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Theodor B.

Theodor B. besuchte zunächst die Hilfsschule in der Jakobstraße. Danach absolvierte er noch drei Jahre auf der Fortbildungsschule. Nachdem er vom 14. bis zum 16. Lebensjahr als Arbeiter in einer Installationsfirma angestellt war, arbeitete ein Jahr in der Hutfabrik Eisenfein. Dieser Tätigkeit folgte eine Stelle als "Landhelfer" auf einem Bauernhof sowie ein dreimonatiger Einsatz beim Reichsarbeitsdienst (RAD). Zuvor hatte B. seinen Lebensunterhalt mit Aushilfsarbeiten, insbesondere dem Straßenverkauf von Briketts, bestritten. Dieser Tätigkeit ging er auch zum Zeitpunkt seiner Festnahme nach. Offiziell war er aber seit längerer Zeit arbeitslos.

Vor der NS-Machtübernahme war Theodor B. in keiner NS-Organisation Mitglied. Vom 1. Oktober 1936 bis August 1937 hatte B. seinen RAD-Dienst in Hannover absolviert. Er war bereits gemustert und tauglich für die Artellerie befunden worden. Er hatte einen Stellungsbefehl nach Würzburg für den 4. November 1937.

Von 1933 bis 1934 gehörte Theodor B. der HJ an. Er trat aus, so zumindest seine Angabe im Gestapo-Verhör, weil ihm der "dauernde Führerwechsel" in der Organisation "nicht mehr behagt" habe.

Vor der Gestapo sagte B. zunächst aus, dass er erst seit kurzem Kontakt zu der Gruppe am Waidmarkt habe, um dann in einer weiteren Vernehmung am 15. Oktober einräumen zu müssen, dass er sich bereits seit längerem regelmäßig dort aufhalte. Er sei auch mit mehreren der sich dort treffenden Jugendlichen auf Fahrt nach Rösrath gegangen. Er habe diese Fahrten jedoch nicht organisiert.

B. räumte ein, dass er "vor etwa 14 Tagen", also Ende September/Anfang Oktober 1937 auf Hinweis von Leo D. einmal im Volksgarten gewesen sei, um sich die dort treffenden Gruppen anzuschauen. Er sei später jedoch nicht mehr dorthin gegangen, "da ich erfuhr, dass die Polizei verschiedentlich gegen diese Gruppen eingeschritten war".

Die Gestapo warf Theodor B. vor, "in der bekannten Tracht Fahrten und dergleichen zu machen". "Von einer staatsfeindlichen Einstellung oder einer Einstellung gegen die HJ" habe er allerdings nichts bemerkt, auch habe er nie gehört, dass "Lieder abfälligen Inhalts" gesungen worden seien, so B. in seiner Vernehmung. Es seien zwar "mit Gitarrenbegleitung Lieder angestimmt worden", doch habe es sich hierbei "um Fahrtenlieder" gehandelt, die "keinerlei zu beanstandenden Text" enthalten hätten.

Die Gruppe am Waidmarkt habe, so Theodor B., keinen "Führer". Ihm sei auch nicht bekannt, "dass auch in anderen Stadtvierteln ähnliche Cliquen ihr Unwesen treiben" würden. Er jedenfalls habe keinerlei Verbindung zu solchen Gruppen gehabt und sich "lediglich der Unterhaltung wegen in den Kreis dieser Jugendlichen" am Georgplatz begeben, ohne damit irgendwelche weiteren Ziele verfolgt zu haben.

Nachdem Theodor B. am 21. Oktober 1937 aus der Schutzhaft entlassen worden war, wurde er am gleichen Abend im Rahmen einer Großrazzia erneut festgenommen, als er sich gemeinsam mit Wilhelm M. auf dem Weg zum Treffpunkt am Georgplatz befand. In der neuerlichen Vernehmung schilderte er seinen Weg von der HJ zu den "Navajos": "Nachdem ich aus der HJ ausgetreten war, schloss ich mich mit noch einigen Freunden aus meiner Nachbarschaft zusammen. Es waren Jungens, die zum Teil in der HJ waren, zum Teil ausgetreten waren. Wir haben auch damals Fahrten mit der HJ gemacht. Von Navajos war damals noch keine Rede. Auch hatten wir damals mit der HJ keinerlei Schwierigkeiten." Wann die Bezeichnung "Navajos" aufgetaucht sei, konnte Theodor B. nicht angeben. Er sei im vergangenen Sommer mit seinen Freunden nahezu jeden Abend in den Volksgarten gegangen. "Als dort die Festnahmen von Navajos waren", habe er Leo D. kennen gelernt, der ihn mit der Gruppe in Verbindung gebracht hätte. "Über den Zweck der Navajos sagte mir D. nichts; er sagte mir nur, dass sie sonntags mit Mädels zusammen Fahrten machten." Daraufhin habe er sich, so B. weiter, zweimal mit der Navajo-Gruppe im Volksgarten getroffen. Später sei der Treffpunkt von dort zum Georgplatz verlegt worden.

Die Kluft von Theodor B. entsprach nur in Teilen der "Idealvorstellung" der Gestapo: Er besitze ein buntes Hemd, Stiefeln und ein Kraftband, räumte er ein, während er jedoch nicht über kurze Hosen, ein Holztuch und ein Koppel verfüge. Mit der Georgplatz-Gruppe habe er drei Fahrten unternommen, sämtlich ins "Ammerländschen" nach Rösrath.

In seinem Verhör am 22. Oktober 1937 bestritt Theodor B. vehement, dass er der Anführer der Gruppe am Georgplatz sei. Er habe dort "noch keinen Führer erkennen können". Gleichzeitig gab er jedoch zu, "einen Tag lang ein Armband mit Totenkopf getragen zu haben". Das hätten auch andere Jungen getan, deren Vorbild er gefolgt sei. "Was das bedeuten sollte, kann ich nicht sagen." Weil sein Vater ein weiteres Tragen des Kraftriemens verboten habe, habe er es einer "Thea" aus Deutz geschenkt, "die sich immer mit noch mehreren Mädels auf dem Georgplatz einfand". Ansonsten kenne er "keine Zeichen, die die Navajos führen". Überhaupt würde er sich selbst nicht als "Navajo" bezeichnen, wiewohl im klar sei, "dass wir ein Klübchen für uns darstellten". Insbesondere wisse er überhaupt nichts von einer Absicht, "dass wir die bündische Jugend wieder aufleben lassen wollten". Den Begriff "Navajo" habe er von einem "SS-Mann Eupen" sowie von Jugendlichen "An der Eiche" gehört.

Gegen Ende seiner Vernehmung vom 22. Oktober 1937 schilderte Theodor B. den Abend seiner neuerlichen Festnahme folgendermaßen: Nachdem er am 21. Oktober aus der Schutzhaft entlassen worden war, sei er nachmittags zur "Stollwerkfabrik" in der Südstadt gegangen, um dort eine dort arbeitende Freundin aus Deutz zu treffen. "Da traf ich den Hans R. aus der Rosenstraße. Der Hans R. sagte mir, wenn ich abends nichts vorhätte, sollte ich zu ihm in die Wohnung kommen. Nachmittags hatte ich den M. zufällig am Holzmarkt getroffen und ging abends mit diesem zum R. Bei diesem befand sich noch ein Mädchen aus Sülz. Ich habe von unserer Festnahme erzählt und auch gesagt, dass man mich nach den Navajos befragt hat. Wir haben Radio gehört und sonst nichts besprochen. Bevor ich zu R. ging, war ich mit der Thea am Georgplatz vorbeigegangen, wir trafen aber keinen von unseren Freunden an. Von R. aus sind wir später über das Sionstal zum Heumarkt gegangen und wurden an der Malzmühle festgenommen."

"Auf Vorhalt" und der Lüge bezichtigt blieb Theodor B. am Ende des Verhörs bei seiner Behauptung, er wisse nichts davon, "dass wir gegen die HJ auftreten und Streit verursachen wollen". Er versprach gleichzeitig, sich "künftig von allen meinen bisherigen Freunden vom Georgplatz zurückzuziehen, nicht mehr zum Georgplatz zu gehen, keine entsprechende Kluft mehr zu tragen und mich so zu führen, dass ich nicht wieder als Navajo angesehen werden kann". Er wurde nochmals verwarnt und mit der Drohung entlassen, dass er im Widerholungsfall "mit strengen Maßnahmen zu rechnen habe".

Theodor B. war einer jener Jugendlichen, die am 12. Oktober 1937 in den Zwischenfall mit dem NSKK-Verkehrserziehungsdienst auf der Hohe Straße verwickelt waren, wobei er vor der Gestapo vehement bestritt, dass es sich bei der beteiligten Jugendclique um "Navajos" gehandelt habe.

Gegen ihn wurde eine siebentägige Schutzhaft verhängt. Nach seiner neuerlichen Verhaftung am 21. und dem Verhör am 22. Oktober 1937 wurde er nach der Vernehmung ins Polizeigefängnis Klingelpütz überstellt. Bei seiner Vorführung am Amtsgericht am 25. Oktober 1937 wiederholte Theodor B. seine Aussage und bestritt nochmals, sich "staatsfeindlich betätigt" zu haben. Am 16. Dezember 1937 wurde er vom Kölner Sondergericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht führte zu seiner Person aus: "Der Angeklagte B. war bis 1934 in der HJ. Er will deswegen ausgetreten sein, weil die HJ-Führer zu viel gewechselt hätten und ihm dies nicht gepasst habe. Er lässt sich dahin ein, er habe den Mitangeklagten D. im Volksgarten kennen gelernt und habe sich sodann bei den im Volksgarten abendlich zusammen kommenden jungen Leuten, von denen einige schwarze Kluft getragen hätten, aufgehalten, bis die dortigen Zusammenkünfte von der Polizei aufgelöst worden seien. Sodann habe er sich häufig mit den am Georgsplatz zusammen kommenden jungen Leuten getroffen. Auch habe er insgesamt drei Fahrten mitgemacht, die zum ‚Ammerländchen' gegangen seien; dort hätten sich etwa 15 - 20 junge Leute getroffen; er selbst habe bei den Fahrten ein buntes Skihemd, ferner auch das sog. Kraftband, einen Armriemen, getragen, den er bei der Arbeit zur Verstärkung des Handgelenkes nötig gehabt habe. Zu dem Armriemen habe er sich auch einen Totenkopf gekauft, den er aber nur kurz getragen habe. Auch sei es richtig, dass er den Hitlerjungen Kl. etwa 2 Monate vor seiner Festnahme geschlagen habe, indessen sei dies eine rein private Angelegenheit gewesen und in Notwehr geschehen. Von sonstigen Schlägereien wisse er nur, dass D. einmal einen Erwachsenen geschlagen habe; warum, sei ihm nicht bekannt."



 
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