Suchen und Finden
Die Arbeit der Stadtteil-Projekte setzt meist dort an, wo es möglich ist die Vergangenheit zu beleben, sichtbar zu machen und zu dokumentieren. Im Jahr 2010 wird dies im Kölner Norden, in Chorweiler und Umgebung, geschehen. Chorweiler? Da mag sich manch einer wundern. Denn der jetzige Kern des Stadtteils wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut. Doch dieser moderne Teil Kölns ist auch ein indirektes Ergebnis des Krieges, in dem die Kölner Innenstadt fast völlig zerstört und Wohnraum danach händeringend benötigt wurde. Also baute man schnell und viel...
Aber heißt das etwa auch, dass während des Dritten Reiches niemand in dieser Gegend lebte? Gar nichts passierte? Das genau wollen die Mitarbeiter verschiedener Projekte herausfinden. Sie werden sich in und um Chorweiler umsehen und dabei tief graben. Was geschah denn damals in Pesch und Auweiler, Seeberg, Langel und anderswo?
Manche Jugendliche werden dabei zu Dokumentarfilmern. Andere besuchen die letzten Zeitzeugen der kleinen Dörfer rund um Chorweiler während des Dritten Reiches. Und die dortige Synagogengemeinde berichtet über das Schicksal ihrer Mitglieder während des Krieges. Schüler beschäftigen sich mit alten und oft traurigen, aber wichtigen Geschichten. Die Ergebnisse können Sie bald hier sehen.
Dazu kommen noch andere Aktivitäten: Da Vielfalt bekanntlich gut tut erschöpfen sich die Projekte nicht allein auf diesen entlegenen Zipfel der Stadt. Es wird im Lauf dieses Jahres noch einiges Neues über die NS-Zeit in Köln an das Tageslicht kommen - und wir werden es an dieser Stelle für Sie dokumentieren.
„Vielfalt tut gut - Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie"
Der vom NS-Dokumentationszentrum entwickelte „Lokale Aktionsplan Köln" wird aus dem Bundesprogramm „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auch 2010 wieder mit 100.000 Euro gefördert. Schon in den beiden vergangenen Jahren konnten aus diesen Mitteln zahlreiche Projekte in Köln-Ehrenfeld (2008) und Köln-Mülheim (2009) realisiert werden. Ergebnisse waren Theaterstücke, Broschüren, Konzerte und Ausstellungen, an deren Entstehung mehrere tausend Personen - die meisten von ihnen Kinder und Jugendliche - aktiv beteiligt waren. Die Wirkung ging weit darüber hinaus - über Radiosendungen, über riesige Plakatwände, über die Besucher der Ausstellungen, über die Leser der Publikationen. Der „Lokale Aktionsplan Köln" umfasst drei Komponenten.
Stadtteilprojekt „Ehrenfeld - Mülheim - Chorweiler entdeckt seine NS-Geschichte"
Bewohner und ortsansässige Initiativen erforschen die NS-Zeit: in der eigenen Erinnerung, der Familie, dem Wohnumfeld, der Schule usw. Die Ergebnisse werden in Ausstellungen bzw. einer Zeitung präsentiert. Im Jahr 2008 erarbeiteten verschiedene Institutionen (AWO-Seniorenzentrum, Hausaufgabenhilfe des Kölner Appell, Jugendeinrichtung der AWO), Initiativen (Initiative Bahnbogen) und Schulen (Berufskolleg, Grundschule) Aspekte der Lokalgeschichte Ehrenfelds. Diese wurden in Form von Filmen, Broschüren, Ausstellungen dokumentiert und der Öffentlichkeit auf einem Stadtteilspaziergang mit anschließendem Fest präsentiert. Für das Jahr 2009 wurde der Kölner Stadtteil Mülheim für dieses Projekt ausgewählt.
Projekte für Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren
In diesem Alter befinden sich Kinder in einer sensiblen Phase der moralischen Entwicklung. Ihnen soll geholfen werden, die Fähigkeiten zu schulen, mit denen sie rassistische, diskriminierende und die Menschenwürde verachtende Handlungen und Äußerungen erkennen können und dann zu lernen, ihnen zu begegnen. In diesem Rahmen wurden bisher vor allem Grundschulprojekte gefördert mit Theater- und Hörspielprojekten, aber auch Kindertagesstätten beteiligten sich zum Beispiel mit einem Trickfilm-Projekt.
Ausbildung von jungen Menschen zu "Teamern"
Vor allem junge Menschen sollen durch diese Projekte befähigt werden, in Schulen/Betrieben über rechte Ideologien und Organisationen aufzuklären und entsprechend entgegenzuwirken. Workshops, Konzerte mit Informationen zu Textinhalten, eine Aufklärungsbroschüre über rechtsextreme Strömungen und Organisationen in Köln sowie eine Aufklärungsaktion über die menschenverachtenden und rassistischen Inhalte der „Schülerzeitung" von Pro Köln waren im letzten Jahr Ergebnisse der Arbeit.
Gemeinnützige, nichtstaatliche Organisationen, die zu den oben genannten Bereichen Projektideen haben, können Anträge beim NS-Dokumentationszentrum als Lokaler Koordinierungsstelle einreichen. Ein speziell für diesen Zweck gebildeter Begleitausschuss berät über die Vorschläge und kontrolliert die Verteilung der Gelder. Bis zum 26. Januar eingereichte Anträge können schon auf der Sitzung Anfang Februar beraten werden!
Soweit nicht anders ausgewiesen: Fotos: © NS-Dokumentationszentrum Köln
