
Die Sammlungen des Rautenstrauch-Joest-Museums umfassen rund 65 000 Objekte und 100 000 historische ethnografische Fotografien aus aller Welt sowie eine überregional bedeutende Fachbibliothek mit 35 000 Bänden.
In der über 20 000 Objekte umfassenden Ozeanien-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Deutschland zählt, sind neben Australien alle großen Regionen der Südsee - Melanesien, Polynesien und Mikronesien - vertreten. Schwerpunkte der Sammlung bilden Neuguinea und die Inseln des angrenzenden Bismarck-Archipels. Der Grundstock des Bestandes geht auf die Sammeltätigkeit von Wilhelm Joest Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Alltagsgegenstände sind ebenso vorhanden wie Ritualobjekte - darunter eine Anzahl hochkarätiger Masken und Skulpturen. Glanzstück der Sammlung ist ein prächtiger, gut erhaltener Federmantel, der einst dem hawaiianischen König Kamehameha II. (1797-1824) oder einem hochrangigen Adligen seines Gefolges gehörte. Unter den Großobjekten sind ein 5 Meter hoher Yamsspeicher von den Trobriand-Inseln und ein 9 Meter langes Plankenboot von den Zentralen Salomonen hervorzuheben.
Der Schwerpunkt der rund 13 000 Objekte umfassenden Afrika-Sammlung liegt auf traditionellen Skulpturen, Masken und Ritualgegenständen, die in Geheimgesellschaften im Kult und bei der Wahrsagerei vor allem in West- und Zentral-Afrika verwendet wurden - darunter zahlreiche repräsentative Beispiele afrikanischer Kunst. Entsprechend den Interessen der in der Kolonialzeit aus Europa nach Afrika Reisenden machen Waffen einen weiteren Schwerpunkt des Bestandes aus. 1966 erwarb das Museum die rund 550 Objekte zählende Afrika-Sammlung des Düsseldorfer Malers Klaus Clausmeyer. Neuere Sammlungsschwerpunkte bilden Keramik und Nomadenkulturen der Sahara und des Sudan.
Links: Figurenpaar der Mbole, Demokratische Republik Kongo, Ende 19. Jh., Höhe 78 cm und 75 cm.
Glanzpunkte der Indonesien-Sammlung (ca. 10 000 Objekte) bilden ein 11 Meter langer 7 Meter hoher traditioneller Reisspeicher der Sa' dan Toraja von der Insel Sulawesi sowie eine in Deutschland einzigartige Sammlung von Ethnographica aus Ostindonesien mit herausragenden Beispielen der Holzbildhauerkunst. Ein vollständiges Gamelan-Instrumentenensemble aus Zentraljava konnte Dank einer großzügigen Zuwendung der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse 1997 erworben werden. Unter Anleitung können Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf den Instrumenten musizieren; aktuelle Kursangebote siehe unter http://sahrmann.tripod.com/.
Links: Reisspeicher der Sa`dan-Toraja, Sulawesi, um 1900, Höhe 7,5 m, Länge 11 m.
Mit etwa 7 000 Objekten repräsentiert die Asien-Sammlung vor allem die indisch geprägten Kulturen Süd- und Südost-Asiens in Form von hinduistischen und buddhistischen Stein- und Bronzeskulpturen aus Indien, Kambodscha, Thailand und Burma aus der Zeit vom 8. bis 16. Jahrhundert. Eine umfangreiche Sammlung veranschaulicht die keramische Entwicklung in Kambodscha und Thailand vom 12. bis zum 15. Jahrhundert. Tonwaren und Bronzeschmuck belegen die prähistorische Ban Chiang-Kultur im Norden des heutigen Thailand. Besondere Erwähnung verdient zudem eine an die 300 Stücke umfassende Sammlung farbenprächtiger Masken für profane Maskenspiele und traditionelle Heilrituale auf Sri Lanka sowie reichhaltige Bestände zur Ainu-Kultur im Norden Japans.
Links: Mönch in Anbetung, Thailand, Sukhothai-Stil (13.-15. Jh.), Höhe 49 cm.
Die Indianer Nordamerikas sind mit etwa 1600 Objekten - einer kleinen, aber qualitätvollen Auswahl - vertreten. Besondere Erwähnung verdient eine große, fein bemalte Bisonrobe der Pawnee aus den Zentralen Prärien, die vor 1903 von Frauenhand gefertigt und einst als Überbekleidung verwendet wurde. Gewicht hat auch ein geschlossenes Konvolut von der Nordwestküste mit feinsten Flechtwaren und raffinierten Holzschnitzereien, darunter meterhohe sogenannte Totempfähle.
Links: Kopfaufsatz der Haida, Nordwestküste, vor 1900, Höhe 16,5 cm, Breite 18 cm, Tiefe 38 cm.
In der Sammlung Vorderer Orient ist mit rund 2000 Objekten vor allem der Nachlass des Max Freiherr von Oppenheim (1860-1946) hervorzuheben, der vor 100 Jahren als Diplomat in Kairo lebte. Bis November 2003 waren in der Ausstellung ,Faszination Orient' chinesische, Wiener und Meißner Porzellane, die für den islamischen Markt geschaffen wurden, reichdekorierte Metallarbeiten, wissenschaftliche Messinstrumente, Schreibgeräte und Bücher, Musikinstrumente und prächtige Textilien zu sehen. Die zu einer Reflexion des Orientalismus - der romantisierenden europäischen Sicht auf den 'Orient' vergangener Zeiten - anregende Inszenierung soll im neuen Rautenstrauch-Joest-Museum am Josef-Haubrich-Hof erneut umgesetzt werden.
Links: Ölgemälde Max von Oppenheim, E. Kossuth, 1930, 133 cm x 102 cm.
Den Großteil der Alt-Ägypten-Sammlung machen 338 Objekte aus, die die Kölner Ägyptologin Ellen Doetsch-Amberger 1987 und 1992 dem Haus zusammen mit einem selbst erarbeiteten Katalog schenkte. Objekte zum Totenkult sind zahlreich vertreten, es gibt bezaubernde Schmuckstücke und faszinierende Amulette.
Links: Stele der Mwt-js-dj-s, Spätzeit (7.-4. Jhh. v. Chr.), Höhe 39,5 cm, Breite 25,8 cm, Tiefe 4 cm.
Über 200 Objekte zählt die hochkarätige Sammlung Alt-Amerika, die das Aachener Ehepaar Peter und Irene Ludwig 1983 der Stadt Köln aus ihrem Privatbesitz überließ. Ein Glanzstück stellt sicherlich Stele 35 dar, auf der der zweite Herrscher von Piedras Negras mit den Insignien seiner Macht dargestellt ist; er bestieg 639 n.Chr. den Thron.
Links: Stele 35, Fragment, Piedras Nigras, El Petén, Guatemala, Maya-Spätklassik, geweiht 20.8.662. Heller Kalkstein, Höhe: 135 cm.
Die Textil-Sammlung enthält rund 3 500 Objekte, von denen über ein Drittel vor 1925 ins Haus gelangte. Schwerpunkte liegen in Indonesien und im Vorderen Orient, größere Bestände gibt es zudem aus Ozeanien und Afrika. Zeremonialtextilien sind ebenso vertreten wie Gewänder, vollständige Kostüme und Gebrauchstextilien. Zahlreiche Arbeitsgeräte belegen einfache und komplexe Techniken der Textilproduktion.
Links: Hochzeitssarong kain panjang, Semarang, Nordjava, um 1860. Baumwolle, Goldauflage, Breite: 202 cm.
Das historische ethnografische Fotoarchiv des Museums verwahrt etwa 25 000 Fotografien vornehmlich aus Afrika, Ozeanien und Indonesien, die größtenteils auf eine Schenkung aus dem Nachlass des Kölner Bürgers Georg Küppers-Loosen im Jahr 1911 zurückgehen. 1995 kam mit rund 80 000 Negativen, Dias und Abzügen der Nachlass des großen Weltreisenden Hans Helfritz hinzu. Die fotografischen Zeugnisse der Vergangenheit stellen eine bedeutende Quellengattung bei der Erforschung außereuropäischer Kulturen dar, und sie reflektieren in besonderem Maße unsere eigenen zeitbedingten ,Bilder'.
Links: Thomas Andrew - Samoanische Mädchen mit Fächer, 1893,
Albumindruck auf Karton,
19,4 cm x 13,2 cm
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