke andernorts auszustellen, doch starb er vorher. Direkt bei Ausbruch des Krieges 1870 hatte er sich bei einem Zuaven-Regiment gemeldet und fiel am 28. November in der Schlacht von Beaune-la-Rolande.

Im Anschluss an den Salon von 1868 ging Frédéric Bazille nach Méric, um auf dem elterlichen Besitz den Sommer zu verbringen. Bei seinen Freilicht-Arbeiten ließ sich der Künstler von der Landschaft des Languedoc inspirieren und malte in jenem Sommer zwei Bilder: den Fischer mit Wurfnetz und eine Dorfansicht (Montpellier, Musée Fabre).
Die Szene des Fischers mit Wurfnetz entstand am Ufer des Lez: Im Mittelpunkt steht ein nackter, den Wurf des Netzes vorbereitender Mann. Im Hintergrund sitzt eine zweite Person auf dem Rasen. Es handelt sich dabei um eines der ersten impressionistischen Bilder, in dem ein nacktes Modell in der freien Natur zu sehen ist. Um sich des Motivs zu versichern, hatte Bazille bereits vorher an der Komposition gearbeitet, wie eine frisch skizzierte, nicht sehr detaillierte Bleistiftzeichnung beweist (Paris, Musée d'Orsay, Département des Arts Graphiques, Fonds d´Orsay, RF 5259, fol. 64). Der Maler offenbart sowohl seine Vorliebe für die räumliche Darstellung jedes einzelnen Landschaftsdetails, als auch für die anatomisch genaue Wiedergabe der Körper, die noch deutlich vom der akademischen Lehre beeinflusst ist. Bazille nahm sich für die Vollendung des Bildes viel Zeit und beachtete jede Lichtveränderung, die er mit der größtmöglichen Genauigkeit umzusetzen versuchte. Er gab die durch das Laub der Bäume gestreuten Lichtreflexe wieder und erzeugte auf diese Art vibrierende Lichtbänder auf dem Rasen und feine bläuliche Reflexe, die das Wasser wie in Bewegung erscheinen lassen. Die Kühnheit des Strichs illustriert Bazilles Wunsch, klarere und leuchtendere Bilder zu malen.
Das Bild wurde für den Salon von 1869 eingereicht, doch von der Jury abgelehnt, die seine Dorfansicht vorzog. "Die Jury hat ein großes Schlachtfest unter den Bildern von vier oder fünf jungen Malern angerichtet, mit denen wir uns gut verstehen. Ein einziges von meinen Bildern hat bestanden: Die Frau." schrieb Bazille am 9. April 1869. Ganz offensichtlich hat die etwas eklektische Wahl der Darstellung heroischer Nacktheit in einer gegenwärtigen Szenerie die Vertreter des akademischen Systems nicht überzeugen können. Betroffen von dieser Ablehnung und wie als Antwort darauf begann Bazille noch 1869 die Sommerszene (Cambridge, Fogg Art Museum), in der in größerem Format eine Gruppe von Badenden am Ufer des Lez zu sehen ist. Der Fischer mit Wurfnetz, von G. Poulain als "notwendiger und fruchtbarer Versuch" bewertet, blieb an einer gut sichtbaren Wand des Malerateliers hängen, wie das Atelier in der Rue de la Condamine zeigt (Paris, Musée d'Orsay).
Ch. D.


Provenienz:
Montpellier, Marc Bazille (jüngerer Bruder des Malers); durch Erbschaft an dessen Sohn André Bazille; durch Erbschaft an Mme Rachou-Bazille; Sammlung Jean Davray, nach 1959; Paris, Auktion Palais Gallièra, 23. Juni 1961.


Ausstellungen:
Paris, Salon d´Automne, Rétrospective Bazille, 1910, Nr. 15; Montpellier, Exposition internationale, Rétrospective Bazille, 1927, Nr. 19; Lüttich, Exposition internationale de l´Eau, 1939; Paris, Galerie Wildenstein, Frédéric Bazille, 1950, Nr. 40; Montpellier, Musée Fabre, Frédéric Bazille, 1959, Nr. 28; Chicago, Art Institute of Chicago, Frédéric Bazille and Early Impressionism, 1978, Nr. 32, mit Abb. S. 76; Montpellier, Musée Fabre, Frédéric Bazille et ses amis impressionnistes, 1992, Ss. 108, 109, Nr. 19; New York, The Brooklyn Museum - Memphis, Dixon Gallery and Gardens, Frédéric Bazille: Prophet of Impressionism, 1992-1993; Paris, Musée du Grand Palais - New York, Metropolitan Museum of Art, Les origines de l´impressionnisme, 1994-1995, Nr. 10, Abb. 153.


Bibliographie:
G. Poulain, Bazille et ses amis, Paris 1932, Nr. 40; G. Sarraute, "Peintre de l´été", in: Arts, Juni 1950, Nr. 40; F. Daulte, F. Bazille et son temps, Genf 1952, S. 180, Nr. 35; D. Cooper, Great Private Collections, New York 1963, S. 255; K. Swiler Champa, Studies in Early Impressionism, New Haven-London 1973, S. 89, Abb. 126; J. P. Marandel, F. Bazille and Early Impressionism, Chicago 1978, S. 77, Nr. 32; D. Pitman, The Art of Frédéric Bazille 1841-1870, John Hopkins University, 1989, Ss. 86-88; F. Daulte, Frédéric Bazille et les débuts de l´impressionnisme. Catalogue raisonné de l´œuvre peint, Paris 1991, S. 169, Nr. 38.