
„Köln und seine jüdischen Architekten"
Eine Ausstellung von Wolfram Hagspiel in Zusammenarbeit mit dem NS-Dokumentationszentrum
28. Mai - 5. September 2010
Köln zählte bis zum Beginn des Nationalsozialismus zu den Städten Deutschlands, die im Bereich von Politik, Wirtschaft und Kultur ein reiches jüdisches Leben aufweisen konnten. Das Zentrum der Innenstadt, aber auch viele der Vororte waren - und sind auch heute noch - mitgeprägt von Bauten, die jüdische Bauherren in Auftrag gaben und oft von jüdischen Architekten entwerfen ließen. Die Geschichte dieser Gebäude wie die Biografien ihrer Architekten, häufig auch deren Namen, sind heute vergessen.
Die Ausstellung präsentiert Leben und Werk von fast fünfzig jüdischen Architekten, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Köln lebten und hier sowie auch auswärts wirkten. Sie gibt damit erstmals einen Überblick über ein heute nicht mehr bekanntes und vielfach untergegangenes Köln.
Der Ausstellung vorangestellt ist ein Stadtplan, der die Standorte jüdischer Sakralbauten und Bauten jüdischer Architekten innerhalb des Kölner Stadtbildes deutlich macht. Die thematische Gliederung der Ausstellung richtet sich nach den Schaffensperioden der Architekten. Dabei wird die antisemitische Verfolgung während der NS-Zeit als entscheidendes und zerstörendes Moment vieler Lebensläufe und Wirkungsmöglichkeiten gezeigt.
Über das Leben und Wirken der Architekten, die vor 1933 starben, ist vielfach nur wenig bekannt. Vorgestellt werden jene jüdischen Architekten, die zentrale Bauprojekte verwirklichten, etwa Fritz Beermann (1856-1928), der an der Südbrücke, der früheren Hohenzollernbrücke und der Erweiterung des Hauptbahnhofes beteiligt war, oder auch Sigmund Münchhausen (1858-1924), der bedeutende Synagogen in Deutschland schuf.
Eine große Anzahl Kölner Architekten emigrierte aus dem nationalsozialistischen Deutschland, doch nur einige von ihnen konnten im Exil ihre Tätigkeit erfolgreich fortsetzen. So wurde Max Loeb (1901-1962), als Vertreter des Modernen Bauens, zu einem der führenden Architekten Israels. Ihm verdankt Haifa sein städtebauliches und architektonisches Gepräge.
Vielen Emigranten gelang eine Weiterführung ihrer Laufbahn nicht mehr. Georg Falck (1878-1947), der bedeutendste jüdische Architekt Kölns seiner Zeit, der mit seinen Geschäfts- und Bürohäusern einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung der Kölner Innenstand leistete, zum Hausarchitekten des Warenhaus-Konzern Leonhard Tietz avancierte, aber auch elegante Villen im Vorort Marienburg entwarf, starb kurz nach Kriegsende im Exil. Er hatte seine Arbeit nicht weiterführen können.
Auch Robert Stern, Architekt einer Anzahl von Bauten für die jüdische Gemeinde und jüdische Einrichtungen in Köln - nach seinen Plänen entstand 1928 eine Synagoge in Ehrenfeld, 1930 die Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof in Köln Vogelsang -, konnte emigrieren, jedoch nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen.
Auch die Innenarchitektin Bertha Sander (1901-1990), einzige Frau unter den vorgestellten Personen, war in Köln erfolgreich tätig gewesen. Sie fand nach der Emigration nach Großbritannien kaum Möglichkeiten, in ihrem Beruf tätig zu sein.
Die in Köln verbliebenen Architekten waren einer zunehmenden Diskriminierung durch das NS-Regime ausgesetzt. Nachdem jüdischen Architekten Mitte der 1930er Jahre die Tätigkeit für nichtjüdische Bauherren untersagt worden war, schränkten sich ihre Arbeitsmöglichkeiten immer stärker ein. Der wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung folgte schließlich die Deportation. Zu den Opfern gehörte Manfred Faber (1879-1944), vor 1933 einer der wichtigsten Architekten der Wohnungsbaugesellschaft GAG. Er wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
Der junge Architekt Helmut Goldschmidt (1918-2005) überlebte die Deportation in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Er kehrte nach Köln zurück und war hier u.a. für die jüdische Gemeinde tätig.
Nach seinen Entwürfen entstand 1949 eine kleine Synagoge in den Gebäuden des ehemaligen jüdischen Krankenhauses in Köln-Ehrenfeld, wie Ende der 1950er Jahre der Wiederaufbau der Synagoge in der Roonstraße.
Mit zahlreichen Synagogenbauten vor allem in NRW, mit Geschäfts- und Wohnhäusern in Köln und anderen Orten wurde Helmut Goldschmidt zum wichtigsten Kölner jüdischen Architekten der Nachkriegszeit.
Die Ausstellung zu Kölns jüdischen Architekten öffnet den Blick nicht nur für städtebauliche und architekturhistorische Aspekte, sie macht vor allem auch die Konsequenzen der antisemitischen Politik des NS-Regimes für Menschen wie kulturelle Entwicklungen deutlich.
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