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Neuzugänge im Sammlungsbestand

Der Sammlungsbestand im Rautenstrauch-Joest-Museum wird kontinuierlich erweitert, sei es auf dem Weg einer Schenkung oder durch Ankäufe. Gerade in den letzten Jahren konnten einige spektakuläre Neuzugänge verzeichnet werden.

2011

Die Afrikaabteilung hatte in diesem Jahr drei größere Smmlungsneuzugänge erhalten: eine 15 Metallfigurengruppen umfassende Sammlung mit Objekten des togoischen Künstlers Didier A. Ahadsi; 46 beschlagnahmte Elfenbeinskulpturen aus Westafrika, die das Museum vom Hauptzollamt in Magdeburg erhielt sowie 51 Darstellungen von Afrikanerinnen und Afrikanern auf Objekten der europäischen Populärkultur, die der Verein Kopfwelten e.V. dem Museum als Ergänzung seiner Sammlung zum Thema »Stereotype« überlassen hat.

Tanzender Ganesha, Ostindien, Pala-Dynastie, 11.-12. Jh., grauer Chlorit, Höhe 46 cm, Köln, Rautenstrauch-Jost-Museum

 

Mit Ankaufsmitteln der Stadt Köln konnte für die Asienabteilung die kostbare Statue eines tanzenden Ganesha erworben werden (Abb.). Die aus dunklem, poliertem Chlorit hergestellte Figur stammt aus der Zeit zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert und ist der ostindischen Pala-Dynastie zu zurechnen. Der ele fan tenköpfige Gott Ganesha gehört zu den beliebtesten Gottheiten Indiens und wird vor geschäftlichen und privaten Vorhaben sowie religiösen Zeremonien ange rufen. Um seine halbmenschliche, halbtierische Gestalt ranken sich viele Legenden. Im hinduistischen Glauben gilt Ganesha als Sohn von Gott Shiva und seiner Gemahlin Parvati. Einst beauftragte diese ihren Sohn, die Tür zu bewachen, hinter der sie ungestört ein Bad genießen wollte. Ganesha führte den Auftrag gewissenhaft aus und verweigerte selbst seinem Vater den Zutritt. Wutentbrannt schlug dieser seinem Sohn daraufhin den Kopf ab. Shiva versprach seiner untröstlichen Gattin sogleich reumütig, Ganesha einen neuen Kopf aufsetzen zu wollen - vom erstbesten Wesen, dem er begegnen sollte. Dies war ein Elefant! In tanzender Form ist Ganesha selten dargestellt. Sein Rüssel langt in eine Schale mit Süßigkeiten, seiner Lieblingsspeise. Die Skulptur wird in Kürze in der Abteilung »Religionen · Vielfalt des Glaubens« das dortige Götterpantheon erweitern. 

2010

Für die Indonesienabteilung konnten zwei geflochtene Matten der Ngaju-Dayak aus Zentralkalimantan, Südborneo, Indonesien, aus erster Hand erworben werden: Der Veräußerer hatte von 1949-1959 als Arzt vor Ort gelebt und gearbeitet. Seit seiner Rückkehr in die Niederlande hatte er die Matten in seinem Privathaus verwahrt. Bei-de Matten erzählen Aspekte aus der komplexen Schöpfungsmythologie der Ngaju-Dayak: Während die eine das Motiv eines reich geschmückten Lebensbaumes mit Nashornvögeln zeigt, sind auf der anderen Aspekte der kosmologischen Vorstellun-gen der Ngaju-Dayak festgehalten; Die Matten ergänzen den Bestand von komple-xen Zeichnungen aus der Gegend, die traditionellen Priestern während nächtelanger Mythen-Rezitationen anlässlich großer Totenfeiern als Erinnerungsstütze dienten. Die Zeichnungen wurden einst auf Holzbrettern aufgebracht. Der rheinische Missio-nar Philipp Zimmermann ließ sie Anfang des 20. Jahrhundert mit Buntstiften auf Pa-pier übertragen und hat sich damit um die Bewahrung des traditionellen Weltbildes der Ngaju-Dayak große Verdienste erworben.

Die Textilabteilung erfuhr durch die Schenkung von 28 Textilien von der kleinen Insel Raijua im Osten von Indonesien einen wichtigen Zuwachs. Bislang enthielt die Sammlung keinerlei Webereien mit dieser Provenienz.

Raijua, Indonesien
Baumwolle, Kettikat
H: 98 cm, B: 33 cm
Inv. Nr. 64541, Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt, Köln
Copyright: Marion Mennicken, rba

Lingam
Khmer, Kambodscha, Südostasien
Sandstein
H: 110 cm
Pre-Angkor (ca. 7./8. Jh.)
Inv. Nr. 64663, Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt, Köln
Copyright: Michael Woerner

Für die neueingerichtete Dauerausstellung konnte das Museum ein 110 cm hohes Lingam aus grauem Sandstein erwerben. Das hervorragend erhaltene Lingam stammt von den Khmer aus Kambodscha, Südostasien, und ist in die Pre-Angkor Periode (ca. 7./8. Jh.) datiert. Es besitzt das Thailand Art Loss Register Certificate.
Das Lingam ist das Symbol für die Schöpferkraft von Gott Shiva, einem der Hauptgötter des Hinduismus, dem als Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des Kosmos höchste Verehrung zuteil wird. Gott Shiva ist in der Sammlung und auch in der neuen Dauerausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums im Themenbereich Religion mit einer eindrucksvollen Sandstein-Skulptur ebenfalls aus der Angkor-Zeit (9. Jh.) vertreten und wird durch den Ankauf des kolossalen Lingams in hervorragender Weise ergänzt.

 

 

Zu den Neuerwerbungen des Rautenstrauch-Joest-Museums 2010 zählt zudem eine großartige Holzskulptur (bateba) der Lobi, die in den heutigen Staaten Burkina Faso, Côte d'Ivoire und Westghana beheimatet sind. Es handelt sich um eine 123 cm hohe, aufrecht stehende männliche Figur.
Skulpturen dieser Art sind aus Sicht der Lobi lebendige und aktive Wesen. Sie sind dank ihrer übermenschlichen Fähigkeiten etwa in der Lage, Hexen und Schadenzauber zu erkennen und zu bekämpfen. Sie befinden sich im Besitz von einzelnen Personen, die oft Heiler sind.
Bateba stellen eine Art Mischwesen dar, mit menschenähnlichem Aussehen und übermenschlichen Qualitäten. Sie sind nicht unsterblich, sondern können sterben, wenn ihre Körper zu stark verfallen sind oder sie von den thila - Geistwesen, die das gesamte Leben der Lobi bestimmen - verlassen wurden. 

Skulptur (bateba)
Lobi, Burkina Faso
Hartholz
H: 123 cm, B: 15,8 cm, T: 14,5
Inv. Nr. 64533, Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt, Köln
Copyright: Marion Mennicken, rba

Die Skulptur gelangte etwa 1980 in den Handel, war in mehreren Ausstellungen zu sehen und wurde im Jahr 2010 dem Museum geschenkt. Ihre genaue geografische Herkunft lässt sich aufgrund der enormen stilistischen und ikonografischen Vielfalt der Lobi-Skulpturen nur schwer bestimmen. Schnitzer können bei den Lobi (innerhalb der Lobi-Stilkonvention) in der Regel ihren ganz persönlichen Schnitzstil entwickeln. So existieren in der Region eine Vielzahl ikonografischer Typen von Lobi-Skulpturen, deren Schnitzer sie zumeist auf Anweisung von Geistwesen (thila) schufen, welche nicht nur die Herstellung von Gegenständen von den Menschen verlangen, sondern dabei auch sehr detailliert und präzise die Art und Weise vorgeben, in welcher jene geschnitzt werden sollen.

 

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