Isa Genzken, Rot-gelb-schwarzes Doppelellipsoid „Zwilling ", 1982, Lack auf Holz, 2 Teile, Besitz der Künstlerin, Courtesy the Artist, Galerie Daniel Buchholz, Köln / Berlin, © Isa Genzken
Ebenso wie das Ende der Malerei um 1960 ausgerufen wurde, so wurde auch die Skulptur durch Minimal Art und Concept Art, durch Pop Art und Aktionskunst auf einen Prüfstand gestellt. Der Begriff der Installation ist als Gegenentwurf zur autonomen Skulptur im Kontext der Minimal Art als ein künstlerisches Verfahren geprägt worden, bei dem Künstler und Künstlerinnen die Objekte im Raum so positionieren, dass die gesamte Ausstellungssituation einbezogen und das Spezifische des jeweiligen Raumes berücksichtigt ist. Wurden im Zusammenhang mit der Minimal Art in den 1960er Jahren besonders die Kennzeichen der industriellen Fertigung und damit die Arbeit mit Modulen, Serialität und die Reduktion auf Primärformen verfolgt, so entwickelten Pop Art und Aktionskunst installative Arbeiten, die die grundsätzliche Trennung zwischen Bild und Skulptur aufhoben, bzw. die Objekte direkt im Alltagsleben verorteten.
Isa Genzken, Venedig, 1993, Epoxidharz, Stahl, 2 Teile, je 350 x 130 x 9 cm, Museum Ludwig 2002 Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig Bildbeschreibung
Erst Mitte der 1990er Jahre wird der Begriff der Installation als Synonym für eine Kunstgattung verwendet, obwohl er aus einem kunsthistorischen Zusammenhang kommt, der gerade durch den Versuch gekennzeichnet ist, eine neue Kunstpraxis jenseits tradierter Gattungen zu proben. Eine wichtige Vertreterin dieser gattungsüberschreitenden Kunstpraxis ist Rebecca Horn, die in den 1970er Jahren mit Filmdokumentationen von Aktionen bekannt wurde, in denen von ihr gefertigte Körperapparaturen vorgeführt werden. Diese entwickelte sie in der Folge zu Maschinenobjekten weiter, die sowohl in ihren Spielfilmen als Protagonisten auftauchen als auch Ausstellungsstücke sein können. Aus der Idee einer partizipatorischen Kunst kommt der Künstler Siah Armajani. Seine Fußgängerbrücken, Lesegärten, Lese- und Warteräume sowie Versammlungsorte, die er für den öffentlichen Raum entwickelte, basieren auf einem, von Armajani zwischen 1974 und 1986 entwickelten „Wörterbuch des Bauens", das die möglichen Grundmodule der Architektur in kleinen Karton- und Balsaholmodellen reflektiert. Darüber hinaus nutzt Armajani die einzelnen architektonischen Elemente aus seinem „Wörterbuch des Bauens" indem er sie zu neuen Skulpturen zusammenfügt, die Assoziationen an Orte und ihre mögliche Nutzung auslösen, aber durch ihre Vieldeutigkeit eine konkrete Zuschreibung vermeiden.
Pawel Althamer, The Cameraman, 1995, verschiedene Materialien, 167x60x60cm, Museum Ludwig 2001 Bildbeschreibung
Auch Mike Kelleys oder Pawel Althamers installative Arbeiten lassen sich aus dem performativen Kontext begreifen, aus dem sie stammen. Zugleich bleiben die tradierten Gattungen Malerei und Skulptur wichtige Referenzgrößen im Werk der in den 1950er Jahren geborenen Künstler. Dies gilt auch für Thomas Schütte, Isa Genzken, oder Katharina Fritsch, deren Arbeiten auf den ersten Blick wie autonome, häufig sogar figurative Skulpturen anmuten. Zugleich stellt der Modellcharakter der Skulpturen, die sich an das Theater, die Architektur, das Denkmal oder die menschliche Figur anlehnen, die Autonomie in Frage. Der Betrachter wird immer mit der räumlichen Erscheinung und Aufstellung der Skulpturen zugleich auf die Geschichte musealer Präsentation oder auf eine den Skulpturen innewohnende narrative Logik verwiesen. Findet Isa Genzken heute zu radikalen Lösungen, indem sie zum Beispiel Folien mit spiegelnden minimalistischen Strukturen gemeinsam mit Alltagsobjekten zu verstörenden Rauminszenierungen zusammensetzt, so widmet sich Thomas Schütte in seiner jüngsten Werkreihe dem für die Geschichte der Bildhauerei wichtigsten Motiv - dem weiblichen Akt.