„Schwarzer Samstag" in Köln: 548 Tote und 2239 total zerstörte Häuser in 44 Minuten!
Es geschah an einem wunderschönen Herbsttag: Am Samstag, dem 28.Oktober 1944 gingen viele Bewohner der „Schäl Sick" (dem rechtsrheinischen Köln) bei strahlendem Sonnenschein spazieren. Als gegen 15.05 Uhr die Alarmsirenen ertönten, dachten sie, dass wie so oft das Kölner Zentrum das Ziel der Bombenflugzeuge sein würde. Doch es wurde der „Schwarze Samstag" von Mülheim. In weniger als einer Dreiviertelstunde zerstörten die alliierten Flieger einen großen Teil dieses Gebiets und seiner Umgebung. Ein Tag, der für diesen Teil der Rheinmetropole eine tiefe Zäsur in seiner Geschichte bedeutete. Oktober 1944, der Krieg war längst verloren, doch die Nazis hörten einfach nicht auf...
Diese Geschichte begann in Wahrheit im Januar 1933, als Hitler an die Macht kam. Was ist mit den Demokraten geschehen, was mit den Mitgliedern der Arbeiterbewegung? Wo sind die jüdischen Kölner geblieben? Und: Erinnern sich heute noch Mitbürger an die zwölf Jahre NS-Barbarei und wollen sogar darüber sprechen? Diese und ähnliche Fragen prägten den Schwerpunkt der Arbeiten für den lokalen Aktionsplan 2009 auf der rechtsrheinischen Seite der Domstadt: Nach Ehrenfeld 2008 suchte nun ein weiteres Veedel seine Geschichte: Mülheim. Viel wurde getan um die dunkelste Zeit der Stadtteilgeschichte zu erhellen: Zeitzeugen befragt, Stolpersteine gepflegt, Broschüren und Ausstellungen erarbeitet und vieles mehr.
Aber nicht nur in Mülheim wurde an der Aufdeckung verschütteter Geschichte geforscht, auch in anderen Teilen der Stadt fanden wichtige Arbeiten statt: von der DGB-Jugend, die sich in Arbeitskreisen gegen Rassismus engagierte, bis hin zu humanistischen Kindertheaterprojekten. Besonders berührend war das ganz zauberhafte Kinderbuchprojekt „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar 1944", das von Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit der Überlebenden Tamar Dreifuss gestaltet wurde.
Hier finden Sie Bilder und mehr Informationen zu den 2009 durchgeführten Projekten.
Abschlussfest Köln-Mülheim
Großer Andrang herrschte am 26. Februar 2010 im Kulturbunker Köln-Mülheim. Über 400 Besucherinnen und Besucher verfolgten gespannt die Präsentation der Arbeitsergebnisse des LAP-Jahres 2009 „Köln-Mülheim - ein Stadtteil entdeckt seine NS-Geschichte." Filme und Videos waren entstanden, Ausstellungen vermittelten einen Eindruck vom Alltagsleben im Stadtteil zur NS-Zeit. Schülerinnen und Schüler lasen Gedichte vor, die sie nach einem Besuch im NS-Dokumentationszentrum verfasst hatten, Kalligraphien schmückten die Wände. Alte Anwohnerinnen und Anwohner, die die NS-Zeit noch selbst erlebt hatten, trafen die Kinder, die sich nun damit beschäftigten. Alle waren sich einig: Die Arbeit hat sich gelohnt! Spuren im Viertel wurden entdeckt und nachhaltig gekennzeichnet, aber vor allem: die Generationen haben einander zugehört! Es gab viele bewegende Momente, und diese Erlebnisse werden sicherlich lange nachwirken.
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
