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Textile Installation "Die schönste Gewohnheit im Leben", Katja Skoppek, Preisträgerin 2015 Kategorie Kleidung, Foto: © Manfred Grünwald
Stuhlpaar – ein Stuhl, ein Klappstuhl –, Klemens Grund, Preisträger 2015 Kategorie Möbel, Foto: © Manfred Grünwald
Ohrschmuck "Sterntaler 2", Ursula Biskup, Preisträgerin 2015 Schmuck, Foto: © Manfred Grünwald
Installation "Das Meer in mir", Kirsten Diez-Rheinbeck, Preisträgerin 2015 Kategorie Skulptur, Foto: © Manfred Grünwald
Wandobjekt, Quilt "Strukturwandel oder 3D – 2D – 3D", Cornelia Falk, Katrin Reinke, Preisträgerinnen 2015 Kategorie Wohnen, Foto: © Manfred Grünwald
Rucksäcke "MOK", Ava Bömeke, Foto: © Manfred Grünwald
Skulptur "Grünes Objekt", Thomas Lemke, Foto: © Manfred Grünwald
Ringe "Die vier Jahreszeiten", Stefanie von Scheven, Foto: © Manfred Grünwald
Sitzmöbel "Dreirund", Sebastian Dreser, Foto: © Manfred Grünwald
Vasen, Barbara Bismark, Foto: © Manfred Grünwald
Fotografische Arbeit "Am 28. Februar 2015 nachmittags am Strand", Manfred Grünwald, Foto: © Manfred Grünwald
Hut "Swallow", Laurence Leleux, Foto: © Manfred Grünwald

manu factum 2015

Staatspreis für Kunsthandwerk Nordrhein-Westfalen

22. August – 11. Oktober 2015

Seit mehr als 50 Jahren kürt das Land Nordrhein-Westfalen regelmäßig seine besten Vertreter im Bereich der Angewandten Kunst. In einem breit angelegten Wettbewerb stellen sich alle zwei Jahre bis zu 450 Gestalter – darunter solche mit klassisch-handwerklichem Background oder stärker design-orientierte – dem Urteil der Fachjury, um einen der begehrten Staatspreise im Kunsthandwerk zu erhalten.


Die Ausstellung „manu factum“ präsentiert ab August mit den Arbeiten der erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmer einen Querschnitt des zeitgenössischen Kunsthandwerks: Handwerkliches Können und Materialbeherrschung, Innovation und Experiment sind die Kriterien für die Zulassung. Formal strenges Design findet seinen Platz neben dem verspielten, mit leichter Hand geschaffenen Entwurf, der schlichte Gebrauchsgegenstand behauptet sich neben der freien künstlerischen Arbeit. Diese Bandbreite ist erlaubt – und gewünscht. Die Ausstellung wird so zu einer Plattform für den Austausch mit anderen Kreativen. Aber auch und vor allem mit dem Publikum.

27. Landesausstellung mit neuem Konzept
Statt der bisher am Material orientierten Werkbereiche waren in diesem Jahr die Arbeiten erstmalig in den sechs Themengruppen MÖBEL, SKULPTUREN, SCHMUCK, KLEIDUNG, MEDIEN und WOHNEN einzureichen. Von der Neu-Orientierung versprachen sich die Ausrichter des Wettbewerbs nicht weniger als einen Kreativitätsschub. Was das Kunsthandwerk von jeher auszeichnete – der Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand –, aber auch neuere Tendenzen hin zum konzeptuellen Arbeiten erfahren eine stärkere Würdigung. Und die neue „Wahlfreiheit“ hat der Inspiration gut getan: So frisch, vielseitig und ambitioniert zeigt sich die Landesausstellung in ihrer 27. Auflage.


KLEIDUNG präsentiert sich hier als im weitesten Sinne am Körper zu Tragendendes außer Schmuck: Vom Theatergewand bis zur textilen Installation ist alles möglich. Aber auch Tragbares, das durch exzellentes Handwerk hervorsticht, zählt dazu – wie Hüte, Schuhe, ein Trenchcoat, eine Jacke aus handgewebtem Stoff oder ein Rucksack von schlichter Raffinesse.


Bei den SKULPTUREN, mit 30 Exponaten größter Bereich, ist die Vielfalt der verwendeten Materialien wie Glas, Ton, Holz, Stein oder Metall augenfällig. Die Bronzefigur findet sich hier ebenso wie die filigrane Glasskulptur, neben der meterhohen Stele aus Stein stößt man auf ein Bodenrelief aus dem gleichen Material. Freie keramische Objekte, aber auch Vasen oder Schalen faszinieren durch ihre anspruchsvolle Ausführung. Wo Werkstoffe wie raues Holz und glatter Beton eine Verbindung eingehen, ergeben sich spannungsvolle Kombinationen.


Quer durch alle Themenbereiche ist eine Lust am Ornament zu spüren. Realisiert beispielsweise als fragile Skulptur aus weißem Papier oder in zarten Mustern beim SCHMUCK. Beinahe ließe sich hier eine Zweiteilung feststellen: Verspielte und opulente Entwürfe, die die Grenze zur Skulptur aufzuheben scheinen, kontrastieren mit ultramodernen, teils radikal reduzierten Formen. Ein Hingucker: ungewöhnliche Werkstoffe wie Tantal oder Corian, die man aus Bereichen wie Architektur und Medizin kennt. Und auch die Herstellung im 3D-Druck eröffnet neue Perspektiven im Schmuckdesign.


Die Kategorie WOHNEN versammelt so unterschiedliche Beiträge wie eine Geschirrserie oder eine Holzskulptur, Leuchten oder Tapisserien. Klassische Wohnaccessoires wie etwa Bestecke oder Kissen sind in der Minderheit, dafür gibt es außergewöhnliche Objekte, zum Beispiel eine Yogamatte oder einen Waschtisch; auch einen begehbaren mobilen Lagerraum kann der Besucher erkunden. Lampen entfalten ihre Wirkung durch die Verwendung von natürlichen Materialien wie Holz oder – kunstvoll gefaltetem – Papier. Oder aber mit Wow-Effekt, wenn beispielsweise bunte Kabel mit schimmerndem Metall kombiniert werden. Mit originellen Ideen überzeugen mehrere (Wand-) Teppiche, akribisch-perfekt gewebt oder genäht, von raffinierter Farbgestaltung.


Überraschend geht es weiter: MÖBEL, einer der stärksten Bereiche, ist bestückt mit funktionalen, perfekt durchdachten und gefertigten Tischen, Stühlen, (Stapel-)Hockern und vielem mehr. Streichelweicher Beton, Filz, Latex, Metall, Sperrholz oder Schindeln – das alles sind Materialien, die hier zum Einsatz kommen.


Im Themenbereich MEDIEN dominiert die Fotografie. Überwiegend in Serien werden Themen wie Farbe oder Landschaft aufgegriffen. Mehrere Arbeiten setzen sich mit dem öffentlichen Raum, vorzugsweise im urbanen Kontext, auseinander.
Was den Besucher 2015 erwartet: eine Fülle kreativer Ideen, materialgerecht umgesetzt, oft mit eigens entwickelten, innovativen Verfahren. Und mit „Hintersinn“: Es lohnt sich der zweite Blick, der Witziges, Detailreiches, Überraschendes enthüllt. Nicht zuletzt eröffnet die neue themenbezogene Einbettung der Exponate reizvolle Möglichkeiten der Präsentation.

Das Beste: Der Staatspreis
Seit den 1960er Jahren wird dieser am höchsten dotierte Preis im Kunsthandwerk in Deutschland für herausragende Leistungen kunsthandwerklichen Schaffens vergeben. In diesem Jahr noch einmal deutlich aufgewertet, soll so der kleine, aber feine Bereich zwischen Kunst und Handwerk nachhaltig gefördert werden. Garant für die Qualität ist ein zweistufiges anonymisierte Verfahren; nach Vorauswahl durch eine Fachjury entscheidet eine weitere Kommission aus Vertretern des (Kunst)Handwerks, der Wissenschaft, der Architektur und der Museen sowie der Ministerien und der Staatskanzlei über die Vergabe der Preise. Wettbewerb und Ausstellung werden gemeinsam von der Landesregierung und der Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks NRW (ADK) durchgeführt.


Und noch etwas Besonderes macht den Reiz dieser Schau von und für Kunstbewegte hierzulande aus: Die „manu factum“ findet abwechselnd im Rheinland und im Ruhrgebiet statt. Die Schirmherrschaft hat in diesem Jahr NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übernommen, die Auszeichnung der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch Wirtschafts- und Handwerksminister Garrelt Duin. Nach 1995 ist das MAKK zum zweiten Mal Gastgeber der Landesausstellung und ab sofort fester Partner im vierjährigen Turnus, zusammen mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.


Zu sehen ist die 27. Landesausstellung zur Ermittlung des 
“Staatspreises für das Kunsthandwerk im Lande Nordrhein-Westfalen“ vom 22. August bis 11. Oktober 2015 
im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK).

 

„manu factum“: ausgezeichnetes Kunsthandwerk seit 1963

Die Veränderungen, denen die „manu factum“ im Laufe der Zeit unterworfen war, spiegeln gleichzeitig auch die Entwicklung im Kunsthandwerk: So unterschied man beispielsweise bis Mitte der 1970er Jahre noch zwischen sakralem und profanen Gerät aus Metall. Die Zuordnung einzelner Werkbereiche wie Stein, Leder oder Farbe wechselte. Nicht selten stößt man bei den Preisträgern der Vergangenheit auf berühmte Namen wie Carl Pott, Friedrich Becker, Elisabeth Treskow oder Albert Renger-Patzsch. So manchem Preisträger wird der Besucher immer wieder begegnen, denn neben der Vielseitigkeit ist es das hohe Niveau, mit dem viele der ausgezeichneten Kunsthandwerker überzeugen – oft über Jahre.


Die über 50-jährige Geschichte der „manu factum“ mit ihren vielen Facetten kann auch als Reminiszenz an die Vielfalt kunsthandwerklichen Schaffens gedeutet werden. Die Kulturleistungen vergangener Epochen, kostbare Gold- und Silberschmiedearbeiten in der Sakralkunst, Stein- und Holzbildhauerei sowie unzählige von Buchbindern, Porzellanmalern oder Glasbläsern gestaltete Gebrauchs- und Kunstgegenstände wären undenkbar ohne die Fertigkeiten, das Geschick, die künstlerische Inspiration der Handwerker, die die Werke ausführten. Aber auch die klassische Moderne des 20. Jahrhunderts und die Gedanken des Werkbundes und der Werkkunstschulen bis hin zum stilbildenden Einfluss des Bauhauses sind bis heute im Kunsthandwerk spürbar.
Inzwischen, so lässt sich wohl sagen, sind die Grenzen zwischen Handwerk, Kunst und Design endgültig „fließend“ – erfolgreiche Bewerbungen für die „manu factum“ kommen heute von der Steinmetzmeisterin oder dem Tischler ebenso wie vom Produktdesigner oder der Fotografin.