„Wir sind verpflichtet zu experimentieren!", erklärte Alexsandr Rodtschenko 1924, um die großen Aufgaben der Fotografie für die Gestaltung des neuen gesellschaftlichen Lebens der Sowjetunion darzulegen und Taten anzumahnen. Viele Fotografen folgten seinem Beispiel einer resoluten Abkehr von den klassischen Traditionen hin zu einer medienspezifischen Bildsprache für die revolutionäre Umgestaltung Russlands zur Sowjetunion. Sie wählten ungewohnte Bildausschnitte, arbeiteten mit extremen Perspektiven und entdeckten ‚neue' Motive beim industriellen Aufbau des
Landes, im Großstadtleben und bei den vielen ethnischen Volksgruppen der Sowjetunion.
Politische Bilder. Sowjetische Fotografien 1918-1941.
Die Sammlung Daniela Mrázkowá
23.10.2009 bis 31.01.2010
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag:
10 – 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 – 22 Uhr
Ab Ende der 1920er Jahre wurde das kreative Potential dieser Avantgarde allerdings stark reglementiert und zunehmend in die ideologische Propaganda des ‚Sozialistischen Realismus' hineingedrängt. In diesem Prozess der radikalen Umgestaltung aller Lebensbereiche spielte die Fotografie als künstlerisches Medium, als Dokumentarfotografie und als publizistisches Mittel der Propaganda, welches vor allem das große Heer der Analphabeten zu erreichen hatte, eine herausragende Rolle. Material der sowjetischen Fotografen ist kaum in deutschen Sammlungen vertreten. Aber die in Prag lebende Publizistin und Kuratorin Daniela Mrázkowá trug in den 1960er und 1970er Jahren eine Sammlung der bedeutendsten sowjetischen Fotografen Arkadij Schajchet, Georgij Sel'ma, Boris Ignatowitsch, Maks Al'pert, Georgij Petrusow und anderen zusammen. In der Hochphase des Kalten Krieges wollte sie dem ‚anderen Rußland' eine Stimme geben. Jetzt ist der Ankauf dieser Sammlung Mrázkowá für das Museum Ludwig mit dessen Sammlungsschwerpunkt ‚Russische Avantgarde im 20. Jahrhundert' gelungen und stellt eine willkommene Bereicherung dar. Die Ausstellung POLITISCHE BILDER präsentiert mit dieser Sammlung nicht nur Fotografien von Aleksandr Rodtschenko sondern auch über 200 Fotografien seiner vielen Mitstreiter und Zeitgenossen, die über Jahrzehnte in der Sowjetunion verfemt waren. Gleichzeitig werden zahlreiche bislang völlig unbekannte Filmdokumente aus dem Archiv ‚Hartmut Kaminski' in der Ausstellung gezeigt.
Kurator: Prof. Dr. Bodo von Dewitz
Sonntags um 16 Uhr finden regelmäßig öffentliche Führungen statt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog-Handbuch (deutsch/englisch) im Steidl Verlag.
Gefördert von
Kulturstiftung der Länder
Gefördert von
Der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen
Gefördert von
Kunststiftung NRW
Nach dem Fall der Mauer stürzte die Dresdner Stadtregierung ihr Lenin-Denkmal und schenkte es einem schwäbischen Steinmetz. Rudolf Herz schloss mit dem neuen Eigentümer einen Leihvertrag, stellte die monumentalen Torsi von Lenin und zwei anonymen Genossen auf einen Sattelzug und durchquerte Europa in vier Wochen. Die Devise des Münchner Konzeptkünstlers: „Meinen Zeitgenossen zeige ich Lenin. Und Lenin das 21. Jahrhundert. Wer erklärt es ihm?" LENIN ON TOUR bedient sich der theatralischen Verlebendigung des Monuments und inszeniert dessen Zusammenprall mit der postkommunistischen Welt als Expedition in die Gegenwart. Herz: „Ich suche nach Bildern, forsche nach dem Leben im globalisierten Kapitalismus, frage nach Erinnerungen und heutigen Zukunftsutopien. Wir gehen mitten in die Gesellschaft, in verschiedene
Kulturen, an die Orte des Konsums und der Arbeit, in die Arenen der Massenkultur und die Ströme der Menschen und Waren. Wir reisen durch das moderne Alltagsleben, durch High-Tech-Zonen und verlassene Industrielandschaften in Ost und West. Mit dem Wechsel der Schauplätze ändern sich Bezüge und Perspektiven, Prag ist nicht Zürich, Dresden nicht Rom."
Rudolf Herz. Lenin on Tour
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag:
10 - 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 - 22 Uhr
Die Tour des rastlosen Denkmals wurde von einem Filmteam und den Fotografen Reinhard Matz und Irena Wunsch begleitet. Aus der Montage ihrer assoziationsreichen Bilder mit Statements von prominenten und namenlosen Zeitgenossen entstanden einFilm, eine Ausstellung und ein umfangreiches Künstlerbuch. Hier verdichtet sich - jenseits von Verdammnis oder politischer Romantisierung - ein spannendes künstlerisches Experiment, mit dem Herz das Publikum herausfordert und überraschende Wahrnehmungen und Gedankengänge eröffnet.
Kurator: Prof. Dr. Bodo von Dewitz
Zur Ausstellung erscheint ein Buch (280 S., dt./engl.) im Steidl Verlag.
Unterstützung durch
Kulturreferats der Landeshauptstadt München
Unterstützung durch
Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart (IFA)
Zu beiden Ausstellungen gibt es ein Filmprogramm und einen Vortrag.