Schrift in der Zeichnung
Keine Frage: Zeichnen und Schreiben liegen eng bei einander und nicht umsonst sind die "Graphischen Künste" mit einem Wort benannt, das vom griechischen "graphein" kommt : "einritzen, schreiben, zeichnen"! Die Grundelemente, Punkte und Linien, mit Stift oder Feder auf eine Fläche gesetzt, sind zweifellos gleich. Darüber hinaus jedoch gibt es bei näherem Betrachten erstaunlich viele Fälle, in denen eine Zeichnung in ihrem Kontext tatsächlich von Schrift begleitet und durch sprachliche Elemente ergänzt wird: Benennungen, Notizen, schriftliche Mitteilungen, sei es von derselben Hand oder sei es von einer anderen.
Einige Beispiele: zuallererst denken wir vielleicht an die Signatur. Doch erst seit der Renaissance wird es üblich, dass die gestaltende Persönlichkeit ihre eigene Rolle so hoch veranschlagt, dass sie ihr Werk mit dem Namen kennzeichnet. Doch nicht immer sind Namenszüge auf Zeichnungen auch Signaturen. Da gibt es z.B. die "Sammlernotiz", die nichts anderes ausdrückt als die subjektive Meinung eines späteren Besitzers über den Autor des Werkes. Und natürlich gibt es das (kriminelle) Phänomen der Fälschung oder Verfälschung; doch das ist ein Thema für sich!
Was noch - außer seinem Namen - schreibt ein Künstler auf seine Zeichnung? Nicht selten sind es ergänzende Notizen, z.B. Farbangaben, die für eine spätere Verwendung des Motivs in einem Gemälde gedacht sein können, oder es werden Bemerkungen beigefügt, die sich auf zusätzliche Überlegungen oder Einzelheiten der Situation beziehen, wie bei unserem Bildbeispiel.
Schließlich folgen alle jene Schriftelemente und Eintragungen von fremder Hand, die auf das spätere Schicksal eines Stückes verweisen: Händlernotizen, Sammlerzeichen, Kommentare. Und das sind erst einige wenige Beispiele aus einem Thema, das noch viele interessante Aspekte hat! Zeichnen und Schreiben... das gehört offenbar zusammen, und diese Feststellung macht von neuem deutlich, wie wichtig die kommunikative Rolle der Zeichnung ist: nicht nur ein in sich vollendetes Werk, sondern außerdem eben auch "Botschaft" zu sein.

