Unterstützt von:

Mobilmachung


Bild der 33. Woche - 18. August bis 24. August 2014

Extrablatt der Kölnischen Zeitung vom 1. August 1914
Zeitungsdruck, 47 x 31 cm
Kölnisches Stadtmuseum

„Der Kaiser hat die Mobilmachung des Heeres und der Flotte befohlen.“ Mit diesen nüchternen Worten begann in Deutschland der von 1914 bis 1918 dauernde Erste Weltkrieg, der rund zehn Millionen Soldaten das Leben kostete und das europäische Staatengefüge entscheidend veränderte. Vorausgegangen war am 28. Juni 1914 die Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Ehefrau in Sarajewo. Österreich-Ungarn machte die serbische Regierung für das Attentat verantwortlich und erklärte einen Monat später Serbien den Krieg. Da das Zarenreich als Bündnispartner Serbiens am 30. Juli die Generalmobilmachung befahl, erklärte das Deutsche Reich einen Tag später Russland den Krieg. Vier Jahre lange standen das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, das Osmanische Reich sowie das Königreich Bulgarien den Alliierten Frankreich, Großbritannien, Italien, Russland und den USA gegenüber.


Bereits seit den letzten Julitagen drängte die militärische Führung in Deutschland auf die Mobilmachung des Heeres, die am 1. August erfolgte. Damit war die Überführung der Streitkräfte in den Kriegszustand gemeint. Im Allgemeinen assoziiert man damit die ersten militärischen Maßnahmen, die der Auffüllung der Truppenverbände mit Personal, Bekleidung und Ausrüstung für den Kriegszustand diente. Die Mobilmachung erfasste im weiteren Verlauf aber auch die Umstellung von Staat und Wirtschaft auf die Erfordernisse des Krieges (Verfügung über den Verkehr, Zwangsbewirtschaftung kriegswichtiger Güter, Lebensmittelversorgung und Preiskontrolle).


Das Leben in Köln veränderte sich umgehend. Vor allem der Kölner Hauptbahnhof war nun Drehscheibe für den militärischen Reiseverkehr. Jeder Soldat wusste durch die Kriegsbeorderung seines Militärpasses, an welchem Standort er sich einzufinden hatte. Soldaten nutzten massenweise die Straßenbahnen, um zu Kasernen und Einquartierungsorten zu gelangen. Die Bevölkerung versorgte durchreisende Soldaten mit Lebensmitteln. Kriegsfreiwillige ohne Beorderung irrten ziellos in kleineren Gruppen von Kaserne zu Kaserne, um ein Regiment zu finden. Pferde wurden an verschiedenen Stellen der Stadt ausgehoben. Der private Kraftwagenverkehr wurde dem Militär unterstellt, der Post- und Telegrafenverkehr eingeschränkt u.v.m.


Über die Verkündigung der Generalmobilmachung am späten Nachmittag des 1. August 1914 berichtete die Kölnische Zeitung: „Stundenlang hatte in Köln die Menge vor dem Gebäude der Kölnischen Zeitung ausgeharrt; als dann das Extrablatt mit dem Spitzwort: Mobil! erschien, da ging ein gewaltiges Brausen durch die Menge, ein wildes Stimmengewirr, bis markig und fest die altvertraute Weise der Wacht am Rhein erscholl. Junge Leute riefen sich wohl ein derbes kriegerisch-kurzes Scherzwort zu, Kinder wanden sich mit einem harmlos-freudigen Hurrarufen durch die Menge; sonst war ernste Entschlossenheit, volles Verständnis für den Ernst der Stunde, aber auch die entschlossene Kraft, ihm ruhig ins Auge zu sehen, auf allen Mienen zu lesen.“


Um den 7. August 1914 war die Mobilmachung abgeschlossen: Soldaten und Reservisten waren an die Front ab- und der Landsturm nachgerückt. Im August und September 1914 kamen bereits die ersten Verwundetenzüge zurück nach Köln.

G. Oepen-Domschky