Junge Frauen bei einem geselligem Beisammensein, Ausflugsstimmung am Drachenfels und Feiern - diese Szenen sieht man auf Erinnerungsfotos von ehemaligen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die in Köln arbeiten mussten. Aber sie vermitteln ein falsches Bild von den tatsächlichen Verhältnissen, denn sie wurden aufgenommen, um die in der Heimat verbliebenen Angehörigen zu beruhigen oder entstanden kurz nach der Befreiung.
Die tatsächliche Lebensrealität können Sie anhand der anderen Dokumente zumindest erahnen. Sie sehen verängstigt wirkende Mädchen und junge Frauen auf Originalfotos, die vermutlich einer Betriebskartei entstammen. Gut zu erkennen sind die Abzeichen auf der Kleidung, mit der sie als „Ostarbeiterinnen" gekennzeichnet wurden.
Darunter sehen Sie eine Meldung über Todesfälle nach einem Bombenangriff, in der die hohe Anzahl getöteter „Ostarbeiter" auffällt - sie starben, weil sie als „Slawen" nicht in einen Bunker durften.
Mindestens 100.000 ausländische Arbeitskräfte waren seit September 1939 in Köln in der Rüstungsindustrie, in Gewerbebetrieben, der Landwirtschaft oder in Privathaushalten eingesetzt. In ihrer überwiegenden Mehrheit waren sie nicht freiwillig gekommen, sondern als Kriegsgefangene, zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter oder als KZ-Häftlinge verschleppt worden.
Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen prägte ein rigides Sonderrecht, das sich an der nationalsozialistischen Rassenhierarchie orientierte. Damit waren vor allem die Menschen aus Osteuropa, die die Mehrzahl der Zwangsarbeitskräfte stellten, erheblichen Diskriminierungen unterworfen. Ihr Alltag war von schwerer Arbeit, Lagerleben, Hunger und Ausgeh- sowie Kontaktverboten bestimmt. Schlechte hygienische Bedingungen und mangelnde medizinische Versorgung vergrößerten die Not. Kulturellen und sozialen Bedürfnissen konnte nur sehr begrenzt nachgegangen werden.
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
