museenkoeln.de … Museum Schnütgen … DAS MUSEUMSankt Cäcilien
Normale SchriftgrößeMittlere SchriftgrößeGroße Schriftgröße Druckversion in neuem Fenster öffnenStadt Köln
Sankt Cäcilien

ZUR GESCHICHTE DES ORTES ST. CÄCILIEN

Außenansicht Ost

Außenansicht Ost

Eine der ältesten Kirchen Kölns

Sankt Cäcilien ist eine der ältesten Kirchen Kölns. Ihre Ursprünge gehen auf das 8. Jahrhundert zurück. Sie war bis 1475 Zentrum eines vornehmen Damenstiftes und danach für rund 400 Jahre Klosterkirche. Daneben war sie in der Nachbarschaft der Schildergasse Zunftkirche der mittelalterlichen Maler Kölns. Nach den Wirren der französischen Revolution diente sie für gut 150 Jahre als Bestandteil des ersten öf­fentlichen Krankenhauses von Köln und wurde mit diesem Bürgerspital im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Die Ruinen des Bürgerspitals wurden abgeräumt und es ent­stand Platz für Baumaßnahmen der sechziger Jahre: die Kunsthalle, das Volkshoch­schulforum, den Kunstverein.

 

Einzige Doppelkirchenanlage in Köln

Die Kirche wurde nicht abgerissen, gab es doch direkt nebenan die ehrwürdige Pfarrkirche St. Peter. Diese hatten die Äbtissinnen von St. Cäcilien schon früh bauen lassen, um den Raum des klösterlichen Lebens vom "Lebensraum" der Pfarrgemeinde, von Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen zu trennen. Heute stellen St. Cäcilien und St. Peter die einzige erhaltene Doppelkirchenanlage in Köln dar.

 

Nordfassade
Nordfassade

"Das schönste deutsche Museum"

St. Cäcilien ist auch nach dem Wiederaufbau in den fünfziger Jahren eine geweihte Kirche geblieben, aber in erster Linie ist dieser Raum ein Museum. "Das schönste deutsche Museum" hat Theodor Heuss es genannt, als das Schnütgen-Museum in der romanischen Basilika als erstes aller Kölner Museen nach dem Krieg am 5. Mai 1956 wieder eröffnet wurde. Auf den beiden ersten Seiten des Gästebuches von damals stehen die Namenszüge des ersten deutschen Bundespräsidenten und des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer.

Die Sehnsucht nach Werten der Vergangenheit, den Idealen des romantisch verklärten christlichen Abendlandes war groß nach dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Groß war auch der Hunger der Menschen nach der Kunst und so verwundert es nicht, dass gerade das Museum mit der Kirchenkunst des Mittelalters als erstes in Köln wieder auferstand, und dass für dieses Museum eine romanische Kirche "umgenutzt" und wieder hergestellt wurde.


Die romanische Pfeilerbasilika ist zwischen 1130 und 1180 auf vielen Schichten älterer Bauten entstanden, die bis in die Römerzeit auf eine große Badeanlage an dieser Stelle zurück reichen. Als die Stiftsdamen von St. Cäcilien zu Ende des 10. Jahrhunderts ihre Krypta im Westen neu gestalten ließen, hat man die runden Ziegel aus römischen Fußbodenheizungen wieder verwendet.

Tympanon von St. Cäcilien

Tympanon von St. Cäcilien

Das Tympanon von St. Cäcilien

Im Bogenfeld über der hohen Tür erscheint die Kirchenpatronin Cäcilia zwischen ihrem Gatten Valerian und dessen Bruder Tibertius als verklärte Mahnerin zu einem gottgefälligen, keuschen Leben. An Ort und Stelle hat eine Kopie das beeindruckende romanische Sandsteinrelief ersetzt. Im Museum kann man das Original auf Augenhöhe und auch von der Rückseite bewundern.

Schon in der Substanz des Kirchenbaus von St. Cäcilien werden Geschichte und Kunst lebendig, und es fügt sich gut, dass eines der größten Meisterwerke Stefan Lochners, die berühmte "Madonna mit dem Veilchen", die jetzt in Kolumba aufbewahrt wird, einst für diese Kirche gemalt wurde.

Tödlein, Westfassade
Tödlein, Westfassade

Der "Sprayer von Zürich"

Und es ist ebenso passend, dass Harald Nägeli, der "Sprayer von Zürich", auch die Westfassade von St. Cäcilien für seinen gesprühten tanzenden Tod ausgesucht hat, als er 1980/81 seinen "Kölner Totentanz" über die Stadt verteilte.

Die Kunst trägt viel zur außergewöhnlichen Atmosphäre der Kirche bei, die durch die Kriegszerstörung und durch den „bereinigten Wiederaufbau" viele Zutaten von der Gotik bis in die Gründerzeit verloren hat. Die Kirche ist als Museum ein außergewöhnlicher, einmaliger Raum, der die Menschen immer wieder in seinen Bann zieht, auch dann, wenn in der Weihnachtszeit und am Festtag der Kirchenpatronin am 22. November mitten zwischen den Kunstwerken ein Altar für den Gottesdienst aufgebaut wird, wenn dabei Chormusik aus alter und neuer Zeit erklingt oder wenn hier Lesungen und Konzerte stattfinden.