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Jean J.

Jean J. wuchs nach "Streitigkeiten der Eltern" bei seinen Großeltern auf. Nach Besuch der Volksschule begann er am 1. April 1943 eine Ausbildung beim Reichsbahn-Ausbesserungswerk in Köln-Nippes als Maschinenschlosser. Er wurde etwa eine Woche vor seiner Verhaftung zum Westwalleinsatz einberufen, desertierte jedoch rasch wieder.

Seit 1939 gehörte er dem Jungvolk und der Flieger-HJ (Werks-HJ) an.

Am 10. Oktober 1944 wurde Jean J. wegen seiner "Verbindung zu dem Bandenführer St." gemeinsam mit Ferdinand St. und Günther Schw. in einer Gartenlaube am Blücherpark festgenommen.

Im Ermittlungsbericht heißt es zu ihm: "J. war am Westwall zu Schanzarbeiten eingesetzt. Dort wurde er eine Woche vor seiner Festnahme flüchtig. Obwohl er Angehöriger der HJ war, hat er sich seit Mitte 1944 durch Mitbegründung eines Fahrtenvereins im Sinne der Edelweißpiraten betätigt. In dieser verbotenen Vereinigung war er als Kassierer tätig. Durch den Mitbeschuldigten St. machte er die Bekanntschaft der am 10.11.1944 exekutierten Bandenmitglieder Rh. und Sch. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er, daß der Bandenführer St. einen Sprengapparat bekommen sollte. Es wurde ihm auch bekannt, daß der Sprengapparat durch St. und Rh. überbracht worden ist. Von St. erfuhr er weiter, daß die bei in der Gruppe um Hans St. verkehrenden "Jungens" im Besitz von Pistolen seien. Trotzdem hat er mit St. wiederholt die Unterkunft in der Schönsteinstr. aufgesucht. Ferner nahm er mit St. an einer Besprechung in der Wohnung der entwichenen S. in Anwesenheit von Rh., Sch. und weiteren Bandenmitgliedern teil. Die Besprechung diente der Errichtung eines Unterschlupfs für die Bande auf einer Insel des "Lidosees" im neuen Stadtwald von Köln."

Abschließend werden die Aktivitäten von Jean J. von der Gestapo folgendermaßen bewertet: "Wenn J. bisher eine aktivere Betätigung im Sinne der Terrorgruppe nicht nachgewiesen werden konnte, so besteht doch auf Grund der Umstände und seines Verkehrs mit den Bandenangehörigen der dringende Verdacht, daß er zumindest bereits gesinnungsmäßig zur Bande gehörte und seine aktivere Betätigung als eine einem fahnenflüchtigen gleichstehende Person nur noch eines geringen Anstoßes bedurfte."

Tatsächlich zog sich Jean J. jedoch bewusst von der Gruppe zurück. Nach der ersten Begegnung mit Hans St. in der Schönsteinstraße, bei dem er den Sprengapparat überbrachte, ging er drei Wochen nicht wieder dorthin. Es ist daher durchaus glaubwürdig, dass ihn reine Neugierde dorthin getrieben, dass ihm aber das "Treiben dort" nicht gefallen hätte. Auch Ferdi St. bestätigt, dass Jean J. nach seinen ersten Eindrücken die Schönsteinstraße verließ, weil er "mit der Sache nichts zu tun" haben wollte.



 
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