„Wann kann arisiert werden?", fragt ein Artikel des Westdeutschen Beobachters im Dezember 1938 und gibt zugleich die Bedingungen an, unter dem eine so genannte „Arisierung" von den NS-Behörden gewünscht war.
Hinter dem Begriff „Arisierung" verbirgt sich ein umfassender Prozess der antijüdischen NS-Politik, der sich seit 1933 in einer Vielzahl von Schritten vollzog. Ziel der Maßnahmen war die völlige Ausplünderung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung. Während der nationalsozialistische Staat die gesetzlichen Regelungen zur Entrechtung und Enteignung der Juden schuf, nutzten viele Bürgerinnen und Bürger die dadurch gebotene Möglichkeit zur Bereicherung.
Eines der ersten jüdischen Geschäfte, die in Köln „arisiert" wurden, war die Firma Photo Brenner. Rafael Brenner, einer der Inhaber, wurde im Juni 1933 verhaftet und mit massivem Druck zum Verkauf gedrängt. Der Käufer, ein Mitglied der NSDAP, gab mit Genugtuung in einer Annonce bekannt, die Firma „ist nun endlich in arischen Besitz übergegangen und wird in deutschem Sinn weitergeführt." Die enteigneten jüdischen Eigentümer mussten fliehen. Sie gründeten ihr Geschäft in Palästina neu.
Firmen, Praxen, Häuser, Möbel, Hausrat jüdischer Besitzer - alles fand bei ihren nichtjüdischen Nachbarn Interesse. So konnte das angesehene Kölner Auktionshaus Lempertz offen mit der Zwangsversteigerung von Gemälden aus „nicht arischem Besitz" werben.
Eine Reihe von Annoncen, die Sie auf der Tafel sehen, weist auf die „Arisierung" bekannter Geschäfte in Köln hin. Diese Namen stehen für Hunderte von kleinen und großen Kölner Unternehmen, die während der NS-Zeit aus dem Besitz jüdischer Bürger in das Eigentum so genannter „Arier" gebracht wurden.
Nach dem Novemberpogrom 1938 verschärfte sich die Politik der Ausplünderung weiter - etwa durch die Erhebung hoher Sonderabgaben. Nach Kriegsbeginn mussten Juden schließlich auch mobiles Eigentum wie Radioapparate, Fahrräder oder Pelze abliefern. Das Umzugsgut jüdischer Emigranten wurde beschlagnahmt. Es wurde ebenso wie die letzte Habe, die Juden bis auf ein zugelassenes Minimalgepäck vor der Deportation entrissen wurde, in öffentlichen Versteigerungen zum Kauf angeboten. Bis hin zu Küchengeschirr und einfachen Töpfen fand alles großen Zuspruch bei der Kölner Bevölkerung.
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
