Seit Mitte 1942 war das Leben der Kölner Bevölkerung durch ein Wechselspiel von Zerstörung und Wiederaufbau geprägt. Der zunehmenden Chaotisierung des täglichen Lebens entsprechen die schräg und versetzt angebrachten Tafeln in diesem Raum. So wird auch symbolisiert, dass die Aufrufe zur Improvisation zunehmend hilflos wirkten.
Den Zerstörungen folgte die Obdachlosigkeit. Allein nach der schweren Angriffswelle Mitte 1943 wurde die Zahl der Kölner Wohnungslosen auf rund 280.000 geschätzt. Konkrete Zahlen für die spätere Zeit liegen nicht mehr vor. Für Aufräum- und Aufbauarbeiten sowie zur Blindgängerbeseitigung wurden, wie auf einigen Fotos sichtbar, häufig Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge eingesetzt.
Wenn Sie sich in das Tafellabyrinth begeben, werden Sie feststellen, dass sich in der zweiten Kriegshälfte der Umgang mit Kindern und Jugendlichen änderte. Seit Frühjahr 1941 hatte man zunächst versucht, möglichst viele von ihnen im Rahmen der „Kinderlandverschickung" in ländlichen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Jetzt sahen sich die Heranwachsenden dagegen zunehmend der Erfassung zu Kriegsdiensten ausgesetzt. Ob als Luftwaffenhelfer, als Westwallarbeiter oder als Ergebnis einer „Kriegsfreiwilligenaktion" schließlich noch als Wehrmachtssoldaten - die Vereinnahmung wurde immer massiver, die betroffenen Jahrgänge jünger und die Todesopfer zahlreicher.
Als letztes Aufgebot rief das NS-Regime im Oktober 1944 den Volkssturm ins Leben. Hier sollten Greise und Kinder mit veralteten Waffen die Alliierten aufhalten.
Parallel hierzu setzte die NSDAP alles daran, das Heft des Handelns an der „Heimatfront" in der Hand zu behalten. Dass ihr das weitgehend gelang, war nicht zuletzt auf die weiterhin hohe Bereitschaft zur Denunziation zurückzuführen. Gleichzeitig wütete und mordete die Gestapo immer ungezügelter, wobei sie von den vier Kölner Sondergerichten unterstützt wurde, die zahlreiche Todesurteile fällten.
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
