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Museum für Angewandte Kunst Köln

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WASA MARJANOV. Skulpturen mit Architekturbewusstsein

3. Dezember 2011 bis 22. April 2012

Seit seiner Studienzeit an der Kunstakademie Düsseldorf ist Wasa Marjanov mit der Integration von Bildender Kunst und Architektur befasst. Er schafft nicht nur Werke aus Skulptur und Architektur, sondern reichert sie durch Bei- und Zugaben aus Theater, Literatur, Musik, Fotografie und Video gezielt an.
Seine Skulpturen entstehen aus einem "Baukasten". Darin befinden sich ausgewählte geometrische Körper, aber auch Baumaterialien und sogar Haushaltsgegenstände. Diese Dinge werden kombiniert und anschließend mit in vielen Schichten übereinander gelegter Lackfarbe bemalt, um Formen sowohl zu einen, als auch formale Akzente durch farbliche Hervorhebung zu setzen.
So entstehen architektonische Skulpturen, die mit Architekturmodellen verwechselt werden könnten. Der Künstler spielt mit unseren Denkgewohnheiten, Architekturmodelle wie selbstverständlich hochzurechnen, um sie gedanklich realisieren zu wollen. Dann zeigen uns Fotografien, die ja vermeintlich Realität abbilden, wie unrealistisch ein Bau doch eigentlich ist. Und führen somit den Blick wieder auf das Wesentliche, auf die architektonische Skulptur.
Wasa Marjanov stellt mit ihnen Verbindungen zu architekturgeschichtlichen Größen her, wenn er die Formensprache weltberühmter Architekten gleichsam parodiert und als "Appetizer" auf Tellern anrichtet. Oder er schafft utopisch anmutende Phantasiearchitekturen, die aber durchaus in der Lage sind, Phänomene des zeitgeschichtlichen Lebens zu erhellen.
Eine große Werkgruppe widmet er dem Theater. So auch die aufklappbaren "Theaterkisten", in denen sowohl Bühne- als auch Zuschauerraum gestaltet sind. Bezeichnenderweise richtet sich sein Interesse auf Bühnenstücke, die Architektonisches im Titel führen. Wasa Marjanov bleibt damit der Baukunst treu, rekurriert aber auch auf Literatur, die sich mit Architektur befasst, und zeigt sie uns durch architektonisch gestalteten Bühnen- und Theaterraum. Die "Theaterkisten" werden von Fotografien begleitet, die belegen, dass ein den Theaterstücken entsprechendes Bühnenbild im Stadtraum selbst zu finden ist.
Bei seinem Interesse für Theater könnte es verwundern, dass Wasa Marjanov niemals ein Bühnenbild gestaltet, geschweige denn ein Theater gebaut hat. Aber ebenso wie seine skulpturalen Architekturen sind auch diese Arbeiten nicht anwendungsorientiert, sondern sie selbst.
Mit angewandter Kunst durchaus verwandt, erfüllen Wasa Marjanovs "Stühle" eine Funktion als Sitzgelegenheit. Sie erschöpfen sich aber nicht darin, denn diese "Stühle" sind Ding, Zeug und Werk, das mit seiner jeweils besonderen Form sich selbst im Besonderen und, wie Heidegger konstatierte, das allgemeine Wesen der Dinge wiedergibt.
Mit jedem seiner Werke erweist sich, dass Wasa Marjanov nicht polarisiert, sondern zusammenführt. Skulptur und Architektur, Musik, Literatur, Fotografie und Video, Theater, Bühnenbild, angewandte und autonome Kunst, und sogar der Lebensraum und seine Wahrnehmung, Realismus und Utopisches werden zu synästhetischen "Gesamtkunstwerken" vereint.

Dr. Bernd Finkeldey