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Der Herr ist wahrhaft auferstanden


Bild der 16. Woche - 21. April bis 27. April 2014

Fünf Christusdarstellungen Westdeutsch, Ende des 14. Jahrhunderts Eichenholz, 62,5 x 44,5 cm Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, WRM 0333

Es ist nicht verwunderlich, daß man unter den Werken der mittelalterliche Malerei eine sehr große Zahl an Darstellungen der Auferstehung Christi findet. War doch das Leben des mittelalterlichen Menschen durch und durch von der christlichen Welt geprägt und ist doch die Auferstehung der Kernpunkt der christlichen Botschaft: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt; wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist auch unsere Predigt inhaltslos, inhaltslos aber auch euer Glaube“ (Paulus im Korintherbrief 15,13f).


Im Gegensatz z. B. zum Barock sind die meisten der Auferstehungsdarstellungen des Mittelalters keine Einzelbilder, sondern stehen im Zusammenhang mit weiteren Darstellungen aus dem Leben und der Passion Jesu (s. Bild rechts, eine sogenannte „Kölner Passionsfolge“, die mit der Auferstehung endet). Dieses hier im Bild der Woche vorgestellte Bild ist jedoch eine der wenigen Ausnahmen. Hier steht das Thema der Auferstehung im Zentrum der Darstellung, bzw. genauer: Das Bild ist eine Tafel mit mehreren Darstellungen, die sich um das Zentrum der Auferstehung ranken. Die Auferstehung wird dadurch betont und gleichzeitig sozusagen „theologisch meditiert“.


Die Szenenfolge beginnt oben links mit dem toten Christus im Grab, darüber Gottvater und (klein als Taube) der Hl. Geist mit Christus am Kreuz. Links neben ihnen sieht man Maria und Johannes. Während die Darstellung des Grabes den „Ausgangspunkt“ für den Auferstandenen am Grabrand rechts ist, erinnern die anderen Figuren an den Kreuzestod Jesu. Die Darstellung des Auferstandenen, der im Bild auch so dargestellt wird, als wäre er - wörtlich genommen - gerade aus dem Grab aufgestanden, leitet nahtlos über zur Darstellung des sogenannten „Abstiegs in die Hölle“. Dem christlichen Glaubensbekenntnis nach, stieg Christus nach der Auferstehung „hinab in die Hölle“, um dort die „Heiligen des Alten Testamentes“ zu erlösen. Hier werden diese symbolisiert durch Adam und Eva, die im geöffneten Schlund des Teufels stehen und warten. Rechts schließt sich ein weitere Teufelsschlund mit Menschen als Hinweis darauf an, daß es neben der Erlösung auch die Verdammnis gibt.


Die untere Szenenreihe beginnt mit der Darstellung der Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem Auferstandenen. Maria Magdalena sucht den Leichnam Jesu und begegnet dem Auferstandenen, den sie jedoch zunächst für den Gärtner hält. Diese Szene steht für die Liebe zu Christus, von der Maria Magdalena zu ihrem Handeln getrieben wird. Die Darstellung rechts daneben schildert die Begegnung des „ungläubigen“ Thomas mit dem Auferstandenen. Der Apostel Thomas wollte erst dann an die Auferstehung glauben, wenn er seinen Finger in die Wunden Jesu legen könnte. Nach der Liebe zu Christus wird hier der Glaube an den Auferstandenen theamtisiert: „Selig die nicht sehen und dennoch glauben!“ (joh. 20,29).


Die letzte Szene unten rechts ist einer Mahnung an den Betrachter gewidmet: Zu sehen ist der sogenannte „Schmerzensmann“, Christus lebend, den Betrachter anblickend, und zugleich von den Symbolen des Leidens gezeichnet. Er lebt, ist jedoch der Auferstandene, der noch einmal auf sein Leiden hinweist und so den gläubigen Betrachter auffordert, in seiner „Lebensgestaltung“ daran zu denken, was er durch sein Leiden und seine Auferstehung für die Menschen getan hat.

T. Nagel