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Sammlung: Expressionismus

Die Befreiung der Farbe

August Macke, Dame in grüner Jacke, 1913, Öl auf Leinwand, 44 x 43,5 cm, Sammlung Haubrich 1947

August Macke, Dame in grüner Jacke, 1913, Öl auf Leinwand, 44 x 43,5 cm, Sammlung Haubrich 1947  Bildbeschreibung

Der bedeutendste deutsche Beitrag zur Entwicklung der modernen Kunst war der Expressionismus, der Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Die Kunstbewegung, deren Bezeichnung von „expressio“ (lat. Ausdruck) stammt, lässt sich nur schwer auf gemeinsame Stilmerkmale reduzieren. Verbunden hat die expressionistischen Künstler ihre antiakademische und antibürgerliche Haltung. Sie wandten sich gegen die nachahmende Arbeitsweise der akademischen Kunst und gegen das arrivierte Künstlertum. Stattdessen orientierten sie sich an Erneuerern wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Edvard Munch und James Ensor. Zudem hegten die expressionistischen Künstler eine große Bewunderung für die reduzierten Formen der afrikanischen und ozeanischen Kunst. Ihr erklärtes Ziel war es, nicht die äußere Erscheinung abzubilden, sondern dem eigenen Empfinden einen Ausdruck zu verleihen. Dies führte zu einer radikalen Erneuerung der künstlerischen Gestaltungsmittel. Die Farbe entfernte sich weiter vom Gegenstand und befreite sich von ihrer beschreibenden Funktion. Der Pinselauftrag wurde summarisch und bewegt, die dargestellten Formen oftmals deformiert und die Perspektive verzerrt.

Ausgewählte Werke der Expressionisten sind zur Zeit als Teil der Präsentation "Meisterwerke der Moderne - Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig" zu sehen.

Ernst Ludwig Kirchner, Fünf Frauen auf der Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120 x 90 cm, Sammlung Haubrich 1947

Ernst Ludwig Kirchner, Fünf Frauen auf der Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120 x 90 cm, Sammlung Haubrich 1947  Bildbeschreibung

Die Geburtsstunde des Expressionismus ging mit der Gründung der Künstlervereinigung „Brücke“ in Dresden 1905 einher. Vier junge Studenten – Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Fritz Bleyl und Karl Schmidt-Rottluff – trafen während des Architekturstudiums in der Dresdner Hochschule aufeinander. Keiner von ihnen verfügte über eine malerische Ausbildung. Das älteste Mitglied war gerade einmal 25 Jahre alt. Ohne künstlerisches Programm, aber mit dem festen Glauben an einen Umsturz der tradierten künstlerischen Werte beabsichtigten sie einen „Brückenschlag“ zu neuen Ufern. Die Kunst der „Brücke“ gliedert sich in zwei Phasen: die Dresdner und die Berliner Jahre. Während der Dresdner Zeit arbeiteten die Künstler hauptsächlich an Aktdarstellungen in der freien Natur. Anders als in den Akademien legten sie bei der Porträt- und Aktmalerei Wert auf die Spontaneität des Ausdrucks. Sie verzichteten auf Berufsmodelle und wählten stattdessen Menschen aus ihrem Umfeld. Auch ließen sie ihre Modelle oft nur kurz in einer Haltung verharren. Mit dem Umzug nach Berlin im Jahr 1911 änderten sich Motive und Malweise. Nachvollziehbar ist das insbesondere am Werk Kirchners. Die Hektik der Stadt findet dort ihren Ausdruck in der schrillen Farbigkeit, den spitzkantigen Formen und dem nervösen Pinselstrich. 1913 löste sich die Gemeinschaft auf.

Franz Marc, Wildschweine, 1913, Öl auf Pappe, 73,5 x 57,5 cm, Museum Ludwig 1976

Franz Marc, Wildschweine, 1913, Öl auf Pappe, 73,5 x 57,5 cm, Museum Ludwig 1976  Bildbeschreibung

Neben Dresden und Berlin bildete München ein Zentrum expressionistischer Kunst. Zwei Jahre vor Auflösung der „Brücke“ formierte sich dort der lose Zusammenschluss „Der Blaue Reiter“, dem u. a. Wassily Kandinsky, Franz Marc, Gabriele Münter, August Macke, Alexej von Jawlensky, Paul Klee und Alfred Kubin angehörten. Der Name der Gruppe geht zurück auf den Titel eines Almanachs, den Wassily Kandinsky und Franz Marc herausgaben. In diesem veröffentlichten sie Beiträge, in denen gleichgesinnte Intellektuelle zeitgenössische Kunstströmungen vorstellten, darunter die Malerei der „Brücke“, der russischen Avantgarde und des französischen Kubismus und Orphismus. An den Ausstellungen der Gruppe „Der Blaue Reiter“ in den Jahren 1911/12 beteiligten sich Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen und Herkunft, so dass ein anregender Dialog der avantgardistischen Strömungen entstand. Auf der Suche nach einer neuen Form, die der inneren Empfindung einen unverfälschten Ausdruck verleihen sollte, erkannte „Der Blaue Reiter“ das Naive als künstlerischen Impuls an. Werke außerhalb der „Hoch-kunst“, etwa solche der Volkskunst oder primitiver Völker, aber auch Kinderzeichnungen und die Kunst von Geisteskranken übten einen starken Einfluss auf ihr Schaffen aus. Den Künstlern des „Blauen Reiter“ ging es um eine spirituelle Dimension. Ihre Absicht, sich von der sichtbaren Dingwelt zu lösen, mündete schließlich unter der Führung Kandinskys in die Entwicklung der gegenstandslosen Malerei.

In enger Beziehung zum „Blauen Reiter“ stand zudem der prominenteste Vertreter des Rheinischen Expressionismus: August Macke. Auch wenn er in Bonn lebte, beteiligte er sich an den Ausstellungen der Gruppe und lieferte Beiträge für den Almanach. Im Jahr 1913 stellte er mit anderen rheinländischen Künstlern in Bonn aus. Mit dem Titel „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ bekannte er sich zum Expressionismus, wenngleich zu einer eigenständigen, besonderen Form desselben. Im Unterschied zum ekstatischen Stil der „Brücke“ war die Kunst Mackes von einer Sehnsucht nach Harmonie geprägt. Seine idyllischen Flaneurszenen sind das prominenteste Beispiel für den klaren, ausgeglichenen Aufbau seiner Kompositionen und die Auffassung der Farbe als Lichtträger. Vom „Blauen Reiter“ unterschied er sich in der konsequenten Gegenständlichkeit seiner Malerei. Der Erste Weltkrieg markierte eine Zäsur in der Entwicklung des Expressionismus, viele der Künstler wurden zum Militärdienst einberufen. Mit Marc und Macke fielen wichtige Vertreter der Kunstrichtung dem Krieg zum Opfer. Andere kehrten erschüttert von den Erfahrungen an der Front zurück.


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