NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
museenkoeln.de … NS-Dok … Gedenkstätte "Gestapogefängnis"RundgangHinrichtungen am EL-DE-Haus
Normale SchriftgrößeNormale SchriftgrößeNormale Schriftgröße Normale SchriftgrößeMittlere SchriftgrößeGroße Schriftgröße Druckversion in neuem Fenster öffnenStadt Köln
Gedenkstätte "Gestapogefängnis" … Rundgang

Hinrichtungen am EL-DE-Haus

Durch das Fenster dieses ehemaligen Aufenthaltsraums der Wachleute blicken Sie auf den Innenhof des EL-DE-Hauses. Dort bzw. im unmittelbar angrenzenden Bereich vollzog die Kölner Gestapo in den letzten Monaten vor dem Kriegsende Hunderte von Hinrichtungen. 

Die Endphase des Krieges war im Inneren gekennzeichnet durch eine staatspolizeiliche Brutalisierung. Ab 1943 verstärkte sich der Terror und erreichte ab Mitte 1944 seinen Höhepunkt. Die Willkür der regionalen Stapostellen verschärfte sich noch, seitdem sie Anfang November 1944 von der Berliner Zentrale, dem „Reichssicherheitshauptamt", ermächtigt worden waren, Hinrichtungen an so genannten "fremdvölkischen Personen" zu vollstrecken, ohne zuvor die bis dahin notwendige Erlaubnis aus Berlin einzuholen. Auf dem Hofgelände des EL-DE-Hauses fanden Hinrichtungen bereits ab Ende Oktober 1944 statt. Sie wurden zumeist durch Erhängen, seltener durch Erschießen vollzogen.

Der mit seiner Wandinschrift aus den eigenen Hafttagen bereits zitierte Askold Kurow erinnerte sich in einem Interview:

"In den ersten Januartagen des Jahres 1945 begann man, aus Zellen Familiennamen aufzurufen. Wir zählten 40 Personen. Anfangs dachte ich, dass man sie ins Gefängnis oder ins Straflager schickt, aber als wir hörten (man konnte hören, was auf dem Korridor gesprochen wurde), dass den Häftlingen etwas weggenommen wurde und ein Mädchen laut schrie, als ihr der Ring abgerissen wurde, verstanden wir, dass sie nicht ins Lager kommen, sondern umgebracht werden. Wir hörten, dass die Gestapo unsere Landsleute umbringt. Einer von den Alteingesessenen erzählte uns, dass hier zweimal im Monat pünktlich zur gleichen Zeit die Häftlinge hingerichtet werden."

An dem am EL-DE-Haus aufgebauten Galgen konnten sieben Personen gleichzeitig erhängt werden. Die Gestapo ermordete hier nicht allein Häftlinge des EL-DE-Hauses, sondern auch aus anderen Haftstätten, insbesondere aus dem nahe gelegenen Gefängnis Klingelpütz, das die Gestapo mitnutzte. Zum Teil fanden mehrmals in der Woche Hinrichtungen statt - mit bis zu über Hundert Personen an einem Tag. Noch am 1. März 1945 wurden in vier oder fünf stark gesicherten Transporten 105 Häftlinge vom Klingelpütz zum EL-DE-Haus verbracht und erhängt. Die letzte Hinrichtung von mindestens zehn Personen wurde am 2. März 1945 - vier Tage vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen - vollstreckt. Unter ihnen befanden sich ein 15jähriger Kölner Jugendlicher, ein russischer Kriegsgefangener und ein Pole. Die Leichen der letzten Hinrichtung konnten nicht mehr weggeschafft werden und wurden im Oktober 1945 zusammen mit dem Galgen auf dem Gelände des EL-DE-Hauses gefunden. Ein Foto dazu finden Sie auf einer der Informationstafeln im Raum.

IMPRESSUM

Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln

Rundgang