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RESIST! Die Kunst des Widerstands

Omar Victor Diop
Jean-Baptiste Belley, 2014
Series Diaspora
Pigmenttintenstrahldruck auf Harman By Hahnemuhle-Papier / Pigment inkjet printing on Harman By Hahnemuhle paper © Omar Victor Diop, Courtesy Galerie MAGNIN-A, Paris.

27. November 2020 bis 2. Mai 2021

Der Widerstand gegen die Auswirkungen des kolonialen Erbes im Hier und Jetzt wird lauter: Er zeigt sich in der Debatte um die Umbenennung von kolonialen Straßennamen, der Restitution von geraubten Kulturgütern aus der Kolonialzeit, in der Zerstörung von Kolonialdenkmälern und nicht zuletzt der #BlackLivesMatter Bewegung. Diese aktuelle Entwicklung bildet den Hintergrund für die nächste internationale Großausstellung des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt: Sie beleuchtet 500 Jahre Praktiken antikolonialen Widerstands im Globalen Süden.

Die Ausstellung ist eine Hommage an die Frauen und Männer, die auf unterschiedlichste Art und Weise Widerstand geleistet haben und deren Geschichten bis heute kaum erzählt oder gehört wurden. Zugleich thematisiert sie die dramatischen Auswirkungen und das Fortbestehen von kolonialen Machtverhältnissen. Somit ist diese Ausstellung ein Versuch, die verborgenen Schichten und Geschichten des Widerstands freizulegen.

„Als ethnologisches Museum mit einem kolonialen Erbe wollen wir koloniale Widerstandsgeschichten bewusst mehrstimmig aus den Perspektiven von Künstler*innen und Aktivist*innen aus dem globalen Süden und der Diaspora darstellen“, so die Direktorin des RJM, Nanette Snoep. „Deshalb ist die Ausstellung partizipativ und evolutiv angelegt und bietet einen Raum, in dem diese Stimmen selbst sprechen können.“

Vier Frauen, Kurator*innen, Aktivist*innen wurden deshalb eingeladen, eigene Räume für die Ausstellung zu kuratieren. Die nigerianische Künstlerin und Kunsthistorikerin Peju Layiwola thematisiert die Restitutionsdebatten rund um geraubte Kulturgüter aus dem Königreich Benin (Nigeria), die sich bis heute auch in der Sammlung des RJM befinden und verbindet die Debatten mit der aktuellen #BlackLivesMatter Bewegung in den USA. Die namibischen Aktivistinnen Esther Utjiua Muinjangue und Ida Hoffmann sprechen über den deutschen Genozid an den Herero und Nama in Namibia und ihren Kampf für dessen Anerkennung. Die ungarische Kunsthistorikerin und Kuratorin Tímea Junghaus zeigt den langen Kampf von Roma und Sinti (Europas größter Minorität) um kulturelle Selbstbestimmung und was das mit Kolonialismus und Dekolonisation zu tun hat. Schließlich stellen die Kölner Aktivistinnen Elizaveta Khan und Mona Leitmeier vom Integrationshaus e.V. eine Verbindung her zwischen anti-kolonialem Widerstand und lokalem Widerstand von Menschen aus der Diaspora in Köln.

Anhand von zahlreichen historischen Objekten aus der ethnologischen Sammlung des RJM, sogenannten Zeugnissen von Widerstandsaktionen, die die Spuren von kolonialer Unterdrückung, Gewalt und Trauma, von Rebellion, Gegenwehr und Kampf, von Überleben, Resilienz und Heilung tragen, wird auch die eigene Sammlung des RJM unter die Lupe genommen und neu beleuchtet. Historisches Archivmaterial, Zeitungen, Briefwechsel, Fotografien, Dokumentarfilme und zahlreiche Biografien und Zitate von bekannten und unbekannten Widerstandskämpfer*innen weltweit ergänzen diese Erzählungen.

Werke von 27 zeitgenössischen Künstler*innen aus dem globalen Süden oder aus der Diaspora wie z.B. Kader Attia, Kara Walker, Patricia Kaersenhout und Ayrson Heráclito zeigen weitere Perspektiven auf 500 Jahre Widerstand. Der Umgang mit der Vergangenheit und das Aufbegehren gegen ihre Kontinuitäten wird in den Werken auf unterschiedliche Weise thematisiert. Die offenen und subversiv geführten Kämpfe des Widerstands werden durch die künstlerischen Arbeiten sichtbar, hörbar und erfahrbar gemacht. Die Wirkmächtigkeit von rassistischen Bildern und Geschichten wird durch Gegenbilder herausgefordert und dekonstruiert. Die psychologischen Nachwirkungen der kolonialen Gräueltaten werden ausgedrückt und durch Aneignung und die heilsame Erfahrung von Gemeinschaft Teil eines Verarbeitungsprozesses. Mit dem (Wieder-)Erlernen alten Wissens durch das Praktizieren von Sprache, Techniken und Ritualen, lehnen sich die Künstler*innen gegen den Verlust der eigenen Vergangenheit auf und konstruieren vielstimmige Zukunftsentwürfe.

Tanz und Musik haben einen wichtigen Platz in der Ausstellung: Rokia Bamba, Soundkünstlerin und DJ wird im Ausstellungszeitraum ein Sound- und Stimmenarchiv des Widerstands entwickeln und die zwei Urban-Dance-Choreografinnen Bahar Gökten und Daniela Rodriguez Romero setzen sich in der Ausstellungsfläche mit jugendlichen urbanen Tänzer*innen performativ mit dem Thema Widerstand auseinander.

Die Ausstellung ist prozesshaft und partizipativ angelegt und wird sich im Laufe der Ausstellungsdauer weiterentwickeln. Mit Hilfe neuer partizipativer und inklusiver Vermittlungsformate, die sich speziell auch an Jugendliche und junge Erwachsene richten, sollen die Themen der Ausstellung vertieft werden. So wird in Werkstätten im Ausstellungsraum mit Live-Speakers, Künstler*innen, Aktivist*innen, Schulklassen, Studierenden, Initiativen und den Besucher*innen das Thema Widerstand auf unterschiedliche Weise besprochen, bearbeitet und reflektiert und neue Aspekte des Themas werden in der Ausstellung hinzugefügt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm für verschiedene Altersgruppen mit Workshops, Filmreihe, Performances, Filmvorführungen und Erzählcafés begleitet die Ausstellung.

Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Peter und Irene Ludwig Stiftung und der F. Victor Rolff-Stiftung, der Museumsgesellschaft e.V. sowie im Programm 360° - Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft der Kulturstiftung des Bundes.

Mit dem Programm „360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“ unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Kulturinstitutionen dabei, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht angemessen erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielfalt von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal zielen.

 

Kuratorinnen autonome Räume „It’s Yours!“
Ida Hoffmann & Esther Utjiua Muinjangue (Namibia), Tímea Junghaus (Ungarn), Elizaveta Khan & Mona Leitmeier (Deutschland), Peju Layiwola (Nigeria)

Kuratorin Sound: Rokia Bamba (Belgien)

Kuratorinnen Urban Dance: Bahar Gökten (Deutschland), Daniela Rodriguez Romero (Deutschland)

Beteiligte Künstler*innen
Patricia Kaersenhout (Niederlande), Grada Kilomba (Deutschland/Portugal), Kara Walker (USA), Omar Victor Diop (Senegal), Kader Attia (Algerien/Frankreich), Luiza Prado de O. Martins (Deutschland/Brasilien), Mohammed Laouli (Frankreich/Marokko), Ayrson Heráclito (Brasilien), Nura Qureshi (Deutschland), Lawrence Paul Yuxweluptun (Kanada), Keviselie/Hans Ragnar Mathisen (Norwegen), Peter Magubane (Südafrika), Wantok Music Society (Papua Neuguinea/Australien), The Singh Twins (England), Hu?nh Van Thu?n (Vietnam), Juan Manuel Sandoval (Mexiko), Diego Sandoval Ávila (Mexiko), Belkis Ayón (Kuba), indieguerillas (Indonesien), LaPiztola (Mexiko), Gaëtan Noussouglo (Togo), Kiri Dalena (Philippinen), Tania Willard (Kanada), Edward Venero (Peru), Dhuwarrwarr Marika (Australien), Medu Art Ensemble (Südafrika), Tshibumba Kanda Matulu (DR Kongo), Mamadou Sall (Senegal), Robert Gabris (Slowakei/Österreich), Emília Rigová (Slowakei/ USA), Selma Selman (Bosnien und Herzegowina/USA), Malgorzata Mirga-Tas (Polen), Alfred Ullrich (Deutschland)

Ausstellungsgestaltung
raumlaborberlin
Florian Stirnemann und Benjamin Foerster-Baldenius
mit Louise Nguyen, Sarah Bovelett und Thomas Quack

Ausstellungsgrafik
Elsa Westreicher und Studio Quack

Öffnungszeiten & Adresse

Cäcilienstraße 29-33
50667 Köln
Telefon 0221 / 221 - 313 56
rjm@stadt-koeln.de

Di-So 10-18 Uhr
Do 10-20 Uhr
1. Do im Monat: 10-22 Uhr
(an Feiertagen 10-18 Uhr)
Mo geschlossen

Weiberfastnacht (Donnerstag) bis Rosenmontag geschlossen

Impressum / Datenschutz

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