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Sammlung: Malerei heute

Malerei heute

Jörg Immendorff, Café Deutschland I, 1977/78, Acryl auf Leinwand, 282x320cm, Schenkung Ludwig 1986

Jörg Immendorff, Café Deutschland I, 1977/78, Acryl auf Leinwand, 282x320cm, Schenkung Ludwig 1986  Bildbeschreibung

„Ausstieg aus dem Bild" - diese griffige Wendung des Kunsthistorikers Laszlo Glozer fasst die umfassende Infragestellung der Gattungen um 1960 zusammen, in deren Folge das „einmalige Gemälde" mit reproduzierten Bildern gepaart, in den Raum als Assemblage oder Environment ausgedehnt oder in Aktionen zerstört wurde. Dass aber zeitgleich eine noch heute bedeutsame Malergeneration heranwuchs, blieb lange einem breiteren Publikum verborgen. Zu ihr gehören Gerhard Richter und Sigmar Polke, die gemeinsam mit Konrad Lueg 1963 eine „Demonstration für den kapitalistischen Realismus" veranstalteten. Sie stellten sich selbst und ihre Werke in einem Düsseldorfer Möbelhaus aus. Die Aktion war ein ironisches Spiel mit der Konsumwelt.

Georg Baselitz, Die große Nacht im Eimer, 1962/63, Öl auf Leinwand, 250x180cm, Schenkung Ludwig 1976

Georg Baselitz, Die große Nacht im Eimer, 1962/63, Öl auf Leinwand, 250x180cm, Schenkung Ludwig 1976  Bildbeschreibung

Der „Kapitalistische Realismus" führte die von Warenstrukturen geprägte Wirklichkeit in die Wirklichkeit der Malerei ein. Die trivialen Motive, die Polke in seinen Rasterbildern aufgriff, wie Pressefotos, Pin-up Girls, Socken, Hemden, Kekse könnten der Pop Art entstammen. Polke benutzte diese Motive jedoch, um durch deren Gleichgültigkeit die inhaltliche Bedeutung zu nivellieren. Dabei erlangte die Rasterung einen malerischen Eigenwert und hat nicht wie bei Lichtenstein, der Polke anregte, gebrauchsgrafische Funktion.
Gerhard Richter griff wie Andy Warhol auf Fotografien als Vorlagen für seine Gemälde zurück, allerdings nicht aus Illustrierten, sondern aus dem privaten Bereich von Familie und Freunden. Seine Malweise lässt die Konturen verschwimmen, so dass die Fotografien unscharf wirken. „Bilder werden nicht gemacht, um sie mit der Realität zu vergleichen", erklärt Richter. Seine Malerei ist konzeptuell angelegt als Reflexion von Malerei über Malerei. Auch als Richter in den 1980er Jahren begann „abstrakte Bilder" zu malen, blieb der konzeptuelle Anteil erkennbar. Denn im Gegensatz zum unmittelbaren, unkontrollierten Selbstausdruck eines expressionistischen Künstlers, sind seine Bilder kühl kalkuliert und erzeugen einen eher technischen Eindruck, als handele es sich um monumentale Vergrößerungen von Pinselstrichen, Schlieren, die an die „Unschärfe" in seinen Bildern nach fotografischen Vorlagen erinnern.

Gerhard Richter, Ema-Akt auf einer Treppe, 1966, Öl auf Leinwand, 200 x 130 cm, Schenkung Ludwig 1976

Gerhard Richter, Ema-Akt auf einer Treppe, 1966, Öl auf Leinwand, 200 x 130 cm, Schenkung Ludwig 1976  Bildbeschreibung

In den 1980er Jahren erlebte die Malerei internationale Anerkennung. Nach der Medienvielfalt, der Verwendung von bewusst einfachen und armen Materialien sowie der Rücknahme des Künstlersubjekts in Minimal- und Konzeptkunst sprach man nun „vom Hunger nach Bildern". Künstlerpersönlichkeiten wie Maria Lassnig erhielten nun endlich internationale Aufmerksamkeit. Viele der großen Vorbilder der Malerei stammen aus Ostdeutschland: Georg Baselitz, A.R. Penck, Jörg Immendorff. Gegen die „Abstraktion als Weltsprache" - so Werner Haftmanns Formel für die Malerei der 1950er Jahre - wollten die jungen Künstler zehn Jahre später eine figurative Malerei setzen, die sich aber nicht der Aufgabe, die Wirklichkeit abzubilden beugt. Daher erklärte Baselitz, dass ihm die Figuration nur als Gerüst diene, um nicht ins Willkürliche abzugleiten. Vielmehr gehe es ihm um die Untersuchung des eigenen Mediums. Markus Lüpertz entwickelte seine „Dithyrambische Malerei", die Themen der jüngsten deutschen Geschichte chiffrierte. „Es ist die Vergegenständlichung von Abstraktem, die mein ganzes Werk bestimmt." Auch Anselm Kiefer setzte sich mit deutscher Geschichte und Mythologie auseinander. Die Annäherung an Geschichte ist für den Schüler von Joseph Beuys ein subjektiver Vorgang, er glaubt nicht an die Objektivierbarkeit der Geschichte. Die Unmittelbarkeit seiner Malerei und der in sie eingebauten Materialien spiegelt sein eigenes Wissen von Geschichte nicht als Erinnerung, sondern als aktuell präsente Geschichte. Vergleichbare Themen behandelten auch Jörg Immendorff und Martin Kippenberger in ihren Gemälden. Immendorffs politische Analysen der Malerei und Kippenbergers zynische Kommentare und ironische Distanz führten jedoch eine selbstreflexive, konzeptuelle Ebene in die Malerei ein, die ihre Zeitgenossen verstörte und provozierte. Es ist diese respektlose Paarung der Malerei mit kleinbürgerlicher Trivial- und bürgerlicher Hochkultur, die Verbindung des Witzes, Humors und der Leichtigkeit von Fluxus mit politischen und gesellschaftlichen Themen, die sich auch in Arbeiten von Georg Herold, Rosemarie Trockel und Markus Oehlen wieder finden lassen, auch wenn der mediale Einsatz bei ihnen nicht mehr auf Öl und Leinwand, Ton und Stein beschränkt ist, sondern Öl durch Wolle, Holz und Ton durch Holzlatten und Backsteine ersetzt worden sind. Heute sind es Künstler und Künstlerinnen wie Christopher Wool, Peter Doig oder Susanne Paesler, die auf dem Feld der Malerei wichtige neue malerische und konzeptionelle Impulse setzen.


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