Selbstbildnis zum Ansporn
Zeng Mi (geb. 1935), Selbstbildnis Signatur: Sanshi louzhu; zahlreiche Siegel des Künstlers Tusche auf Papier, China, datiert 1987, 69,7 x 33,9 cm Köln, Museum für Ostasiatische Kunst, A 2002,4
Das Selbstporträt des Künstlers spielt in der traditionellen chinesischen
Literatenmalerei so gut wie keine Rolle, weil es nicht dem Selbstverständnis
des Literatenmalers entsprach. Um so bemerkenswerter ist das Selbstbildnis des
Zeng Mi, das er laut Inschrift am unteren Bildrand „nach dem Bauernkalender
am zweiten Tag des elften Monats im Dingmao Jahr (1987) mit Hilfe eines Spiegels
malte und mit alten Lebensregeln als Lebensmotto verband, um sich selbst anzuspornen“.
Das Blatt wurde vor dem Malen mit der Rückseite auf einen mit brauner Tusche
gefärbten Stein gedrückt und zeigt eine hellbraune unregelmäßige
Farbstruktur. Der Kopf verfügt weder über einen Halsansatz, noch ist
er mit einem Körper verbunden. Das Gesicht wird durch sparsame Linien und
wenige, mit dem trockenen Pinsel ausgeführte Striche charakterisiert.
Im folgenden werden einige seiner Lebensregeln übersetzt, die jeweils mit
unterschiedlichen Siegeln gestempelt sind:
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„Reichlich sammeln, wenig von sich geben.“
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„Nicht Handeln.“
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„Den Weg kennen wie ein Schlafwandler.“
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„Als Mensch offen und ehrlich sein, heiter und gelassen malen.“
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„Einem Stein ähneln und ihm ähnlich bleiben.“
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„Die Beschreibung eines Abenteuers ist auch das Abenteuer der Beschreibung.“
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„Alle Schönheit folgt aus der Reinheit des Ursprungs.“
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„Ein großes Land regieren ist wie eine kleine Speise zubereiten.“
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„Eine große Gestalt hat keine Form.“
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„Immer wieder geschnitzt und poliert werden und am Ende zur Schlichtheit
zurückkehren.“
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„Interessant ist es, wenn Unnormales mit dem korrekten Weg übereinstimmt.“
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„Eine vernünftige Unmöglichkeit ist immerhin besser als eine
unvernünftige Möglichkeit.“
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„Das Außergewöhnliche sollte der Vernunft nicht zuwider laufen,
Unkonventionalität sollte die Regeln nicht verleugnen.“
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„Das ungesellige liegt in meiner Natur, Anmut entspricht nicht meiner Veranlagung.“
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„Bei allen schwierigen Dingen muß man mit dem Einfachen anfangen,
bei allen großen Dingen mit dem Kleinen.“
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„Wenn das Wasser tief ist, kann es Schweres tragen, wenn es reichlich Erde
gibt, gedeihen Pflanzen üppig.“
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„Einen Stein kann man zerschlagen, aber seine Härte bleibt. Zinnober
kann man verreiben, aber die Röte vergeht nicht.“
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„Mit Fleiß lernen, um einem Mangel an Qualität abzuhelfen.“
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„Wissen heißt, wissen was fehlt, Nichts bedeutet, es gibt Nichts,
das man nicht tut.“
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„Je tiefer man hineingeht, desto schwieriger der Weg, um so faszinierender
aber auch, was man sieht.“
A. Schlombs
Zum Schaffen des Malers Zeng Mi wird im nächsten Jahr eine monographische Ausstellung zu sehen sein, und zwar im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, im Museum für Ostasiatische Kunst, Berlin und im Museum für Ostasiatische Kunst, Köln.
Index
Kalender: 2003
Institut: Museum für Ostasiatische Kunst
Künstler: Zeng Mi
Gattung: Malerei
Motivik: Porträt / Selbstporträt
Epoche: 20. Jh.
Autor: A. Schlombs
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