
AB 23. MAI 2013
Aus seiner Sammlung mittelalterlicher Gewänder präsentiert das Museum Schnütgen eine neue Auswahl textiler Kostbarkeiten. Eine wahre Seltenheit ist die Gruppe zarter weißer Untergewänder eines Geistlichen aus dem 14. Jahrhundert. Die tiefblauen Festkleider, die dem Ornat der Kölner Kirche St. Andreas entstammen, bilden einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung.
Bereits im Mittelalter hoben sich kirchliche Gewänder aus reich verzierten Seiden mit ihren satten Farben und wertvollen Besätzen von der Alltagskleidung der Menschen ab. Ihr besonderer Reiz geht über ihre schmückenden Stoffe jedoch weit hinaus: Jedes einzelne Gewandstück war eingebunden in einen rituellen Ankleideprozess zur Vorbereitung auf den Gottesdienst.
Durch das Bekleiden mit kirchlichen Gewändern, begleitet von Ankleidegebeten, sollten Priester und Bischöfe einen Reinigungsprozess und hierdurch einen Übergang vom Weltlichen ins Heilige vollziehen. Im feierlichen Ritus legten die Geistlichen damit ihren Alltag mit seinen Sünden und Versuchungen symbolisch ab. Gereinigt konnten sie anschließend als würdige Amtsträger die Feier des Messopfers am Altar zelebrieren.
Die Präsentation lädt dazu ein, anhand eindrucksvoller Festkleider und exquisiter Schatzkunstobjekte dieser spirituellen Verwandlung nachzuspüren. Das zur Ausstellung entstandene Filmprojekt und ein kreatives Workshopprogramm regen dazu an, sich mit Fragen wie diesen eingehender auseinanderzusetzen.
Abb. v.l.n.r.: Albe, Schweiz, Anfang 14. Jh, Detail; Dalmatik, blaue Seide, Samt, Italien um 1450 und Kölner Borten, um 1450; Perlziborium, Niedersachsen, um 1250-1300, ev. aus dem Hildesheimer Dom. Fotos: RBA Köln und Thomas Zwillinger
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Museum Schnütgen im Fokus:
Schwere Herzen, stille Klage. Die Trauernden Frauen. Eine Neuerwerbung für die Sammlung
19. Oktober 2013 bis 19. Januar 2014
Von anrührender Schönheit ist die Gruppe der vier Frauen, die in tiefer Trauer den Kreuzestod Christi beklagen. Sie gehört zu einer figurenreichen Darstellung der Kreuzigung Jesu, deren Besonderheit darin besteht, dass die Trauer Marias und ihrer Gefährtinnen emotional genauso bedeutend ist wie die Kreuzigung. Im Jahr 2012 konnte die geschnitzte Gruppe mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ludwig-Stiftung, der Sparkassen Kulturstiftung Rheinland und des Fördervereins Pro Arte Medii Aevi - Freunde des Museum Schnütgen e.V. erworben werden. Damit erhielt der figurenreiche Kalvarienberg im Museum Schnütgen eine bedeutende Ergänzung. Er zählt zu den Hauptwerken der Sammlung und ist ein künstlerisch herausragendes Beispiel südniederländischer Schnitzretabel, dessen Entstehung im Umkreis der Werkstatt Jan van Eycks vermutet wird. Zur Neupräsentation der wiedervereinigten Stücke erscheint ein Katalog.
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