


In der neuen Nachbarschaft mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum, das die Kulturen der Welt erschließt, lädt das Museum Schnütgen mit herausragenden Kunstwerken zum Erleben der christlichen Kultur Europas ein. Auf geschichtsträchtigem Boden - das Cäcilienkloster erwuchs aus den Ruinen einer der größten öffentlichen Thermenanlagen Kölns - wird das Haus so zum historischen Fokus des neuen Museumskomplexes.
Auf dem Weg vom Rhein zum turbulenten Neumarkt lädt die romanische Cäcilienkirche mit einer vorgelagerten Grünfläche, altem Baumbestand und der einem Klostergarten nachempfundenen Zone direkt vor dem Gebäude zur Ruhe ein. St. Cäcilien, ehemalige Konventskirche eines seit 882 bezeugten Damenstiftes und späteren Klosters, bildet mit der gotischen Kirche St. Peter nebenan die einzige Doppelkirchenanlage, die sich im Kreis der berühmten zwölf romanischen Kirchen in Köln erhalten hat. An diesem einmaligen historischen Ort und in dem kleinen Verwaltungsanbau von Karl Band, der sich im rechten Winkel anschließt, erhielt das Museum Schnütgen1956 die dritte Behausung in seiner fast hundertjährigen Geschichte.
Die schon damals nötige Erweiterungsfläche für die Ausstellung der Sammlungen und für Verwaltung, Restaurierung, Depots und Bibliothek erhält das Museum Schnütgen nun endlich im Großbau nebenan.
Alexander Schnütgen, Marmorbüste von Ferdinand Seeboeck, 1910/11
Das Museum wurde nach dem Sammler Alexander Schnütgen (1843 -1918) benannt, der getreu seinem Grundsatz „colligite fragmenta ne pereant" (Sammelt die übrig gebliebenen Stücke, damit sie nicht zugrunde gehen) den bedeutenden Grundstock der Sammlung zusammengetragen und 1906 der Stadt Köln vermacht hat. Sein Ziel war die Schaffung einer umfangreichen Vorbildersammlung für die christlichen Künstler seiner eigenen Zeit. Den Prinzipien des Historismus entsprechend wollte er die Kunst des Mittelalters in ihrer ganzen Breite als die verpflichtende und stilprägende Basis für alles zeitgenössische Kunstschaffen vor Augen stellen. Seitdem ist aus seiner Sammlung mit der Funktion eines Vorbilderreservoirs eines der umfangreichsten Schatzhäuser für mittelalterliche Kunst geworden.
Heute besitzt das Museum Schnütgen über 13.000 Sammlungsgegenstände aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit, die vorwiegend dem Schmuck alter Kirchenbauten dienten. Holz- und Steinskulpturen, Schnitzaltäre, Messgewänder, Textilien, Metallarbeiten aus Gold, Silber und Bronze, Elfenbeinschnitzereien und Glasmalereien, romanische und gotische Bauplastik, Hinterglasmalerei und großformatige Kirchenmöbel machen das „Schnütgen" zu einem der weltweit profiliertesten Mittelaltermuseen.
In einzigartiger Verbindung mit dem romanischen Kirchenraum bringt die Sammlung mit Meisterwerken aus allen Bereichen der Kunst die Lebensformen, Menschenbilder und Wertvorstellungen der Vergangenheit in die Gegenwart. Allerdings kann aus der ganzen Fülle im begrenzten Raum des Kirchenbaus bisher nur eine kleine Auswahl gezeigt werden.
Das ändert sich mit dem Anbau, der den denkmalgeschützten Verwaltungstrakt von Karl Band mit dem neuen Rautenstrauch-Joest-Museum verbinden wird. Hier entstehen 400 qm zusätzliche Ausstellungsfläche, was einer rund 60%igen Erweiterung der Schausammlung entspricht. Damit kann sich das Museum zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg mit allen Sammlungsteilen ausführlich präsentieren.
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