NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
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Der Machtapparat

Der Künstler Gerd Arntz schuf 1934 in der niederländischen Emigration eine Grafik mit dem Titel „Das Dritte Reich". Sie zeigt schemenhaft Wirtschaft und Militär, Politik und Gesellschaft, hierarchisch gegliedert und nach dem „Führer" ausgerichtet. Hier dient sie zur Darstellung der Machtpyramide des NS-Systems am Beispiel Kölns. Aufgebracht wurden Portraitfotos von Männern, die aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit oder ihrer politischen Funktion in jeweils unterschiedlichem Maße Verantwortung trugen. Der auf dem Boden mit Licht aufgebrachte Schriftzug „Und Frauen?" fragt nach deren Verantwortungsbereich während der NS-Zeit.

Der höchste Repräsentant der NSDAP in Köln war Josef Grohé. An der Fensterfront ist er in seinem Büro im Gebäude der ehemaligen Universität abgebildet. Seit 1931 unterstand ihm als Gauleiter der Gau Köln-Aachen, in dem Anfang der 1940er Jahre 2,5 Millionen Menschen lebten. Die zunächst 33, später 43 Gaue im Reich waren mit den damaligen Reichstagswahlkreisen identisch. Zur Bezeichnung griff man bewusst auf ein Wort zurück, das an eine Siedlungseinheit alter germanischer Völker erinnerte.

Der nach dem Führerprinzip ausgerichtete Gau untergliederte sich in mehrere Gauämter und NSDAP-Kreise. In Köln gab es zeitweilig drei solcher Kreisgebiete mit jeweils eigenen Kreisleitern. Auf Karten im Eingangsbereich dieses Raumes sehen Sie, wie sich die Organisation der NSDAP von der Reichsebene bis hinab in den einzelnen Wohnblock verästelte. 1942 überzogen 125 Ortsgruppen das Stadtgebiet. Zellenleiter und Blockwarte kontrollierten das Verhalten jedes Einzelnen buchstäblich bis in das Schlafzimmer hinein. Pflegte man Beziehungen zu Juden? Oder nahm man an Massenveranstaltungen, etwa dem Eintopfessen, teil? Hisste man bei Aufmärschen auch wirklich die Hakenkreuzfahne?

Die Einbindung der Bevölkerung in den neuen Staat und dessen Ziele wurde weitgehend über die nationalsozialistischen Organisationen erreicht. An der Längswand sehen Sie die Symbole der Massenorganisationen, in die alle Altersgruppen eintreten sollten: etwa die Hitlerjugend, die SS oder SA, NS-Frauenschaft oder Deutsche Arbeitsfront. Diese neuen NSDAP-Netzwerke nutzten viele auch für ihre eigene Karriere.

Bevor Sie in den nächsten beiden Räumen mehr über den Staats- und Machtapparat erfahren, können Sie an der Fensterfront noch einen Blick auf den von der Gestapo genutzten Wandtresor werfen.

IMPRESSUM

Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln

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