Dieses Farbfoto des damals neunjährigen Fritz Wernicke machten Angehörige der „Rassenhygienischen und bevölkerungsbiologischen Forschungsstelle". Das beim Reichsgesundheitsamt angesiedelte Institut hatte die Aufgabe, alle „Zigeuner" im Deutschen Reich zu erfassen. Anhand körperlicher Merkmale sollte deren angebliche „Minderwertigkeit" bewiesen werden. Die „Rassenforscher" fertigten so genannte „Gutachten" an und berieten die Reichsbehörden. Damit hatten sie einen erheblichen Einfluss auf die Radikalisierung der Verfolgung.
Schauen Sie sich nun die Stelen einmal genauer an! Sie können erkennen, dass die Familien vom Säugling bis zum Greis erfasst wurden. Die Familie Reinhardt, bestehend aus Eltern und zehn Kindern, wurde von den „Rasseforschern" vermessen und von der Kriminalpolizei in „Personenakten" registriert.
Diese kriminalpolizeiliche Erfassung war seit 1938 in „Dienststellen für Zigeunerfragen" vereinheitlicht worden. Die Kölner Dienststelle war für die Stadt und die Regierungsbezirke Aachen, Koblenz, Köln und Trier zuständig. Insgesamt erfasste sie rund 1.600 Menschen als „Zigeuner" und überwachte die Umsetzung der rassistischen Sondergesetze.
Dazu gehörten etwa die Aussonderung von Zigeunerkindern aus Schulen oder das Beziehungsverbot zwischen „Deutschblütigen" und „Zigeunern". Außerdem organisierte die Kriminalpolizei die Deportationen.
Alle Dokumente stammen aus Akten, mit denen nach 1945 Angehörige der Kriminalpolizei und der „Forschungsstelle" weiter arbeiteten. Zugleich vertuschten die Beteiligten damit ihren eigenen Anteil an der Verfolgung. Den Überlebenden fehlten deshalb wichtige Beweise, um Entschädigungsansprüche geltend machen zu können. Dies führte nicht zuletzt dazu, dass Sinti und Roma erst sehr spät als Verfolgte des NS-Regimes anerkannt wurden.
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
