
Der Domkapitular Alexander Schnütgen (1843-1918) legte den Grundstock der Sammlung christlicher Kunst vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, die er im Jahre 1906 der Stadt Köln schenkte. Über seinen Sammeleifer und die manchmal listigen Erwerbungstaktiken erzählt man sich noch heute Anekdoten.
Seit 1956 befindet sich das Museum Schnütgen in der romanischen Cäcilienkirche in Köln, der früheren Kloster- und Zunftkirche der Kölner Maler. Seit der Karolingerzeit bestand an St. Cäcilien ein adeliges Damenstift, das 1475 in ein Kloster der Augustinerchorfrauen umgewandelt wurde. Dieses blieb bis zur Säkularisation 1802 erhalten. Danach diente die Kirche dem ersten öffentlichen Krankenhaus der Stadt Köln als Krankenhauskapelle. Da dieses sogenannte Bürgerspital nach dem II. Weltkrieg nicht wieder aufgebaut werden sollte, beschloss man, die halb zerstörte Cäcilienkirche in ein Museum umzuwandeln. Hier fanden dann die geretteten Sammlungen des zerstörten Schnütgen-Museums eine neue Bleibe.
Das Museum wurde nicht nur zu einem der wichtigsten Plätze für die Erforschung und Ausstellung mittelalterlicher Kunst in Europa und Nordamerika, sondern auch zu einem Ort, an dem man die Kunst vom frühen Mittelalter bis zum Ausgang des Barock im einzigartigen Ambiente eines mittelalterlichen Kirchenbaus erleben kann.
14. April 1906
Alexander Schnütgen teilt dem Kölner Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Bernard von Becker (amt. 1886 - 1907) schriftlich die Absicht mit, seine Sammlung kirchlicher Kunst der Stadt Köln zu übereignen. An die Schenkung der Sammlung knüpft Alexander Schnütgen klare Bedingungen: „Die Stadt Köln verpflichtet sich [...] Im Zeitraum von drei Jahren auf ihre Kosten an ihr Kunstgewerbemuseum einen Anbau zu errichten, der meine Stiftung alsbald unter dem Titel „Sammlung Schnütgen" als einheitliches Ganzes aufzunehmen hat in angemessener Aufstellung und mit Einschluß eines Büchersaales [...]."
20. Februar 1907
Die Annahme der Schenkung durch die Stadt Köln findet königliche Genehmigung.
4. November 1908
Feierliche Grundsteinlegung für den Anbau der Sammlung Schnütgen an das Kunstgewerbemuseum. Es beginnt die Errichtung des Baus in romanisierenden und gotisierenden Formen.
26. Oktober 1910
Der fertig gestellte Museumsanbau am Hansaring wird feierlich eröffnet. Die Sammlung Schnütgen wird zu ersten mal museal öffentlich zugänglich.
10. Januar 1918
Durch einen Ratsbeschluss wird die „Sammlung Schnütgen" in „Schnütgen-Museum" umbenannt.
19. März 1932
Das Schnütgen-Museum wird aus der räumlichen Bindung gelöst und als eigenständiges Museum im neu aufgebauten ehemaligen Deutzer Kloster St. Heribert eingeweiht.
1939
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird das Schnütgen-Museum geräumt und die Sammlungsbestände werden unter anderem in das Kloster Dietramszell, in die Schlösser Gaibach und Pommesfeldern, auf die Burg Baldern, nach Brombach, Kochendorf, Nedensdorf, Huglfing (Oberschwarzbach) und Rottach (Egern) ausgelagert. Die nicht transportablen Gegenstände sowie das Magazin verbleiben in den Museumsräumen. Ein dritter Teil wird in den Kellerräumen des Kunstgewerbemuseums sicher untergebracht.
1945
Das Museumsgebäude am Deutzer Rheinufer ist zerstört. Der ausgelagerte Sammlungsbestand hat den Krieg ohne größere Schäden und Verluste überstanden.
1950
Seit 1950 reift allmählich der von Regierungsbaumeister Architekt Karl Band (1900 - 1995) maßgeblich angeregte Plan heran, das Schnütgen-Museum in der romanischen Kirche neu zu installieren. Die zunächst nur für zwei Jahrzehnte angedachte Lösung etabliert sich bereits wenig später als idealer Präsentationsort der Sammlung.
4. Mai 1956
Josef Kardinal Frings segnet die Cäcilienkirche neu ein.
5. Mai 1956
Das Schnütgen-Museum wird nach 17 Jahren Auslagerung und Magazinierung als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg in der Cäcilienkirche wieder eröffnet. Im Anbau von Karl Band finden die Bibliothek und die Verwaltung Platz.
13. Juli 1976
Der Rat der Stadt Köln beschließt einstimmig die Neugestaltung des Schnütgen-Museums im Rahmen der von der Verwaltung vorgelegten Konzeption.
21. Juni 1977
Nach einer grundlegenden Umgestaltung wird das Museum unter Einbeziehung von Krypta und Vorkrypta wieder eröffnet. Durch die Öffnung und Sanierung der Krypta, die in spätmittelalterlicher Zeit vermauert und im 19. Jahrhundert rekonstruiert worden war, gewinnt das Museum eine kleine, zusätzliche Präsentationsfläche hinzu.
23. März 1995
Der Rat beauftragt die Verwaltung, „den Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums im räumlichen Zusammenhang mit dem Schnütgen-Museum, der Kunsthalle, dem Kölnischen Kunstverein und der Volkshochschule (VHS) vorzubereiten und den Architektenwettbewerb auszuloben".
2001
In diesem Jahr wird der Name des Hauses in Anlehnung an die ersten Dokumente der Gründerzeit in „Museum Schnütgen" umgewandelt. Darüber hinaus startet das Museum zur Restaurierung zahlreicher Kunstwerke seine sehr erfolgreiche Kampagne „Lassen wir sie nicht verschimmeln..." gemäß dem Motto Alexander Schnütgens „Sammelt die übrig gebliebenen Stücke, damit sie nicht untergehen".
29. Oktober 2001
Das Museum Schnütgen schließt zwecks grundlegender Sanierung der gesamten Elektrik, der Beleuchtung, des Sicherheitssystems und der Erneuerung der Vitrinen vor einer Neukonzeption der Schausammlung.
23. März 2003
Nach einer umfassenden Bausanierung und Neukonzeption wird das Museum Schnütgen wieder eröffnet.
27. November 2003
Erstes Konzert der mittlerweile international renommierten Reihe „Schnütgen Konzerte. Musik des Mittelalters", bei der alte Musik in den Dialog mit den mittelalterlichen Kunstwerken und der romanischen Architektur von St. Cäcilien tritt.
21. September 2009
Das Museum Schnütgen ist seit dem 21.September 2009 geschlossen. Die Sanierungsarbeiten am "Bandanbau" mit dem Übergang in die Cäcilienkirche sowie die Bauarbeiten im neu zu gestaltenden Gartenbereich machen diese Schließung zum Schutz der Besucher wie auch des Sammlungsgutes notwendig.
22. Oktober 2010
Nach mehr als achtjähriger Bauzeit eröffnet im Zentrum Kölns das Kulturquartier am Neumarkt. Mit einem modernen Anbau für das Museum Schnütgen und einem Neubau für Rautenstrauch-Joest-Museum erhalten die beiden hochkarätigen Sammlungen einen würdigen und zugleich modernen Ort. Mit dem neuen Cäciliengarten wird die Ausstellungsfläche „unter freiem Himmel" weitergeführt, er bietet zukünftig einen Ruhepol in der belebten Kölner Innenstadt.
Ausführliche Informationen über die Geschichte des Museum Schnütgen bis 2006 finden Sie in der Publikation "100 Jahre Schenkung Schnütgen. Eine "Chronik", herausgegeben von Hiltrud Westermann-Angerhausen und Manuela Beer, Greven Verlag Köln 2006.