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Archiv des Gedenkens an die NS-Zeit im Rheinland

Projektbeschreibung

Ausgangssituation
Über 60 Jahre nach Kriegsende verfügt das Rheinland über eine vielfältige Gedenktopografie bzw. Erinnerungslandschaft zur NS-Zeit. Im Verlauf der Jahrzehnte entstanden an den unterschiedlichsten Orten, mitunter Tatorten, Mahnmale, Gedenkstätten, Denkmäler, „Gedächtnisstützen", die an die NS-Zeit erinnern sollen.

Diese Gedenklandschaft veränderte sich über den Zeitraum von über sechs Jahrzehnten. Gedenktafeln entstanden, Denkmäler verschwanden, Mahnmale wurden ergänzt oder/und verändert, neue „Gedächtnisstützen" wurden implantiert.

Ohne Zweifel handelt es sich bei dieser Gedenktopografie um eine die Haltung der im Rheinland lebenden Bürger zur NS-Zeit widerspiegelnde Kultur des Erinnerns und Gedenkens, die zur Festigung der Demokratie wesentliches beigetragen hat und Ausdruck des politischen Engagements der Bürger im Rheinland ist.

Nirgends jedoch existiert ein Verzeichnis oder ein Archiv, das diese Gedenktopografie in ihrer Gesamtheit erfassen und somit erfahrbar machen würde, obwohl ein entsprechender Bedarf für ein im Internet öffentlich zugängliches Archiv des Gedenkens an die NS-Zeit besteht (z.B. bei den Schulen, denen hierdurch neue Ansätze des Vermittelns lokaler und regionaler Geschichte zur NS-Zeit geboten würden, der Forschung, die sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt der Erforschung dieser „Erinnerungslandschaften" widmet und gerade im Bereich der lokalen und regionalen Forschung große Defizite sieht und auch den lokalen und regionalen NS-Gedenkstätten-Initiativen, denen ein vernetztes Denkmalarchiv angeboten werden könnte).

Dies ist eine vorläufige Feststellung zweier Projekte, die an der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln angesiedelt sind. In diesen Projekten (Veröffentlichungen dieser „Referenz"projekte sind geplant in der „Schriftenreihe der KMB" Bd. 3 (bereits erschienen: Hesse, Hans/Purpus, Elke, Gedenken und Erinnern im Rhein-Erft-Kreis, Essen 2008) und Bd. 4 (2010, „Gedenken und Erinnern in Köln")) wurden die entsprechenden Erfahrungen/Kompetenzen erarbeitet, diesen zum überwiegenden Teil nirgends erfassten Bestand von Objekten zu recherchieren.

Veränderungen und Entwicklungen dieser Gedenkkultur (z.B. durch den Verfall der Denkmäler, Änderungen durch politische Entwicklungen, insbesondere bei den Denkmälern zur Vertreibung, oder Veränderungen der Gedenkkultur) blieben bisher unerkannt und undokumentiert und auch im Nachhinein kaum mehr nachvollziehbar. Hier setzt die Idee eines "Archivs des Gedenkens an die NS-Zeit im Rheinland" an.

Gebiet des Projektes
Das Gebiet des Projektes orientiert sich an dem Zuständigkeitsbereich des Landschaftsverbandes Rheinland und umfasst die folgenden kreisfreien Städte: Stadt Aachen, Stadt Bonn, Stadt Duisburg, Stadt Düsseldorf, Stadt Essen, Stadt Köln, Stadt Krefeld, Stadt Leverkusen, Stadt Mönchengladbach, Stadt Mülheim-Ruhr, Stadt Oberhausen, Stadt Remscheid, Stadt Solingen, Stadt Wuppertal sowie folgende Landkreise: Kreis Aachen, Kreis Düren, Kreis Euskirchen, Kreis Heinsberg, Kreis Kleve, Kreis Mettmann, Kreis Viersen, Kreis Wesel, Oberbergischer Kreis, Rhein-Kreis Neuss, Rhein.-Berg. Kreis, Rhein-Erft-Kreis und den Rhein-Sieg-Kreis.

Ziel des Projektes
Das Projekt strebt eine möglichst vollständige Erfassung (hierzu gehört auch die Nennung des Künstlers, eventuell vorhandener Literatur, Archivalien, Entstehungsdatum, Beschreibung des Fundortes) und fotografische Dokumentation aller Objekte (Denkmäler, Mahnmale, Gedenkstätten, Gedenktafeln) im Rheinland an, die an Ereignisse aus der NS-Zeit erinnern. Zu diesem Kreis der Denkmäler gehören sowohl:
- Mahnmale/Gedenktafel/Stolpersteine/Denkmäler, die an die rassisch, religiös, politisch Verfolgten erinnern,
- als auch Denkmäler, die sich auf den Zweiten Weltkrieg beziehen,
- wie die vielen Kriegsgräberstätten,
- aber auch die - zumeist - russischen Gräber der Kriegsgefangenen,
- und Ziviltoten (Bombenkriegsopfer) und
- Denkmäler, die an die Vertreibung erinnern und Heimkehrerdenkmäler.
- Desweiteren werden die Denkmäler zum Ersten Weltkrieg mit erfasst, da sie sehr häufig die Basis für die Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg bildeten.
- Und es werden historische Fotos sowohl der existierenden als auch verloren gegangener Denkmäler erfasst und zugänglich gemacht.
Die Kooperationspartner erwarten, dass ca. 7.000 Objekte infrage kommen. Insgesamt werden mindestens 70.000 Fotos erstellt werden.
Ein derartig angelegtes „Archiv" wird die Gedenkkultur im Rheinland sowohl in seiner ganzen gegenwärtigen Breite als auch die Veränderungen der Zeitläufte erfassen und somit die historisch gewachsene Gedenklandschaft des Rheinlandes transparent machen. Auf einem wichtigen kulturpolitischen Feld, dem des Gedenkens und Erinnerns an die NS-Zeit im Rheinland, dürften durch diese Vernetzung neue Impulse für bürgerschaftliches und kulturpflegerisches Engagement zu erwarten sein.

Kern dieses Archivs wird eine im Internet vorgehaltene, erweiterbare und jedem Interessierten zugängliche Datenbank in Form eines Portals mit der Bezeichnung "Archiv des Gedenkens an die NS-Zeit im Rheinland" sein.

Insgesamt zeichnet sich dieses Projekt durch mehrere, wichtige Alleinstellungsmerkmale aus: Sowohl die angestrebte möglichst vollständige Erfassung aller Denkmalobjekte der verschiedensten Themenbereiche als auch die Fotodokumentation und Bereitstellung als Portal im Internet haben kein Vorbild in der Bundesrepublik und damit Referenz- und/oder Modellcharakter.

Das Projekt wurde im Januar 2008 begonnen und soll in 2012 enden.

Kooperationspartner dieses Projektes sind die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln und der Landschaftsverband Rheinland.

Die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
Ausführende Institution des Projektes ist die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln. Dafür gibt es zwei sehr gewichtige Gründe. Denkmäler gehören zur Memorial-/Gedenkkunst und Denkmäler zur NS-Zeit gehören zur Gedenkkunst des 20. Jahrhunderts und berühren damit den Sammelschwerpunkt der Kunst- und Museumsbibliothek (KMB), die Kunst- des 20. und 21. Jahrhunderts, in dem die Institution auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als herausragende Wissenschaftseinrichtung gefördert wird. Die Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln ist - mit ihren 420.000 Medien - eine der größten öffentlichen Kunst- und Museumsbibliothek zur Modernen Kunst in der Welt. Die Zugehörigkeit der Denkmäler, die an die NS-Zeit im Rheinland erinnern, zur Kunst des 20. Jahrhunderts sei nur an zwei Namen verdeutlicht: Gunter Demnig, der mittlerweile auch international Stolpersteine zum Gedenken an die NS-Verfolgung verlegt. Eine Kunstaktion, worauf Gunter Demnig auch immer wieder großen Wert legt. Oder auch Ulrich Rückriem, der im Kreis Düren mit 10 Stelen (1988-1990 aufgestellt), als dezentrales Erinnerungsdenkmal, auf Orte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft hinweist, an denen seit 1992 jährlich am 9. November Mahnstunden abgehalten werden.

 

Desweiteren gehört zur KMB das Rheinische Bildarchiv. Es ist mit seinen über 800.000 Negativen und Diapositiven eines der vier größten öffentlichen Bildarchive zur Kunst und Architektur in Deutschland, mit dem Schwerpunkt auf dem Rheinland. Zu den Aufgaben des Rheinischen Bildarchivs gehört die Kunst- und Stadtbilddokumentation. Somit gewährleisten einerseits eigene, festangestellte Fotografen die fotografische Qualität der wissenschaftlichen Fotodokumentation der Denkmäler und anderseits ist die inhaltliche Erschließung der Fotos für die Öffentlichkeit ebenso sichergestellt. D.h. das Fachwissen für die wissenschaftliche Fotodokumentation der Denkmäler zur NS-Zeit ist im Rheinischen Bildarchiv vorhanden.

Kooperationspartner LVR
Kooperationspartner der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln ist der Landschaftsverband Rheinland (LVR; http://www.lvr.de/). Das Projekt wird in seiner ersten Projektphase aus Mitteln der Regionalen Kulturförderung des LVR in erheblichem Umfang finanziert. Am Projekt beteiligte Einrichtungen des LVR sind das Rheinische Amt für Denkmalpflege (Pulheim) (http://www.denkmalpflegeamt.lvr.de/) und das Medienzentrum Rheinland (Düsseldorf) (http://www.medienzentrum-rheinland.lvr.de/).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Projekt
Fotografinnen und Fotografen: 
Cordelia Dilg (freiberuflich), Michael Ehritt (freiberuflich), Monika Eisele (freiberuflich), Andreas Fragel (freiberuflich), Mark Hammans (freiberuflich), Mia Jungjohann (freiberuflich), Maria Luckey (Auszubildende, Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv), Wolfgang F. Meier (Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv), Marion Mennicken (Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv), Antje Prömper (freiberuflich), Martin Scherag (freiberuflich), Britta Schlier (Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv), Anna Wagner (Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv), Sabrina Walz (Kunst- und Museumsbibliothek, Abteilung: Rheinisches Bildarchiv)

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:
Dr. Hans Hesse (Historiker): Seine Forschungsschwerpunkte sind die NS-Verfolgung von Minderheiten, die Geschichte der Konzentrationslager und Vergangenheitspolitik. Seine aktuelle Publikation (zusammen mit Dr. Elke Purpus) ist bereits unmittelbar mit dem Archivprojekt verbunden: „Gedenken und Erinnern im Rhein-Erft-Kreis. Ein Führer zu Mahnmalen, Denkmälern und Gedenkstätten, Essen 2008". (weitere Informationen vgl. http://www.hans-hesse.de/)

Sonstiger Mitarbeiterinen und Mitarbeiter:
Zwei Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter in der Datenerschließung.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Projekt
- Hesse, Hans / Purpus, Elke: Den Lebenden zur Mahnung? - Konturen einer Denkmallandschaft des 20. Jahrhunderts im Rhein-Erft-Kreis am Beispiel Brühls, in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Bd. 31, 2007, S. 336-375.
- Hesse, Hans / Purpus, Elke: Gedenken und Erinnern im Rhein-Erft-Kreis. Ein Führer zu Mahnmalen, Denkmälern und Gedenkstätten des Ersten Weltkriegs und zur NS-Zeit (sowie des Zweiten Weltkriegs); [begleitende Ausstellungen: Bergheim, Kreishaus-Galerie, 21.1. bis 17.2.2008; Erftstadt, im Rathaus, 23.2. - 23.3.2008; Kerpen, im Haus der Geschichte, 9.5. - 13.7.2008; Brühl, im Kreuzgang des Rathauses, 13.9. - 23.10.2008; Wesseling, im Rathaus, 1.11. - 26.11.2008; Frechen, Stadtarchiv Frechen, 4.3. - 14.4.2009; Hürth]. Mit Fotogr. von Helmut Buchen u. Wolfgang F. Meier. Essen: Klartext-Verl. 2008. 978-3-89861-917-2 (Schriftenreihe der Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln; 3).
- Aufsatz über das Gedenken an den I. Weltkrieg am Beispiel Pulheim-Sinthern: Hesse, Hans / Purpus, Elke, "Sie waren bereit für Gesetz und Vaterland zu sterben!" Gedenken beim Wort genommen: Ergebnisse einer Recherche, in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 33, 2008, S. 234-260.
- Hans Hesse / Elke Purpus: Gedenken und Erinnern an die NS-Zeit - Bausteine einer Gedenktopografie des 20. Jahrhunderts. Ein Landkreis und eine Großstadt im Vergleich, in: Geschichte im Westen, 24/2009, S. 41-72.
- Hesse, Hans / Purpus, Elke: Die Barbara-Kapelle in Pulheim -"Ruhmeshalle der Kriegsheiligen" oder "Pantheon der Glaubenskämpfer"?, in: Pulheimer Beiträge zur Geschichte, Band 34/2009, S. 334-369.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, "Vor der eigenen Haustür wird die Verdrängung schwieriger". Gunter Demnigs Projekt STOLPERSTEINE in Frechen, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 5/2009, S. 221-250.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, "Bei uns wurde weiter vom Bau gesprochen und nicht von Politik. Wieso sollten wir hellsichtiger sein als viele kluge Männer im In- und Ausland". Anmerkungen zu dem Künstler Wilhelm (Willy) Meller (1887-1974), in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 5/2009, S. 187-206.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, "Auf der Flucht erschossen". Recherchen zum Schicksal der in der Gemeinde Frechen verstorbenen sowjetrussischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterinnen, in: Jahrbuch des Frechener Geschichtsvereins e.V., Bd. 5/2009, S. 207-220.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Monuments and Commemorative Sites for German Expelles, in: Niven, Bill/Paver, Chloe, Memorialization in Germany since 1945, Basingstoke 2010 (Palgrave Macmillan), S. 48-57.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Mahnmalführer Köln. Ein Führer zu Kölner Denkmälern zur Erinnerung an Verfolgung und Widerstand im Nationalsozialismus. Bd. 4 der Schriftenreihe der Kunst- und Museumsbibliothek, Essen 2010.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Gedenk-Räume. Fotogr. von Britta Schlier ... . Kleine Schriften der Kunst- und Museumsbibliothek, Bd. 1., Köln 2011.
- Hesse, Hans/Purpus, Elke, Willy Meller (1887-1974) - Skizzen über den Kölner Künstler und seine Arbeiten für die NS-Ordensburgen, in: Geschichte in Köln 59/2012, S. 231-268.

Ansprechperson
Dr. Hans Hesse, Kunst- und Museumsbibliothek / Rheinisches Bildarchiv, Kattenbug 18-24, 50667 Köln, Tel.: 02233 / 613800, E-Mail: hesse@hans-hesse.de

 



 
Lesesaal im Museum Ludwig

Heinrich-Böll-Platz / Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 26 26
kmb@stadt-koeln.de

Lesesaal im Museum für Angewandte Kunst

An der Rechtschule
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 67 29, -2 67 13
kmb@stadt-koeln.de

Verwaltung und Postadresse

Kattenbug 18-24
50667 Köln

Tel.: 0221/221-2 24 38, -2 41 71
kmb@stadt-koeln.de