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Bild der 29. Woche - 21. Juli bis 27. Juli 2014

Nimwegener Maler, um 1475 Anbetung der Könige Pergament, 232 x 165 mm (Bildfeld:160 x 103 mm) Stundenbuch der Sophia van Bylant, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1961/32

Diese Woche, am 23.07.2014, jährt es sich zum 850. Mal, dass Erzbischof Rainalt von Dassel die Gebeine der Hl. Drei Könige von Mailand nach Köln brachte. Von hier aus begann die Verehrung dieser drei Männer ihren Siegeszug.


Zu den kostbarsten Schätzen der Graphischen Sammlung des Wallraf-Richartz-Museums zählt das Stundenbuch der Sophia van Bylant. Dieses private Andachtsbuch entstand um 1475 im Gelderland (Arnheim/Nimwegen). Es ist mit dreizehn Miniaturen von höchster malerischer Qualität, ebenso vielen prächtigen Zierseiten, zahlreichen Initialen und phantasievollen Randverzierungen geschmückt.

Wäre da nicht die aufwendige, gemalte Rahmung mit exotischen Vögeln in blühenden Zweigen, so könnte man die Darstellung auf dieser Seite des Stundenbuchs fast für ein großes, auf Holz gemaltes Tafelbild halten. Von den kräftigen Farben des Vordergrunds bis zum hellen Blau der Uferlandschaft im Hintergrund erstreckt sich ein tiefer Bildraum, über dem sich statt Wölkchenhimmel das Gold des göttlichen Lichts wölbt. Die Vergoldung wurde auf Hochglanz poliert und mit Hilfe eines kleinen, sporenähnlichen Rädchens sehr fein verziert.

Ganz lebendig wirken die Heiligen Drei Könige, ergriffen und voller Ehrfurcht vor dem kleinen, nackten Gottessohn – dem eigentlichen Weltenherrscher, dem sie ihre Aufwartung machen und Geschenke darbringen. Die Gefäße, in denen Myrrhe (ein aromatisches Harz), Gold und Weihrauch enthalten sind, haben die Form spätgotischer Goldschmiedearbeiten. Der Stall ist als Ruine von König Davids Palast aufgefasst: ein wichtiger Rückverweis auf das Alte Testament, das sich aus christlicher Sicht im Neuen Testament erfüllt. In der dargestellten Architektur mischen sich romanische und gotische Formen, wie sich an den Köpfen der Säulen („Würfelkapitelle“) und den von ihnen gestützten, spitzen (hier sogar geschweiften) Bögen zeigt. Durch das löchrige Dach hindurch fallen Lichtstrahlen des Sterns von Bethlehem. Ochs und Esel schauen aus dem Dunkel hervor – ein Verweis auf die Bibelstelle bei Jesaja 1,3: „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn“.

Alle diese Details, bis hin zum Hund in der unteren rechten Bildecke hat der namentlich unbekannte Maler aus einem Kupferstich von Martin Schongauer übernommen (siehe Vergleichsabbildung 1 rechts). Dieser in den frühen 1470er Jahren entstandene Kupferstich geht seinerseits auf niederländische und auch Kölner Eindrücke Schongauers zurück. In der Domstadt sah Schongauer zum Beispiel den Columba-Altar des Rogier van der Weyden (jetzt: Alte Pinakothek, München), der somit auf Umwegen auch unsere Miniatur beeinflusst hat. Schon länger vermutete man, dass diese Miniatur von einem anderen Künstler stammt als die übrigen Bilder des Stundenbuchs. Vor einigen Jahren konnte durch stilistischen Vergleich ein weiteres Werk von derselben Hand identifiziert werden (siehe Vergleichsabbildung 2 rechts). Es handelt sich um die bemalten Flügel eines Triptychons, das um 1483 für einen Kartäusermönch in Nimwegen geschaffen wurden und das sich heute im Musée National du Moyen Age (Musée Cluny) in Paris befindet. Unser erster Eindruck einer gemälde-artigen Miniatur bestätigt sich also: Der betreffende Buchmaler führte zugleich auch größere Bilder auf Holztafeln aus.

R. Krischel