Im Mai 1940 wurden rund 1.000 Sinti und Roma aus Köln und dem Rheinland in das besetzte Polen deportiert. An der Fensterfront sehen Sie Bilder aus dem Sammellager, das in der Messe eingerichtet worden war. Die Familien, darunter sehr viele Kinder, mussten in Lagern und Ghettos unter erbärmlichen Bedingungen leben und Zwangsarbeit leisten. Mindestens vier von fünf Deportierten kamen dabei um.
Im Dezember 1942 besiegelte ein Befehl Heinrich Himmlers den Völkermord an den deutschen Sinti und Roma: Fast alle noch im Reich lebenden „Zigeuner" - darunter mehr als 400 in Köln erfasste - wurden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Innerhalb weniger Monate starben die meisten an Hunger, Seuchen, Misshandlungen oder medizinischen Experimenten. Im August 1944 wurden die letzten von ihnen in Gaskammern ermordet. Nur wenige, die von Auschwitz in andere Lager überstellt wurden, erlebten im Jahr 1945 die Befreiung.
Theresia N., 1940 aus Köln deportiert, berichtete Folgendes über ihre Erlebnisse in einem Ghetto:
"Mein Vater arbeitete auf dem Gleisbau, und wir Kinder mussten in die Fabrik, Scherben und alles aufkehren. Ich habe heute noch Schnittwunden an den Beinen von den Glasscherben, weil ich immer in die Scherben fiel, wenn der Aufseher mich schlug oder umstieß. Wir mussten jeden Morgen zum Appell. ‚Raus!‘ Wehe, wenn noch einer sich versteckte, den haben sie direkt abgeknallt. Dann musste man den Namen sagen, vor Angst wussten wir unseren Namen nicht mehr! Juden hatten ja den Stern, und wir hatten eine weiße Armbinde mit dem ‚Z‘. Und dann standen wir da draußen, ob kalt, ob Sommer, und haben gezittert: ‚Jetzt sind wir dran, jetzt werden wir erschossen, jetzt werden wir erschossen‘. Manche hatten gar keine Angst mehr, manchen war das egal. Vor uns allen haben sie ein paar abgeschossen oder mit dem Gewehrkolben einfach drüber geschlagen, und wieder rein. Und so ging das jeden Tag und jeden Tag."
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
